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Wie viele Lehrer wegen Corona ausfallen

Die Lehrer in den Kreisen Görlitz und Bautzen halten zur Stange: Nur ganz wenige haben ein Attest, das sie vom Präsenzunterricht befreit.

An der Oberschule in Niesky fehlt zumindest aufgrund der Corona-Krise niemand, alle Lehrer halten Präsenzunterricht.
An der Oberschule in Niesky fehlt zumindest aufgrund der Corona-Krise niemand, alle Lehrer halten Präsenzunterricht. © André Schulze

Null, antwortet Norbert Kavel. Er ist der Leiter der Oberschule Niesky und bei ihm stehen seit dieser Woche wieder alle Lehrer vor den Klassen, aufgrund der Corona-Krise hat sich niemand vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Erleichtert? "Das ist gar keine Frage", sagt Kavel, "denn es war schwer abschätzbar". Erleichterung auch bei Matthias Müller, Leiter der DPFA-Regenbogenschule in Weinhübel. Eine Lehrerin fehlt derzeit zwar wegen einer Erkrankung, aber niemand aufgrund der Corona-Krise.  

Ähnlich ist es an den meisten Schulen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen:  Die allermeisten der 4.600 Lehrkräfte stehen seit dieser Woche wieder vor ihren Klassen. Wie Jens Drummer vom Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen mitteilt, haben etwa 100 Lehrer in beiden Kreisen ein ärztliches Attest eingereicht, mit dem sie keinen Präsenzunterricht halten müssen - weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Dennoch wird ein Großteil dieser 100 Lehrer in der Schule unterrichten. 

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Attest vorsichtshalber eingereicht?

An den Grundschulen beider Landkreise haben bislang knapp über 50 Lehrer ein ärztliches Attest eingereicht. "45 von ihnen werden dennoch Unterricht halten", sagt Jens Drummer. Warum sie trotzdem eine Bescheinigung vorgelegt haben, könne er nur vermuten: "Möglicherweise haben sich manche, die zu Risikogruppen gehören, ein Attest vorsichtshalber ausstellen lassen, für den Fall, dass sich die Corona-Lage in den kommenden Wochen verschärft." 

40 bis 50 Lehrer stehen nicht vor der Klasse

An Oberschulen und den Gymnasien haben weniger Lehrer als an den Grundschulen ein Attest eingereicht, anteilig werden aber mehr tatsächlich keinen Präsenzunterricht halten. An den Berufsschulen sind es knapp 20 Lehrkräfte mit Bescheinigung, über die Hälfte wird dennoch in der Schule sein. "Damit haben von rund 4.600 Lehrkräften etwa hundert ein Attest, von denen 40 bis 50 keinen Präsenzunterricht halten werden." 

Bei Letzteren, nimmt Drummer an, wird es sich zu einem Teil um schwangere Lehrerinnen handeln, die derzeit nicht arbeiten dürfen. Auch ihre Bescheinigungen zählen in die Gesamtzahl, erklärt Drummer:  Für Schwangere gilt in Sachsen aktuell ein betriebliches Beschäftigungsverbot für den Einsatz im Präsenzunterricht. "Sie können es sich auch nicht aussuchen."  Das mache die Zahl derer, die aus anderen, medizinischen Gründen nicht in der Schule sein werden, noch kleiner. 

"Die Mehrheit hat ein sehr hohes Arbeitsethos"

"Ich hätte größtes Verständnis, wenn die Zahlen deutlich höher ausgefallen wären", so Drummer. Denn die Gefahr, dass Schüler oder Lehrkräfte, die womöglich aus Risikogebieten zurückkehren, doch das Virus in eine Schule tragen, sei gerade jetzt nach den Ferien nun mal gegeben. Und in der Oberlausitz arbeiten besonders an den Grundschulen vergleichsweise viele ältere Lehrer, hatte kürzlich Bernd Kaiser von der Lehrergewerkschaft im SZ-Interview gesagt. 

"Man kann hier wirklich nicht davon sprechen, dass irgendjemand die Möglichkeit, sich vom Präsenzunterricht freistellen zu lassen, ausnutzen würde", so Jens Drummer. "Die überwältigende Mehrheit legt hier ein sehr hohes Arbeitsethos an den Tag." 

Lehrerfrage trotzdem angespannt

Dennoch, unabhängig von der Corona-Krise,  bleibe die Lehrer-Frage in der Oberlausitz angespannt. Für das neue Schuljahr konnten in beiden Landkreises 88 Stellen besetzt werden, darunter 34 an den Grundschulen, 14 an den Oberschulen, 18 an den Gymnasien und zehn an den Berufsschulen. Damit konnten bislang nicht alle freien Stellen besetzt werden, im Vergleich zur Lage vor einigen Wochen sieht die Situation aber etwas besser aus.

Für das neue Schuljahr wurden Lehrer für 130 Stellen gesucht. Zunächst waren nur 79 Bewerbungen eingegangen. "Jeder Bewerber hat auch für dieses Schuljahr wieder ein Angebot bekommen", sagt Drummer. Das haben nicht alle angenommen, dafür konnten sich aber offenbar einige Lehrkräfte, die sich für eine andere Region beworben hatten, mit einer Stelle in der Oberlausitz anfreunden. "Damit ist die Lage immer noch angespannt. Anderes zu behaupten, wäre falsch", so Drummer. Aber der Trend dieses Jahr stimmt ihn positiv. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sehe ich ein kleines Licht am Ende des Tunnels." 

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