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Bautzen

Teure Schönheit steht zum Verkauf

Ein halbe Million Euro soll Schloss Radibor kosten. Ein Märchen werden die neuen Eigentümer hier nicht erleben.

Obwohl die Portalseite des Radiborer Schlosses einen guten Eindruck macht, rechnen Schlossherr und Bürgermeister mit Sanierungskosten von bis zu zwei Millionen Euro für die alte Anlage.
Obwohl die Portalseite des Radiborer Schlosses einen guten Eindruck macht, rechnen Schlossherr und Bürgermeister mit Sanierungskosten von bis zu zwei Millionen Euro für die alte Anlage. © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Wer durch den Radiborer Schlosspark spaziert, gerät unweigerlich ins Träumen: Zwei Löwen bewachen, von Efeu umrankt, den barocken Eingang. Eine einzelne Putte spielt versonnen auf ihrer Flöte. In der Ferne wiehert ein Pferd. Schloss Radibor ist eine Schönheit im Dornröschenschlaf. Doch wer ihrer habhaft werden will, der sollte nicht auf einem Schimmel daher geritten kommen, kein Träumer sein, sondern – so unromantisch wie notwendig – ein wasserdichtes Finanzierungskonzept in der Tasche haben. Denn diese Schönheit kostet Geld.

Für einen stolzen Preis von 580.000 Euro steht die Immobilie aus dem Jahr 1719 derzeit im Internet zum Verkauf. "Das Schloss ist sanierungsbedürftig und Sie müssen Liebhaber einer solchen Liegenschaft sein. Steuervorteile und Status alleine genügen nicht. Hier ist Herzblut gefragt", heißt es in der Anzeige. Einer, der das aus eigener Erfahrung bestätigen kann, ist Erwin Feurer. 

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Der 69-jährige Schweizer ist seit zehn Jahren Besitzer der Immobilie – und jetzt ihr Verkäufer. Als er das Schloss im Dezember 2009 erwarb, hatte er eine klare Vision: "Mein Hauptprojekt ist der International Burnout Fund. Ich wollte in dem Schloss ein Reha-Zentrum für Burn-Out-Betroffene einrichten, für Ausgeschlossene, Vergessene und Überflüssige", wie er sagt. Nach zehn Jahren aber seien ihm nun die Mittel ausgegangen, materiell und ideell.

Bisher die falschen Interessenten

Unmissverständlich stellt er klar: "Wir brauchen einen Käufer mit Geld." Hunderte Interessenten hätten sich auf die Annonce hin bereits gemeldet. "Aber das waren einfach die falschen", sagt Feurer. "Die meisten waren Träumer, die gerne ein Schloss besitzen wollten, aber es finanziell nicht leisten konnten." Jemandem, der nicht den nötigen materiellen Rückhalt mitbrächte, drohe der Ruin, ist Feurer überzeugt. "Die Zeiten, in denen man in Ostdeutschland ein Schloss für einen Euro erwerben und sich daran gesundstoßen konnte, sind längst vorbei. So ein Anwesen kostet immer, immer wieder Geld."

Eine halbe Million Euro, schätzt Feurer, hat er seit dem Erwerb des Schlosses "verbraten und verbraucht", ohne, dass die Investitionen jemals Gewinn abgeworfen hätten. Feurers Bemühen bestätigt auch Radibors Bürgermeister Vinzenz Baberschke (CDU): "In den 50 Jahren vor dem Erwerb durch Herrn Feurer ist an Schloss Radibor nichts passiert. Nicht vor der Wende und auch danach nicht viel. Da gab es mal eine ABM-Maßnahme durch den Landkreis, bei der das Schloss notdürftig gesichert wurde.

 Danach wurde es verkauft, anschließend durch den damaligen Eigentümer an Herrn Feurer versteigert. Er ist der erste, der wirklich Geld investiert hat. Da war natürlich auch viel Fördergeld vom Denkmalschutz dabei. Immerhin hat er das Gebäude in einen Zustand gebracht, in dem es statisch erst einmal sicher ist. Aber weiter ging es eben nicht."

Gemeinde will Immobilie nicht kaufen

Zwei bis drei Millionen Euro, schätzt der Bürgermeister, seien notwendig, um das Gebäude, zu dem neben dem Park auch zwei Pavillons gehören, wieder in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Immerhin sei das Schloss auf den Resten einer alten Wasserburg errichtet worden, gründe auf Eichenpfählen und sei allein von seiner Grundsubstanz her schwierig zu sanieren.

Die Frage, ob die Gemeinde sich vorstellen könnte, die Immobilie zu erwerben, verneint Baberschke vehement: "Keine Chance! Wir sind finanziell nicht so auf Rosen gebettet." Darüber hinaus würde man bis heute merken, dass das Schloss, als ehemaliger Sitz des protestantischen Herrschers, für die sorbisch geprägte Gemeinde und ihre Einwohner überhaupt keine Bedeutung hätte: "Es war immer ein Fremdkörper. Für die große Masse der Radiborer spielt das Schloss keine Rolle."

Skulptur soll installiert werden

Ungeachtet dieser Historie ist Erwin Feurer überzeugt: "Radibor braucht zu seiner Identifikation das Schloss!" Er sähe es gern in den Händen der öffentlichen Hand, hofft, dass mit Radibors neuer Bürgermeisterin Madeleine Rentsch (Wählervereinigung "Heimatfreunde Milkel") neuer Verhandlungsspielraum entsteht. Um einem potenziellen Käufer einen weiteren Anreiz zu schaffen, kündigt der kunstbegeisterte Schlossherr an, eine Skulptur von internationalem Format im Schlosspark zu installieren. "Das Schloss gibt es dann als barocke Bühne für moderne Kunst gewissermaßen gratis dazu. Das ist das augenzwinkernde Angebot, das ich mache", sagt er. 

Dass er sich von heute auf morgen aus Radibor verabschiedet, kann er sich keinesfalls vorstellen: "Ich betrachte mich als Vermittler von Kulturgut. Ich habe wirklich eine große Liebe zu Radibor und zu den Sorben entwickelt. Aber es braucht nun jemanden, der das Schloss zum Blühen bringt, eine private oder öffentliche Initiative - am bestes beides. Ich alleine schaffe es jedenfalls nicht."

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