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Neue Pläne für Dresdner Stausee

Vattenfall will das Pumpspeicherwerk Niederwartha stilllegen, Baden könnte unmöglich werden. Jetzt gibt es neue Ideen - sogar für ein Kulturkraftwerk.

Die Aussichten sind gut, dass die Dresdner auch weiterhin im Stausee Cossebaude baden können.
Die Aussichten sind gut, dass die Dresdner auch weiterhin im Stausee Cossebaude baden können. © Archiv: Steffen Füssel

Dresden. Im Februar dieses Jahres hatte der Energiekonzern Vattenfall angekündigt, das Pumpspeicherwerk Niederwartha bis Ende 2020 stillzulegen. Das hätte zur Folge, dass der Wasserpegel abgesenkt wird und für den Badebetrieb nicht mehr ausreicht, wie die Dresdner Bäder GmbH damals bestätigte. Doch es soll eine Lösung geben, sagte Dresdens Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) am Dienstagabend im Ortschaftsrat Cossebaude. Das Gremium hatte eigentlich den Oberbürgermeister eingeladen, um über eine Lösung für das Stauseebad zu sprechen - OB Dirk Hilbert (FDP) schickte stattdessen den zuständigen Fachbürgermeister in den Dresdner Westen. 

Und Lames hatte gute Nachrichten für die Ortschaftsräte: Die Stadt will den See für den Badebetrieb erhalten und ist bereits seit längerer Zeit mit Vattenfall im Gespräch darüber, wie eine Lösung aussehen könnte. Seine Aufgabe sei es nun, eine Vorlage zu erarbeiten, wie der Stausee dauerhaft zum Baden genutzt werden kann. 

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Fest steht: Gebadet werden kann im See nur, wenn der Wasserspiegel mithilfe von Pumpen, die Grundwasser in den See befördern, gehalten wird. Pro Jahr würde das zwischen 100.000 und 150.000 Euro kosten - eine Summe, die die Stadt aufbringen könnte, so Lames. "Für so wenig Geld kann man kein so schönes Schwimmbad bauen." Die Bäder GmbH geht davon aus, dass ohne den See rund 35 Prozent weniger Badegäste kommen würden. 2019 verzeichnete das Stauseebad gut 80.000 Besuche und teilt sich den Spitzenplatz nur mit dem Freibad Mockritz.

Der Sportbürgermeister hat noch weitere Visionen für den See: Wenn das Pumpspeicherwerk nicht mehr genutzt wird, könnte die Wasserfläche für Sportveranstaltungen genutzt werden. Lames denkt an einen Triathlon, bei dem die Sportler die Schwimmstrecke im See absolvieren - bisher ist das in Dresden nicht möglich. Schon jetzt nutzen Surfer das Wasser, später könnten das auch Kanufahrer und Ruderer tun. Vattenfall hat die Stilllegung des Pumpspeicherwerks bei der Bundesnetzagentur beantragt. Die Stadt geht davon aus, dass das auch genehmigt wird. Allerdings liege bei der Landesdirektion Sachsen noch kein Antrag auf eine endgültige Stilllegung vor, so Lames weiter. 

Die Stadt will das Pumpspeicherwerk Niederwartha samt Stausee von Vattenfall übernehmen.
Die Stadt will das Pumpspeicherwerk Niederwartha samt Stausee von Vattenfall übernehmen. © Sven Ellger

Auf Nachfrage zu einem möglichen Kauf des Areals verrät Lames noch ein weiteres interessantes Detail aus den Gesprächen mit Vattenfall: Die Stadt will den See samt Pumpspeicherwerk vom Energiekonzern übernehmen. "Wir sind dem sehr aufgeschlossen gegenüber." Lames geht davon aus, dass am Ende der Verhandlungen ein Eigentümerwechsel steht, nun gehe es noch um "vernünftige Konditionen" - also ums Geld. Allerdings dürfte auch Vattenfall daran gelegen sein, das Werk schnell und kostengünstig loszuwerden. Für einen weiteren Betrieb sei die Anlage nicht wirtschaftlich genug, eine Modernisierung würde mindestens 90 Millionen Euro kosten. Doch auch bei einer Stilllegung hätte Vattenfall weiterhin finanzielle Verpflichtungen. So muss der See als Talsperre und der imposante Industriebau als Denkmal erhalten werden. Dafür wäre dann die Stadt zuständig. "Für uns könnte das finanziell gestaltbar sein", so Lames.

Ein neuer Ort für Kunst und Kultur in Dresden? Sportbürgermeister Peter Lames kann sich das im Pumpspeicherwerk gut vorstellen.
Ein neuer Ort für Kunst und Kultur in Dresden? Sportbürgermeister Peter Lames kann sich das im Pumpspeicherwerk gut vorstellen. © Archiv/kairospress

Dann kommt der Sport- und Finanzbürgermeister ins Schwärmen. "Für das Werk sind viele Nutzungen denkbar." Es könnte ein Ort für Kunst, Kultur und Gastronomie werden, auch eine museale Nutzung sei möglich. Schließlich ist das Pumpspeicherwerk in mehrfacher Hinsicht einmalig: So war es bei seiner Fertigstellung 1930 weltweit das leistungsstärkste seiner Art und galt als technische Pionierarbeit. In Dresden ist es eines der markantesten Industriebauten und mit Blick auf die Bau- und Technikgeschichte einzigartig. "Die schönste denkmalgerechte Erhaltung wäre natürlich die mit dem Stausee", betonte Lames. 

Die Technik ist veraltet, mindestens 90 Millionen Euro würde eine Modernisierung der Anlage kosten. In einem Industriemuseum könnte sie erhalten bleiben.
Die Technik ist veraltet, mindestens 90 Millionen Euro würde eine Modernisierung der Anlage kosten. In einem Industriemuseum könnte sie erhalten bleiben. © Archiv/kairospress

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Und wie geht es im kommenden Jahr mit dem Badebetrieb im Stausee weiter? Lames rechnet damit, dass im dritten Quartal dieses Jahres die Grundlagen für eine weitere Zusammenarbeit mit Vattenfall geklärt sind, im vierten Quartal dann ein konkretes Konzept für das gesamte Areal steht. "Vattenfall muss erst wissen, wo es langfristig hingehen soll", sagte Lames. Dann sei eine Übergangslösung sicherlich möglich. "Die technischen Voraussetzungen sind ja alle da." 

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