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Zittau

Wie von Zauberhand verlegt

Zwischen Eichgraben und Zittau kommt eine neue Trinkwasserleitung in die Erde - ohne, dass dafür die Straße großflächig aufgerissen wird.

Ein 200 Meter langes Stück der neuen Weißbach-Leitung wird in einem Schacht auf der Lückendorfer Straße in Eichgraben in eine alte Trinkwasserleitung gezogen.
Ein 200 Meter langes Stück der neuen Weißbach-Leitung wird in einem Schacht auf der Lückendorfer Straße in Eichgraben in eine alte Trinkwasserleitung gezogen. © Matthias Weber

Wie eine Schlange gleitet Zittaus neue Trinkwasserleitung in Eichgraben unter die Lückendorfer Straße. Was wie von magischer Hand gesteuert aussieht, ist die moderne Art, Leitungen zu verlegen. 

Noch vor ein paar Jahren hätte dafür die Straße auf der gesamten Länge aufgegraben werden müssen. Jetzt wurde die Lückendorfer Straße lediglich etwa aller 200 Meter für einen Schacht geöffnet, bis die alte Oybin-Leitung frei lag. Diese Leitung wurde bereits von 2001 bis 2003 durch eine neue Leitung ersetzt, blieb aber in der Erde.

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Die knapp 150 Jahre alte Oybin-Leitung wird noch gebraucht. Die alten Rohre dienen als Schutzmantel für die neue Weißbach-Leitung. Und die wird gerade von den Stadtwerken im Bereich zwischen dem Abzweig Olbersdorfer Straße in Eichgraben und der Feldstraße in Zittau auf einer Länge von 2,1 Kilometer neu verlegt.

Die Weißbach-Leitung liegt seit 1876 hier und bereitet immer mehr Probleme. Zwei große Rohrbrüche gab es allein im vergangenen Jahr, schildert Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Hänsch. Und das bei Zittaus Hauptversorgungsleitung. Stundenweise gab es damals in einem Teil der Stadt an zwei Tagen kein Trinkwasser. Zwar verläuft zur Sicherheit fast daneben noch die neue Oybin-Leitung, aber mit der kann nicht die Menge an Wasser nach Zittau und in seine Ortsteile fließen, wie in Spitzenzeiten gebraucht wird. Also musste schnell gehandelt werden und eine neue Weißbach-Leitung her. 

Am vergangenen Freitag ist das letzte 200 Meter lange Trinkwasserleitungsstück im Baustellenbereich unter die Lückendorfer Straße gezogen worden. Auf Rollen hatte es noch Stunden zuvor auf der Straße gelegen, bis es im Schacht von Bauarbeiter Christian Walther ankam. 

"Wir brauchen immer zwei Schächte zum Verlegen", erklärt Geschäftsführer Matthias Hänsch. In beiden Schächten wird die alte Rohrleitung aufgeschnitten. Im Schacht 200 Meter von Christian Walther entfernt, wurde die neue Leitung eingefädelt. Damit sie bis zu ihm durchgezogen werden konnte, hatte er zuvor jeweils einen Meter lange Zug-Gestänge aneinander gehangen, die hydraulisch zum anderen Schacht geschoben wurden.

Kommt diese Gliederkette dann dort an, wird die neue Leitung zum Hindurchziehen angehangen. Aber das geht nicht so einfach. Aller zweieinhalb Meter wird um die Leitung eine breite Gleitmannschette geschraubt. Die ermöglicht das reibungslose Durchziehen und sorgt dafür, dass die Trinkwasserleitung im alten Schutzrohr nicht durchhängt. 

Das moderne Verlege-Prinzip ist ganz einfach und spart jede Menge Zeit und Geld. "Etwa 50 Prozent der Kosten werden damit eingespart", berichtet Torsten Hartmann. Er ist bei den Stadtwerken für die  Bereiche Gas und Wasser zuständig. Einen Graben für ein Rohr auf jeweils 200 Meter Länge mit Absperrwänden einzurichten, ist wesentlich teurer, als die neue Praxis. "Mit der herkömmlichen Verlegeart hätten wir hier von April bis Oktober gebaut. Jetzt schaffen wir das in drei Monaten", berichtet Torsten Hartmann.

Am 27. Juni soll die neue Weißbach-Leitung für Zittau eingebunden werden. Durch sie fließt danach stündlich 77 bis 80 Kubikmeter Wasser bis zum Wasserturm in der Gellertstraße.   

Alle Schächte werden zwar geschlossen, die Straße zum Befahren in dem Bereich aber nur provisorisch hergerichtet. Denn schon am 2. Juli schließen sich hier die geplanten Straßenbauarbeiten des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) an.  

Wegen der Havarien im Vorjahr hatten die Stadtwerke 2019 den Termin für den Bau der neuen Weißbach-Leitung zwar vorverlegt, dennoch klappt es, dass das Lasuv gleich im Anschluss einen neuen Straßenbelag aufzieht. Die Kraftfahrer müssen sich hier also weiterhin auf Einschränkungen einrichten. 

Die Arbeiten an Zittaus Trinkwasserleitungsnetz sind damit aber noch längst nicht abgeschlossen. 2021 soll ein weiterer Teil der Trinkwasserleitung in Zittau-Süd erneuert werden. Und im Jahr darauf der nächste Abschnitt. 

Für die Stadtwerke ist das moderne Verlege-Prinzip bereits zur Routine geworden. Die Lückendorfer Straße ist für das Unternehmen nicht die erste derartige Baustelle gewesen. Schließlich musste in Zittau 2010 auch schon mal eine neue Leitung unter der Mandau hindurch verlegt werden. Dafür war aber noch ein anderes Verfahren notwendig, berichtet Geschäftsführer Matthias Hänsch. 

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