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Wie weiter mit dem Wohnmobil-Stellplatz?

Eine Erhebung zeigt, wie viele Campingbusse am Elbufer stoppen. Aus den Zahlen ziehen Räte unterschiedliche Schlüsse.

Wohnmobile und Lkws parken wie hier im April 2019 regelmäßig am Strehlaer Elbe-Parkplatz. Eine Statistik, wie sehr der Platz frequentiert ist, haben jetzt die Freien Wähler aufgestellt. Das befeuert eine aus den Reihen der CDU gestartete Debatte.
Wohnmobile und Lkws parken wie hier im April 2019 regelmäßig am Strehlaer Elbe-Parkplatz. Eine Statistik, wie sehr der Platz frequentiert ist, haben jetzt die Freien Wähler aufgestellt. Das befeuert eine aus den Reihen der CDU gestartete Debatte. © Eric Weser

Strehla. Strehla soll für Touristen attraktiver werden, darin ist sich die Stadtpolitik einig. Aber was dafür getan werden muss, da gehen die Meinungen auseinander. Das zeigt die Diskussion um einen Ausbau des Strehlaer Elbeparkplatzes. CDU-Stadtrat Reimar Kalkhof spricht sich dafür seit Längerem aus. Er meint, dass bessere Bedingungen mehr Wohnmobilisten anlocken – und dass das wiederum Geld in die Kassen von Stadt und örtlichem Gewerbe spült. 

Nicht wenige Ratskollegen sehen die Idee eher skeptisch. Durch eine Statistik der Freien Wählergemeinschaft (FWG) hat die Debatte nun neue Nahrung bekommen. Über einen Zeitraum von 20 Tagen habe man täglich nachgesehen, wie viele Fahrzeuge auf der Fläche stehen, so FWG-Fraktionschef Heiko Zscheile im Technischen Ausschuss. Ergebnis: Im Schnitt sind es täglich zwei Wohnmobile – und außerdem 1,3 Lkws.

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Zscheile stellte eine Modellrechnung an: Würde die Stadt vier Euro je Wohnmobil kassieren und es von März bis Oktober (ein Zeitraum von 245 Tagen) täglich zwei Wohnmobile geben, beliefen sich die Einnahmen auf rund 2 000 Euro jährlich.

Ein Betrag, bei dem es sechs bis sieben Jahre bräuchte, um die Kosten für einen möglichen Ausbau des Platzes zu erwirtschaften: Denn rund 15 000 Euro würde es nach Schätzung der Strehlaer Stadtverwaltung allein dafür brauchen, die nötigen Leitungen von aus Richtung Bundesstraße hinunter ans Elbufer zu verlegen. Hinzu kämen die Kosten für eine erste Versorgungssäule mit Anschlüssen für zunächst vier Wohnmobile. Die belaufen sich für eine Elektrosäule – ohne Wasser – auf knapp 10 000 Euro, so die Stadtverwaltung. 

Die Zahlen nähren bei etlichen Stadträten die Bedenken, ob ein Ausbau der Stellfläche wirtschaftlich ist. Selbst Fraktionskollegen von Reimar Kalkhof zweifeln. „Dort etwas mit Rendite zu machen, ist eigentlich ausgeschlossen“, meint etwa Detlev Goldbach (CDU). Auch bei den Freien Wählern überwiegt die Skepsis: „Wenn sich das Ganze in Richtung Bezahlparkplatz entwickelt, besteht die Gefahr, dass man Leute verprellt“, meint Heiko Zscheile. Unklar sei außerdem, was mit dem fünften Wohnmobil passiert, wenn schon vier andere alle vorhandenen Anschlüsse belegen. 

Ein weiteres Problem sei, von Wohnmobilisten Geld zu verlangen – von Lkw-Nutzern hingegen nicht. Schließe man den Stellplatz für Lkws, bestehe die Gefahr, dass die Laster ins Stadtgebiet ausweichen, so Zscheile. Das will man in Strehla aber nicht: Schon öfters hatte es zuletzt Klagen über wild parkende Lkws gegeben.

Reimar Kalkhof will das Projekt trotz aller Kritik nicht aufgeben. „Wenn es sich rumspricht, kann es sein, dass eine Versorgungssäule bald nicht mehr reicht“, meint Kalkhof, der sich öfters auf eigene Erfahrungen beruft. Die ermittelten Nutzerzahlen seien „nicht das Ende der Fahnenstange.“ 

Die Idee, Wohnmobilisten bei längeren Aufenthalten ins Freibad zu lotsen, lehnt der CDUler ab. „Es wäre schade für das Bad, wenn die schöne Grünfläche dort zerfahren wird.“ Konflikte mit Badegästen seien zudem programmiert. Die Stadt solle sich um Fördergeld für den Elbeparkplatz-Ausbau bemühen, so Kalkhof.

Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) hält indes eher das Thema Baugenehmigung für den Knackpunkt, da der Elbeparkplatz im Flutgebiet liegt. Dass es da schon mit dem Bau kleiner Anlagen schwierig werden kann, weiß die Stadt spätestens seit dem Wiederaufbau nach dem 2013er-Hochwasser.

Abgeschlossen ist die Debatte um den Parkplatz nicht – sie ging im Technischen Ausschuss nichtöffentlich weiter. Öffentlich hatten sich mehrere Räte zuvor noch dafür ausgesprochen, dass eine Informationstafel am Parkplatz aufgestellt wird, die auf örtliche Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Geschäfte hinweist.

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