merken
PLUS

Wie weiter mit Gleis und Viadukt?

Die Bahn verkauft die Strecke zwischen Niedercunnersdorf und Oberoderwitz – samt Viadukten und Schienen. Doch für neue Ideen gibt es einige Hürden.

© SZ Thomas Eichler

Von Anja Beutler

Es ist ein erkleckliches Paket, das die Deutsche Bahn da geschnürt hat: 485 000 Quadratmeter und 15 Kilometer Strecke zwischen Niedercunnersdorf und Oberoderwitz stehen zum Verkauf. Inklusive sind freilich auch all die Besonderheiten zwischen den beiden Orten: Gleich vier Viadukte – nämlich die in Obercunnersdorf, Herrnhut, Oberoderwitz und Ruppersdorf – gibt es hier. Die Trasse und die Gleisanlagen sind ebenfalls dabei. Und auch das „Empfangsgebäude Niedercunnersdorf“, wie es die Bahn formuliert, sowie der Bahnhofsbereich Oberoderwitz stehen zur Wahl. Allerdings nur das Gebiet, was um das Bahnhofsgebäude in Oberoderwitz selbst noch übrig ist. Denn der Bahnhof selbst ist ja bereits extra an einen Privatmann gegangen, auch wenn dessen Pläne nicht fruchteten. Ebenso verhält es sich mit dem Ruppersdorfer Bahnhof und den dortigen Immobilien. Auch hier gab es unter anderem 2011 eine Versteigerung, bei der private Käufer – unter anderem aus Hessen – zum Zuge kamen.

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Warum verkauft die Bahn gerade jetzt diesen Streckenabschnitt?

Dass dieser Streckenabschnitt, der schon seit geraumer Zeit stillgelegt ist, gerade jetzt zum Verkauf steht, habe keinen besonderen Grund, teilte die Bahn auf Nachfrage mit. Man habe sich konzernintern abgestimmt, heißt es lediglich. Zuvor war allerdings durchaus versucht worden, die Strecke wiederzubeleben: Die Deutsche Regionaleisenbahn hatte Strecken auf der alten Bahnlinie Löbau – Herrnhut – Zittau gepachtet. Allerdings waren Versuche, den nun zum Verkauf stehenden Abschnitt ebenfalls wieder mit Bahnverkehr zu beleben ohne Erfolg geblieben. Das hatte auch der Herrnhuter Grüne Michael Cleve, der sich in der Bahn- und Verkehrssituation der Region auskennt wie in seiner Westentasche, bereits bedauernd vermerkt: „Ich weiß, dass die Regionalbahn aus dem Pachtvertrag wieder herauskommen wollte“, sagte er. Und das ist der Gesellschaft als Pächter nun offenbar auch geglückt: „Der Vertrag ist ausgelaufen“, hieß es seitens der Bahn. Generell hätte sich Cleve vorstellen können, dass auf dieser Strecke weiter Bahnverkehr möglich gewesen wäre. Dann aber mit dem nötigen politischen Willen.

Wo liegt der Haken bei dem Verkaufsangebot der Bahn?

Der Haken liegt im Grunde genommen bei der Strecke selbst. Denn seit 2005, so betont die Bahn, stünde dieser Abschnitt komplett mitsamt Trasse, Gleisanlagen und eben jenen vier imposanten Viadukten im Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Freistaates Sachsen. Welche Auswirkungen das auf die möglichen Pläne eines Käufers hat, vermochte die Pressestelle der Bahn nicht zu sagen. Dass die Viadukte gepflegt werden müssen, steht zumindest außer Frage. Und allein das kann erhebliche Kosten nach sich ziehen. Ob die Gleise selbst auch erhalten bleiben müssten, konnte das Sächsische Innenministerium als zuständige Behörde gestern auf die Schnelle nicht beantworten.

Schwierig ist auch die Zeitvorgabe, die die Bahn jetzt aufgemacht hat: Binnen 14 Tagen sollen Interessenten ein Gebot abgeben. Das ist ein Unding, stellt Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) fest. Zwar habe man sich vor zehn Jahren mal Gedanken um eine alternative Nutzung der Strecke gemacht, sagt Riecke. Aber ernsthaft habe man dies nie weiterverfolgt, weil die Bahn Eigentümerin der Strecke geblieben ist. „Wenn wir uns jetzt entschließen sollten, hier etwas zu tun, geht das nicht so schnell“, sagt der Bürgermeister.

In den nächsten Tagen werden sich die betroffenen Bürgermeister – neben Riecke sind das Adelheid Engel (parteilos) aus Oderwitz und Michael Görke (parteilos) aus Kottmar – erst einmal prinzipiell beraten. „Ich habe die Bahn schon gebeten, ihre Zeitvorgaben zu überdenken“, sagt Riecke. Schließlich sei es ja nicht damit getan, die Strecke zu erwerben, da hingen ja enorm viele Pflichten dran, sagt er. Neben der Sicherheit bei den Viadukten beispielsweise auch die Verkehrssicherheit der zahlreichen Bahnübergänge. Und selbst, wenn die drei Bürgermeister die Strecke gern erwerben würden, müssten das immer noch die Stadt- und Gemeinderäte abnicken.

Welche Ideen gibt es denn für

die künftige Nutzung der Strecke?

Viele Rad- und Skifahrer liebäugeln schon seit Längerem mit einem Radweg, der dann – über die Viadukte hinweg – nutzbar wäre. Landschaftlich ist die Gegend reizvoll und auch im Anschluss an die Strecke gäbe es für Radler viel zu entdecken, sagt auch Michael Cleve. Und Bürgermeister Riecke hat nach der Information über die Verkaufsabsichten der Deutschen Bahn mal einen Blick in seinen Schrank geworfen: „Hier steht noch ein Draisinenbahn-Konzept“, sagt Riecke. Das stamme allerdings noch aus der Zeit seines Vorgängers. Ob das also noch realistisch wäre, ist unklar. Auch die Ruppersdorfer Schienenradler winken ab: „Wir haben uns mehr aufs Kegeln verlegt“, sagt Vereinschef René Christoph. Er wollte vor drei Jahren mal den Ruppersdorfer Bahnhof erwerben, ein Privatmann kam ihm allerdings zuvor. Passiert ist seitdem nichts.

Wie hoch ist das Gebot für

die Eisenbahnstrecke?

Das will die Deutsche Bahn nicht sagen. Sie betonte jedoch, dass nach Höchstgebot verkauft werde und kein Mindestpreis feststehe. Am Ende, so schätzt Riecke ein, wird eher die Frage der künftigen Finanzierung entscheidend sein. Und da ist Herrnhuts Stadtoberhaupt realistisch: „Die Fördergelder für dergleichen fließen längst nicht mehr so üppig. Wir kommen da einige Jahre zu spät“, sagt er. Ganz abgesehen von der Frage, wie für die Sicherheit der Radler, Skater oder Skifahrer zu sorgen wäre, wenn sie über die hohen Viadukte fahren. Ganz praktische Fragen wie diese müssten eben auch noch geklärt werden.