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Löbau

Wie weiter mit den Arztpraxen?

In Herrnhut soll eigentlich ab Januar ein neuer Kollege für Dieter Gärtner übernehmen. In Niedercunnersdorf gab es einen Wechsel - einen erstaunlichen.

Die Berthelsdorfer Ärztin Ute Taube (rechts) hat vor einigen Monaten die Praxis von Dieter Gärtner in Herrnhut mit übernommen. Bis Ende des Jahres arbeitet er noch mit.
Die Berthelsdorfer Ärztin Ute Taube (rechts) hat vor einigen Monaten die Praxis von Dieter Gärtner in Herrnhut mit übernommen. Bis Ende des Jahres arbeitet er noch mit. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Ute Taube und Dieter Gärtner hatten ihren Plan im Sommer festgezurrt: Seit Juli hat die Berthelsdorfer Ärztin die Herrnhuter Praxis ihres Kollegen als Außenstelle übernommen. Er arbeitet als angestellter Arzt bis Jahresende bei ihr und dann kommt jemand neues. Daran hat sich prinzipiell nichts geändert - nur den Zeitplan muss Ute Taube jetzt doch neu stricken.

Die Ärztin betont deshalb auf Nachfrage: "Es kommt jemand neues nach Herrnhut, wie geplant, allerdings erst Ende des ersten Quartals 2020." Die nötigen Prüfungen und Genehmigungen nehmen noch Zeit in Anspruch, dann aber soll es losgehen. Bis dahin werden die Patienten der Herrnhuter Praxis aber nicht in der Luft hängen. Dieter Gärtner habe sich bereiterklärt, die Wochen bis zum Wechsel nun noch zu überbrücken, freut sich seine Chefin und Kollegin. Der inzwischen 78-jährige Mediziner hatte in den vergangenen Jahren seinen Ruhestand mangels Nachfolger ein ums andere Mal vertagt. Als er so weit war, auch eine Schließung in Erwägung zu ziehen, bot ihm seine Berthelsdorfer Kollegin eine Übernahme an. Nun hilft er noch einmal mit, um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen.

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Konkret heißt das für Dieter Gärtner: Er ist Dienstagnachmittag von 14 bis 19 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr im Dienst. Frau Taube behandelt zusätzlich in Herrnhut am Donnerstagvormittag 11 bis 13 Uhr Patienten und übernimmt die Hausbesuche. "Wir kommunizieren das unseren Patienten auch so und freuen uns dann auf den neuen Kollegen", erklärt sie.

Neuer Arzt in Niedercunnersdorf

In Niedercunnersdorf hingegen ist der Clou mit der Nachfolgersuche bereits geglückt: Nachdem Eberhard Zschietzschmann im Sommer in den Ruhestand gegangen ist, hat seine Frau Elke Zschietzschmann einen Arzt in der gemeinsamen Praxis anstellen können: Internist Roland Bock. Der 42-Jährige hat genau das gemacht, was vielen seiner Kollegen nach dem Medizinstudium eher schwer fällt - er ist aus einer Großstadt-Region aufs Land nach Ostsachsen gezogen: "Ich habe bisher in einer Klinik im Großraum Leipzig gearbeitet", erklärt er auf Nachfrage. Ursprünglich stammt er aus Potsdam, was man noch immer ein bisschen heraushört. Groß geworden ist er aber in Leipzig, wo er bislang auch gearbeitet hat.

Dass Roland Bock in der Oberlausitz gelandet ist, hat etwas mit seiner Frau zu tun, der er gewissermaßen hinterhergezogen ist. "Meine Frau ist Tschechin und sie hat hier in der Region eine Arbeit gefunden", erklärt er. Auf diese Weise ist sie außerdem wieder ein Stück näher an ihre Heimat herangerückt. Angenähert ans Leben in der Region hat sich auch der neue Niedercunnersdorfer Arzt bereits: "Die Leute sind sehr umgänglich, wenn man erst einmal ihr Vertrauen erworben hat", sagt er. Auf die Frage nach dem sprichwörtlichen Granitschädel muss er lachen: "So dick ist der Granit nicht, man nimmt recht schnell Verbindung auf", betont der Mann, der nun seit einem halben Jahr Erfahrungen an seinem neuem Arbeitsplatz sammeln konnte.

Seine neue Aufgabe in der Praxis Zschietzschmann biete ihm jedenfalls eine große Verantwortung und ein riesiges Betätigungsfeld, fasst er die ersten Erfahrungen zusammen. Gerade weil hier nicht überall medizinische Spezialisten gleich um die Ecke zu finden sind - wie es in der Großstadt meistens der Fall ist - sei die Arbeit hier sehr interessant. Und eine Veränderung weg vom Klinikalltag sei ohnehin sein Wunsch gewesen. Dass es nun die ostsächsische Provinz geworden ist, ficht ihn nicht an: "Rund um Leipzig sind die Funklöcher auch nicht kleiner als hier", erklärt er mit einem Augenzwinkern zu einem oft gebrauchten Vorurteil über den ländlichen Raum.

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