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Wie viele Theater verträgt Dresden?

Im Zentrum eröffnen in diesem Jahr zwei neue Spielstätten. Die Betreiber geben sich optimistisch.

© Sven Ellger

Von Jana Mundus

Theaterbesucher haben bereits jetzt die Qual der Wahl. In der Innenstadt ist die Bühnen-Dichte groß. Neben Häusern mit zahlreichen Plätzen, wie der Semperoper oder dem Staatsschauspiel, konkurrieren außerdem viele kleine Theater um die Gunst des Publikums. In diesem Jahr wird das Angebot noch umfangreicher. In die Centrum-Galerie zieht ein Mundart-Theater ein. Das Theater Wechselbad schließt zwar Ende April, bekommt mit der TW.O GmbH aber einen neuen Betreiber, der sein Boulevardtheater im September eröffnet. Doch können all diese Spielstätten in Dresden überhaupt überleben?

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Birgit Frech und ihre Mitstreiter sind mutig. Den Mietvertrag mit der Centrum-Galerie haben sie gleich über zehn Jahre geschlossen. In bisher ungenutzte Räume in der Trompeterstraße zieht bis September ihr Centrum-Theater ein, auf dessen Bühne Sächsisch gesprochen wird. Als Regisseur für das erste Stück über den Hofnarren Fröhlich haben die Betreiber den Schauspieler und Entertainer Alf Mahlo engagiert.

Die Lage in der Innenstadt sei für das Projekt perfekt. „Das Theater ist gut erreichbar, auch mit Bus und Bahn“, so Birgit Frech. Zunächst sind 100 Vorstellungen pro Jahr geplant. Für jede müssten Tickets für 330 Plätze verkauft werden. Angst, dass die leer bleiben, hat das dreiköpfige Gründerteam nicht. „Wir wollen ja nicht nur die Dresdner erreichen“, fügt Birgit Frech hinzu. Angelockt werden sollen auch Gäste aus Sachsen und Touristen aus ganz Deutschland. „Ein Mundarttheater gibt es bisher nicht. Das ist etwas Besonderes.“

Zumindest die Statistik gibt den Theaterbetreibern derzeit recht. Viele Häuser konnten laut einer Erhebung der Dresden Marketing GmbH in Sachen Besucherzahlen zulegen. Kamen 2012 noch fast 391.000 in die Semperoper, waren es im vergangenen Jahr bereits 410.000. Die Zahlen des Staatsschauspiels kletterten binnen eines Jahres um 27.000 auf 256.000. Auch die Kleinen legten zu. Im Theaterkahn nahmen 2013 mit 45.000 Zuschauern fast 2.000 Menschen mehr Platz als noch 2012, die Bilanz des Theaters Wechselbad stieg sogar von rund 40.000 Gästen auf 50.000.

Untersuchungen, ob bei einer wachsenden Konkurrenzsituation überhaupt noch genug Publikum für alle Spielstätten vorhanden ist, gibt es laut der Marketingexperten aber nicht. Die Betreiber des neuen Boulevardtheaters gehen zumindest davon aus, dass die Konkurrenz das Geschäft eher belebt. „Für Kulturinteressierte ist diese riesige Auswahl doch herrlich“, sagt Theaterleiter Olaf Becker. Erste Premiere wird ein neues Stück über die Hexe Baba Jaga, die bisher in der benachbarten Comödie zu Hause war. Stress hätte es deswegen aber nicht gegeben. „Wir waren bisher oft als Produktionsfirma für die Comödie tätig, wir kennen uns gut“, so Becker. Comödien-Intendant Christian Kühn wird sogar als Schauspieler auf der Boulevardtheater-Bühne stehen und an gleicher Stelle ein Stück inszenieren. „Wir sehen die Nachbarschaft als Chance für Zusammenarbeit“, so Becker.

Nicht nur in der Innenstadt tut sich was. Elbepark-Chef Gordon Knabe möchte ab Herbst ebenfalls ein Theater in seinem Einkaufspark etablieren. Derzeit werden erste Gespräche dazu geführt. Einziehen soll es im sogenannten Stadthaus des Centers, wo schon seit Jahren auch das Kino untergebracht ist. „Wir unterhalten uns gerade mit potenziellen Mietern, noch ist aber nichts spruchreif“, so Knabe. „Ob Kabarett, Nachttheater oder doch ein Jazzlokal – wir sind für alles offen.“

Die Entwicklung in Sachen Kulturtempel bleibt auch in den kommenden Jahren spannend. Spätestens wenn 2016 das Theater Junge Generation und die Staatsoperette ins neue Kulturkraftwerk einziehen, gibt es noch mehr Konkurrenz im Herzen der Stadt.