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Wie viele Menschen hatten tatsächlich schon Covid-19?

Antikörper-Tests zeigen, wer bereits immun ist. Das Robert- Koch-Institut startet jetzt mit Studien – auch in Sachsen.

Mit der Analyse von Blutproben wollen die Forscher den Verlauf und Schwere der Corona-Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten können.
Mit der Analyse von Blutproben wollen die Forscher den Verlauf und Schwere der Corona-Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten können. © Matthias Balk/dpa

Etwa 140.000 Deutsche haben bisher das Coronavirus überlebt. Besser gesagt: Etwa 140.000 Deutsche wissen, dass sie es überlebt haben, weil sie positiv getestet wurden. Tatsächlich dürften es aber deutlich mehr sein. Denn die Symptome von Covid-19 ähneln denen einer Grippe – und viele Menschen haben den Infekt längst selbst kuriert, ohne einen Arzt zu konsultieren. Wenn sie überhaupt Symptome hatten.

Wissenschaftler und Politiker stehen damit vor einer großen Unbekannten: Wie viele Menschen haben Covid-19 bereits durchgemacht? Oder anders gefragt: Wie viele Menschen sind zumindest für eine gewisse Zeit immun gegen das neuartige Coronavirus? Dieser Frage will nun das Robert -Koch-Institut (RKI) in mehreren groß angelegten Studien auf den Grund gehen. Dabei wird das Blut auf Antikörper gegen Sars-Cov-2 untersucht. „Die Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um den Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können“, erklärt RKI-Präsident Professor Lothar Wieler.

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Wie häufig sind schwere Verläufe?

Die Studien gliedern sich in drei Bereiche und beziehen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ein. Bereits begonnen hat die serologische Untersuchung an Blutspendern in Deutschland – ähnlich wie beim Nachweis des Impfschutzes bei anderen ansteckenden Krankheiten. In Zusammenarbeit mit den Blutspendediensten werden dazu alle 14 Tage rund 5.000 Blutproben von Erwachsenen aus ganz Deutschland auf Antikörper untersucht. Erste Ergebnisse werden Anfang Mai 2020 erwartet.

Parallel dazu starten in diesen Tagen seroepidemiologische Studien an mehreren besonders betroffenen Orten in Deutschland, sogenannten Hotspots. In repräsentativen Stichproben soll durch die Bestimmung von Antikörpern gegen Sars-Cov-2 die Immunität in der Bevölkerung vor Ort abgeschätzt werden. Außerdem wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie groß der Anteil der Infizierten ohne Symptome ist und welche Risikofaktoren einen schweren Verlauf begünstigen.

Bei der Planung und Durchführung dieser Hotspot-Studien arbeitet das RKI mit Forschern um Professor Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zusammen. In jedem Ort werden etwa 2.000 Probanden ab 18 Jahre mehrfach untersucht, die Probanden werden zusätzlich unter anderem zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumständen und psychischer Gesundheit befragt. Hier rechnet man im Laufe des Monats Mai mit ersten Ergebnissen. Ob auch sächsische Gemeinden wie das stark betroffene Bernsdorf im Landkreis Zwickau einbezogen werden, ließ das RKI offen.

Weitere Studie in Sachsen

Fest steht dagegen, dass Sachsen Teil einer weiteren bundesweiten seroepidemiologischen Studie sein wird. Da es sich um eine bevölkerungsrepräsentative Erhebung handelt, wähle das RKI die beteiligten Kommunen über ein Zufallsverfahren aus, teilte Sprecherin Susanne Glasmacher auf Anfrage mit: „Dabei wird berücksichtigt, dass Orte unterschiedlicher Größe in der Stichprobe enthalten sind.“

Insgesamt sollen 15.000 Menschen ab 18 Jahren an 150 Studienorten untersucht werden. Bei den Stichproben geht es um die tatsächliche Verbreitung, Immunität, den Anteil asymptomatischer Infektionen, die tatsächliche Sterberate und Risikofaktoren für einen schweren Verlauf. Zusätzlich erfolgt eine Befragung der Probanden. Start ist voraussichtlich Mitte Mai, erste Ergebnisse erhofft man sich im Juni 2020.

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