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Dresden

Wie weiter am Neustädter Markt?

Ein Bürgerbündnis will die Freifläche und Bausubstanz am Goldenen Reiter erhalten. Nicht nur Vonovia kündigt dazu nun einen Dialog an.

Bausubstanz sanieren und schützen: Dafür trommelt die Bürgerinitiative Neustädter Freiheit. Das Bündnis fürchtet, dass das Areal am Goldenen Reiter seinen Charakter komplett verliert, wenn Bebauungsideen für das Königsufer und den Neustädter Markt umgeset
Bausubstanz sanieren und schützen: Dafür trommelt die Bürgerinitiative Neustädter Freiheit. Das Bündnis fürchtet, dass das Areal am Goldenen Reiter seinen Charakter komplett verliert, wenn Bebauungsideen für das Königsufer und den Neustädter Markt umgeset © Sven Ellger

Wie sieht die Zukunft am Goldenen Reiter aus? Die Bürgerinitiative Neustädter Freiheit will die Antwort auf diese Frage mitgestalten. Deshalb trommelt sie einmal mehr für einen breiten Dialog – mit der Stadtverwaltung, dem Wohnungsunternehmen Vonovia, das Eigentümer der Wohnblöcke am Neustädter Markt ist, und den Dresdnern. Ihr Appell: „Wir sind keine Anwohnerinitiative, die aus reinem Privatinteresse das Areal erhalten will. Der Neuststädter Markt geht alle an.“

Das erklärt stellvertretend für die rund 50 Engagierten die Galeristin Patricia Westerholz. Die Fläche sei für den gesamten Stadtraum schützens-, der historische Baubestand aus den 70er-Jahren erhaltenswert. Deshalb solle das Quartier zum Schutzgebiet erklärt werden. Es könnte auch Vorbildwirkung für Dresden haben, heißt es. Wären da nicht potenzielle Bebauungspläne für das Königsufer und den Neustädter Markt, die angestoßen sind.

In einem aufwendigen Bürgerbeteiligungsprozess wurde im Februar ein Siegerentwurf für die Entwicklung des Areals gekürt. Die Skizzen der Architekten Bernd Albers und Günther Vogt aus Berlin zeigen links und rechts des Goldenen Reiters eine Bebauung mit je einem mehrgeschossigen Wohnkomplex. Die Grünflächen müssten dafür weichen. Das sorgt für Widerstand.

In einer Montage zeigen das Bündnis Neustädter Freiheit, wie hoch neue Wohnkomplexe reichen könnten.
In einer Montage zeigen das Bündnis Neustädter Freiheit, wie hoch neue Wohnkomplexe reichen könnten. © Alexander Weber

„Die Fläche hat Zukunftspotenzial. Die Versiegelung ist nicht mehr zeitgemäß, der Grünanteil müsste ausgebaut werden“, so Westerholz. Auch für innovative Konzepte einer nachhaltigen Stadtentwicklung sei Platz. „Man könnte in die Brunnen Regenauffangbecken integrieren“, um die wasserarme Stadt zu entlasten. Den Markt hingegen für eine Bebauung zu beräumen, sei rückwärtsgewandt.

Seit Monaten gibt es Aktionen, Debattenforen und künstlerische Interventionen. Das scheint Wirkung zu zeigen. Die Stadt habe zugesichert, dass dem Ideenwettbewerb keine Bebauung folgen muss. Die Verwaltung erklärt dazu, dass derzeit mit drei der fünf Entwürfe des Ideenwettbewerbs gearbeitet werde. Sie fließen laut Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) in einen Rahmen- und Bebauungsplan ein. „Eine bauliche Entwicklung muss nicht zwingend kommen. Aber es gibt private Grundstückseigentümer, die uns erklärt haben, bauen zu wollen. Das erfordert eine städtebauliche Planung. Die Stadt selbst ist Eigentümerin am Neustädter Markt. Diese Flächen wollen wir auf jeden Fall erst einmal unbebaut lassen.“ Ein Großteil der ebenfalls zur Bebauung avisierten Flächen zwischen Finanzministerium und Blockhaus sowie neben dem Hotel Bellevue gehören dem Bund, dem Land und privaten Eigentümern.

Nun soll der Dialog weitergehen: Die Vonovia selbst kündigt an, offene Debattenformate mit der Initiative zu prüfen. Sprecherin Bettina Benner erklärt: „Wir befinden uns in einem frühen Stadium der Planung, wollen aber unsere Mieter und alle anderen Beteiligten frühzeitig abholen.“ Was konkret geplant ist, bleibt noch offen. Diskutiert werden dürfte aber über die Gestaltung der Blöcke. Zum einen ist eine Sanierung notwendig, zum anderen stehen seit Jahren zwei Durchbrüche in den Fassaden im Raum. Auch im Siegerentwurf des Wettbewerbs sind sie enthalten. Einer könnte einen Durchgang ins historische Viertel schaffen, der andere – rechts vom Goldenen Reiter – würde jedoch zu einer Parkfläche führen. Dass dafür Wohnungen wegfallen könnten, ärgert Anwohner.

Auch im Zuge der Raumkonferenz des Vereins Konglomerat soll am kommenden Mittwoch diskutiert werden – im Fokus steht erneut der Beteiligungsprozess. Er soll gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt ausgewertet werden. Unter dem Motto „Zukunftsschutzgebiet Stadtraum“ diskutieren vom 17. bis 23. Juni Stadtplaner, Initiativen und Experten zur Stadtentwicklung. Der Neustädter Markt ist dabei nur eins von vier Praxisbeispielen. Auch der Alte Leipziger Bahnhof, die Robotron-Areal und das Johannstädter Plattenwerk stehen im Fokus der großen Konferenz.


Hintergrund zur Konferenz "Zukunftsschutzgebiet Stadtraum"

Brücken bauen - das wollen die Initiatoren des Projekts. Der großen Konferenz liegt der Gedanke zugrunde, dass jeder Mensch Stadt produziert. Deshalb soll eine groß angelegte Begegnung stattfinden, "zwischen dem, was auf der Straße passiert, und dem, was in den Amtsstuben verhandelt wird." So heißt es im Programm. Unter vier Themenblöcken kann die Stadt vom 17. bis 23. Juni zunächst theoretisch mitgestaltet werden. Lebensqualität und Gemeinwohl, Engagement und Mitgestaltung, Boden und Eigentum sowie Planen und Bauen stehen im Mittelpunkt. Hinzu kommen vier Praxisbeispiele aus Dresden, die diskutiert werden. Auch Grundlagenveranstaltungen zum Großkomplex Stadtentwicklung werden angeboten.

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Das ausführliche Programm gibt es hier. Für die Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl begrenzt, deshalb wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. Das ist hier möglich. Tickets zwischen 7 und 15 Euro gibt es direkt an der Abendkasse. Für kleine Workshops muss eine verbindliche Anmeldung per Email an [email protected] erfolgen. 

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