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Helenenbad-Betreiber steigt aus

Die beiden Vereine, die hinter der traditionsreichen Bade- und Freizeiteinrichtung stehen, lösen sich auf. Nun ist es an der Stadt, das Bad zu retten.

Wohin geht die Reise? Christoph Suda wünscht sich eine gute Zukunft für das Helenenbad.
Wohin geht die Reise? Christoph Suda wünscht sich eine gute Zukunft für das Helenenbad. © Nikolai Schmidt

Rolf Weidle und Christoph Suda müssen einen schweren Schritt gehen. Beide Männer verbindet das Helenenbad, an dem ihr Herz gleichermaßen hängt, für das sich beide seit Jahren überwiegend ehrenamtlich ins Zeug legen. Nun geben die Männer bekannt, dass sie ihre jeweiligen Vereine auflösen. Bei Weidle ist es der Helenenbad-Verein, den er 2006 zusammen mit den Bürgern für Görlitz gründete und mit dessen Hilfe er Tausende Euro sammelte - für den Bau der Kinderbadelandschaft. Bei Suda geht es um den AUR - den Verein für Arbeitsmaßnahmen und Regionalentwicklung  - gegründet 1999,  betreibt er seit 2006 das Helenenbad und seit 2015 eben auch die Kinderbadelandschaft.

Hier hat Christoph Suda am Montag Corona-Schilder angebracht, zum richtigen Verhalten, die Abstände, all diese Dinge. Weil das Wetter gut war, und außerdem Kindertag, gab es relativ kurzentschlossen den Startschuss in die neue Saison der Kinderbadelandschaft. Es kommen bestimmt Familien vorbei, um zu sehen, ob schon offen ist, hatte sich Herr Suda gedacht. Das war dann zwar nicht der Fall, dafür freute sich sein Enkel, den Badespaß für sich zu haben. 

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Christoph Suda brachte am Montag die Corona-Regeln bei der Badelandschaft im Helenenbad an. Natürlich gibt es auch ein genehmigtes Corona-Hygienekonzept.
Christoph Suda brachte am Montag die Corona-Regeln bei der Badelandschaft im Helenenbad an. Natürlich gibt es auch ein genehmigtes Corona-Hygienekonzept. © Nikolai Schmidt

Sobald es wieder sommerlich wird, rechnen Suda und seine Mitstreiter aber schon mit Badegästen. Wenn das Wetter gut ist, ist täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Meist kommen junge Mütter oder Großeltern mit kleinen Kindern, hat die Erfahrung der ersten fünf Sommer gezeigt. Für Ältere ist die Badelandschaft nicht gedacht. Für sie sollte es langfristig mit der Wiederbelebung des Bades auch etwas geben. Das zumindest war immer der Traum von Rolf Weidle, dem Stadtrat und pensionierten Arzt, gewesen. 

2002 war das Becken des Helenenbades geschlossen worden, diverse Versuche, es wiederzueröffnen, scheiterten. Ende 2006 wurde schließlich der  Förderverein “Görlitzer Helenenbad e.V.” gegründet - mit dem Ziel, "dieses uns in unserer Kindheit lieb gewordene Gelände nicht nur als Liege- und Spielwiese für Sonnenhungrige, sondern als Freibad wiederzueröffnen", wie es noch heute auf der Homepage des Vereins steht. "Zu unserer schönen Stadt gehört einfach auch ein Freibad für unsere Kinder, die jungen Familien und Senioren, die nicht immer einen Pkw zur Verfügung haben, um in die nächste Gemeinde zum Baden zu fahren."

Ein glücklicher Tag für Christoph Suda (links) vom Verein AUR und Rolf Weidle: Im Sommer 2015 wurde die Kinderbadelandschaft im Helenenbad eröffnet.
Ein glücklicher Tag für Christoph Suda (links) vom Verein AUR und Rolf Weidle: Im Sommer 2015 wurde die Kinderbadelandschaft im Helenenbad eröffnet. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

30.000 Euro von der Stadt

2015 war ein Teilziel erreicht, dank Tausender Euro, die der Verein gesammelt hatte, konnte eine Badelandschaft eröffnet und im darauffolgenden Jahr noch um eine Fontänenlandschaft erweitert werden. Seitdem lebte der AUR-Verein als Betreiber aber immer von der Hand in den Mund. Dank städtischer Zuschüsse - für 2019 und 2020 sind es jeweils 30.000 Euro -, weiterer Spenden vom Helenenbad-Verein und der jährlich vom Jobcenter bewilligten Minijobber lief es aber immer weiter. 

Dieser Sommer ist allerdings anders. Dafür hat Corona gesorgt. Zwar können die kleinsten Gäste planschen kommen, die Älteren aber nicht zum Feiern - jedenfalls noch nicht. Dabei ist das riesige Helenenbad-Gelände bei den Görlitzern beliebt für Feiern jeder Art, für sportliche Veranstaltungen, Vereinsaktivitäten, Hexenfeuer. Im Kalender gehen die Reservierungen schon bis 2023. Dennoch: Aktuell sind Mai und Juni schon abgeschrieben, was danach kommt, hängt  von den neuen Bestimmungen ab, die der Freistaat in dieser Woche festlegen will. 

Christoph Suda (Mitte) mit den beiden Badmitarbeitern Frank Seidel (li.) und Uwe Morotti. Beide sind über den AUR-Verein angestellt.
Christoph Suda (Mitte) mit den beiden Badmitarbeitern Frank Seidel (li.) und Uwe Morotti. Beide sind über den AUR-Verein angestellt. © Nikolai Schmidt

Kaum noch Arbeitslose zu finden

Doch wie es auch kommt - für den AUR-Verein wird sich an seiner Auflösung zum Jahresende nichts mehr ändern. Gegründet hatte sich der Verein damals mit dem Ziel, schwer vermittelbare Arbeitslose wieder zu einer Beschäftigung zu verhelfen. Nicht nur im Helenenbad hat der Verein so über die Jahre Hunderten über Jobcenter-Maßnahmen eine Aufgabe geben können, auch in der eigenen Werkstatt im Vereinssitz Schloss Krobnitz oder bei mehreren Projekten in Reichenbach gelang das - hier unter anderem beim Ackerbürgermuseum. 

Christoph Suda - einst Leiter des Görlitzer Leuchtenwerkes und von 1993 bis 1999 selbst arbeitslos - war beim AUR ein Mann der ersten Stunde und hat den Verein immer wie ein eigenes Unternehmen geführt. Doch nicht nur finanziell werde es immer schwieriger: Auch den Vereinszweck zu erfüllen, schaffe man kaum noch. Das Jobcenter finde kaum noch Leute für solche Maßnahmen. Acht hatte der AUR für dieses Jahr bewilligt bekommen - nur vier erschienen in diesen Tagen tatsächlich zum Dienstantritt im Helenenbad. 

Trauerspiel: 18 Jahre nach seiner Schließung gleicht das große Becken des Helenenbades eher einem Wald als einem Ort zum Schwimmen.
Trauerspiel: 18 Jahre nach seiner Schließung gleicht das große Becken des Helenenbades eher einem Wald als einem Ort zum Schwimmen. © Nikolai Schmidt
Doch auch bereits einige Jahre nach der Schließung verwahrloste das Schwimmbecken immer mehr - während das übrige Bad-Gelände stets bestens in Schuss gehalten wurde.
Doch auch bereits einige Jahre nach der Schließung verwahrloste das Schwimmbecken immer mehr - während das übrige Bad-Gelände stets bestens in Schuss gehalten wurde. © Archivfoto: Christian Suhrbier

Dazu kommt das personelle Problem: Zu dritt sind sie inzwischen nur noch, Christoph Suda könnte mit 73 Jahren längst ein ruhiges Rentnerleben genießen. "Aber die Sache hier ist mir nun mal sehr ans Herz gewachsen und die Tätigkeit hält auch jung", sagt er. Trotzdem ist nun Schluss.

Ähnlich liegt der Fall bei Rolf Weidle. Auch er will sich in seinem 75. Lebensjahr aus seinen vielen Ämtern und Verpflichtungen nach und nach zurückziehen, das habe er der Familie versprochen. Er hat lange um einen Nachfolger als Vorsitzender des Helenenbad-Vereins gerungen - ohne Ergebnis. "Mitmachen wollen sie alle, den Hut aufsetzen mag sich aber keiner", sagt Weidle. 

Jetzt ist die Stadt am Zug

Was heißt das nun für das weitläufige Helenenbad-Gelände und für die Badelandschaft? "Dieses Jahr wird alles noch weiterlaufen, soweit es Corona zulässt", sagt Christoph Suda. Ende des Jahres fällt das Helenenbad dann an die Stadt zurück. Sie hatte eigentlich mit dem AUR einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen. "Wir haben ihnen schon mitgeteilt, dass wir diesen Vertrag nicht mehr erfüllen können", sagt Suda. Rolf Weidle sagt: "Wir haben die dringende Bitte an den Oberbürgermeister, das Werk fortzusetzen."  An einer Lösung werde gearbeitet, sagt die Stadt nun auch, aber mehr nicht.

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Immerhin sind über die Jahre rund 250.000 Euro gesammelt worden und ins Helenenbad geflossen. Und so hoffen Rolf Weidle und Christoph Suda, dass die Lösung kommt und es auch im nächsten Jahr weitergehen kann mit Volleyballspielen, Jugendweihe oder Geburtstag feiern – und natürlich mit Planschen.

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