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Wie weiter mit dem Obdachlosenheim?

Das Ölwerk hat offenbar Bedenken gegen den Umzug an die Speicherstraße angemeldet. Der steht damit auf die Kippe.

Das Riesaer Obdachlosenheim soll an die Speicherstraße (vorderes Gebäude) ziehen. Doch vonseiten des benachbarten Ölwerks gibt es offenbar Bedenken.
Das Riesaer Obdachlosenheim soll an die Speicherstraße (vorderes Gebäude) ziehen. Doch vonseiten des benachbarten Ölwerks gibt es offenbar Bedenken. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Erleichterung war groß gewesen im vergangenen Jahr beim DRK Riesa. Nach jahrzehntelanger Suche schien sich endlich eine Lösung für den maroden Standort von Riesaer Tafel und Obdachlosenheim anzubahnen. Die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) hatte gemeinsam mit Oberbürgermeister Müller (CDU) ein Objekt gefunden, das sich für diese Nutzung eignet. Vielleicht könne schon die nächste Weihnachtsfeier im neuen Haus stattfinden, sagte Falk Glombik, der Vorstand des DRK-Kreisverbands Riesa, noch Ende 2019. 

Diese Hoffnung ist ein paar Monate später fürs Erste in Ernüchterung umgeschlagen. Die geplanten Umbaumaßnahmen am Objekt in der Speicherstraße 2b liegen auf Eis. Wie WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa am Mittwoch erklärt hatte, liegt gegen die bereits erteilte Baugenehmigung aus der Stadt ein Widerspruch vor. Der kommt nach SZ-Recherchen von Cargill. 

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Nur wenige Meter bis zum Ölwerk

Welche konkreten Gründe die Verantwortlichen im Ölwerk gegen das Vorhaben geltend machen, ist derzeit nicht klar. Die Stadt verweist auch auf mehrmalige Nachfrage zum Sachverhalt auf das laufende Verfahren. "Die Verwaltung wird sich zu gegebener Zeit zum Sachverhalt äußern", so die Pressestelle. 

Eine SZ-Anfrage vom Donnerstag beantwortete Cargill am Dienstagnachmittag. Demnach würden dem Unternehmen keine genaueren Details zu der geplanten Nutzungsänderung des Gebäudes in ein Obdachlosenheim vorliegen. Man sei im Austausch mit der Stadt. „Aus unserer Sicht sollten geplante neue Wohnbebauungen nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu Industrieanlagen erfolgen“, sagt Sprecherin Karin Stickelbroeck. Man lege Wert auf „präventiven Nachbarschaftsschutz“.

Sicherheitsbedenken wären nicht aus der Luft gegriffen: Denn die Immobilie, die die WGR für das Rote Kreuz herrichten will, steht in direkter Nachbarschaft zum Gelände des Industrieunternehmens, wie ein Blick auf die Karte zeigt. 

1979 waren bei einer Havarie im Ölwerk elf Menschen gestorben, darunter auch eine Frau, die in der benachbarten HO gearbeitet hatte. Technik und Sicherheitsstandards mögen sich weiterentwickelt haben, ein Risiko im Ernstfall will aber offenbar niemand eingehen - jedenfalls nicht ohne vorherige Überprüfung möglicher Gefahren. 

Suche wird zur unendlichen Geschichte

Aus Sicht des Heimbetreibers wächst sich die Suche damit immer mehr zur unendlichen Geschichte aus. "Wir suchen nun schon seit Köhlers Zeiten einen geeigneten Standort", sagt DRK-Vorstand Falk Glombik. "Das Gebäude wird ja nicht besser, wir waren schon froh, dass der Winter so mild verlaufen ist." 

In der Vergangenheit war die Suche nach einem Alternativstandort in erster Linie an den Kaufpreisen gescheitert, sagt Glombik. Vor drei Jahren schien eine Lösung in Sicht, doch auch der bereits beschlossene Umzug an die Freitaler Straße platzte - sehr zum Ärger des DRK

Es sei "eine traurige Geschichte", dass der neue Standort jetzt erneut auf der Kippe stehe, so der DRK-Chef. Dabei sei das ehemalige Schulgebäude an der Speicherstraße ideal gewesen, auch von der Lage her:  "Das Objekt liegt relativ zentral, es ist nicht weit zum Arbeitsamt und ins Stadtzentrum." 

Vom Einspruch gegen das Vorhaben sei er informiert worden, überrascht hat es ihn trotzdem. Dass der Nachbar in solchen Fragen ein Wörtchen mitreden kann, das habe ihn schon verwundert. Welche Bedenken genau gegen die Umnutzung vorgebracht werden, das sei auch ihm nicht bekannt, sagt Glombik. 

Wie es nun mit dem Vorhaben weitergeht, ist völlig offen. WGR-Chef Roland Ledwa hatte bereits erklärt, das Prüfverfahren könne bis zu zwei Jahren dauern. Theoretisch sei auch eine vollständige Ablehnung denkbar. Es wäre das denkbar schlechteste Szenario, denn damit ginge die Suche für Stadt und DRK von vorne los. Riesas Wohnungslose müssten dann weiter im maroden Bau an der Klötzerstraße hausen. 

Der gilt schon seit vielen Jahren als Zumutung. Bereits 2017 hatte Falk Glombik das Haus als Ruine bezeichnet. Besser geworden ist der Zustand in der Zwischenzeit nicht. Eine Etage ist schon länger nicht mehr bewohnbar, der Bau insgesamt extrem schlecht isoliert. 

Die Stadtverwaltung selbst hatte in ihrer Vorlage an die Stadträte Ende 2019 geschrieben: "Der unzumutbare Zustand insgesamt spitzte sich in letzter Zeit derart zu, dass sich das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Riesa e. V., als Träger der beiden Einrichtungen absehbar nicht mehr in der Lage gesehen hätte, vor allem die Wohnungslosenunterkunft aus sicherheits- und brandschutzrelevanten Aspekten weiter zu betreiben. 

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(Letzte Aktualisierung am 25. Februar, 16.15 Uhr)

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