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Wie wichtig ist die Feuerwehr?

Während Zittau die Mittel für die Feuerwehr kürzen will, gehen ähnlich große Städte andere Wege - auch nach schlechten Erfahrungen.

In Pirna sind in jüngerer Zeit wieder neue hauptamtliche Kräfte bei der Feuerwehr eingestellt worden.
In Pirna sind in jüngerer Zeit wieder neue hauptamtliche Kräfte bei der Feuerwehr eingestellt worden. © Archivfoto: Marko Förster

Der Zittauer Stadtrat hat mit knapper Mehrheit die mögliche Neustrukturierung der hauptamtlichen Kräfte der Feuerwehr beschlossen. Dagegen hatte es im Vorfeld Proteste gegeben. Nach Ansicht der Kritiker hat die Sicherheit höchste Priorität und deshalb darf an ihr nicht gespart werden. Der Brandschutz gehört auch zu den Pflichtaufgaben der Kommunen - dennoch erfüllt jede Stadt oder Gemeinde diese Aufgabe unterschiedlich, abhängig von Einwohnerzahl, Größe des Stadtgebietes und Gefährdungspotenzial.

Pirna stellt neue Einsatzkräfte ein

Noch vor zwei Jahren ist die Stadt Pirna für ihren Umgang mit der eigenen Feuerwehr immer wieder kritisiert worden. Sie behandele die Löschtruppe regelrecht stiefmütterlich, ist zu hören gewesen. Es gebe zu wenig hauptamtliche Kameraden und die freiwilligen Feuerwehrleute erhalten zu wenig Anerkennung, so zwei Kritikpunkte. Doch Pirna hat "das Ruder herumgerissen". Es wird wieder kräftig investiert - so in eine bessere Ausrüstung, aber auch in neue Einsatzkräfte. 

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Nachdem die Anzahl der hauptamtlichen Feuerwehrkräfte 20 Jahre lang nach unten ging, wird wieder aufgestockt. Aktuell zählt die Pirnaer Wehr 32 hauptamtliche Kameraden, so Pressesprecher Thomas Gockel. Damit erreicht die Löschtruppe das Niveau von vor 25 Jahren: 1993 waren es 31 hauptamtliche Feuerwehrleute. Der höchste Wert nach der Wende ist aber noch nicht erreicht - der lag 1991 bei 38. 

Der "Tiefpunkt" wurde 2011/2012 mit gerade mal 18 hauptamtlichen Feuerwehrleuten erreicht. Seitdem geht die Zahl wieder stetig nach oben - allein 2017 wurden fünf neue Kameraden eingestellt. Allein mit den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten konnten die Einsatzzeiten nicht abgedeckt werden, begründet Gockel den Richtungswechsel.

Hoyerswerda kehrt zum 24-Stunden-Dienst zurück

Vor einigen Jahren stellte die Feuerwehr Hoyerswerda den Dienst auf das 12-Stunden-System um. Das heißt, die Kameraden haben in 12-Stunden-Schichten gearbeitet, Wechsel war um 6 und um 18 Uhr. Die Umstellung erfolgte aufgrund unklarer rechtlicher Regelungen, wie Dieter Kowark, Leiter des Fachbereichs Feuerwehr der Stadt Hoyerswerda, erklärt. Inzwischen ist man zum 24-Stunden-Dienst zurückgekehrt. Das sei möglich, so Kowark, weil der Gesetzgeber und die Stadtverwaltung die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen haben. Bei den Feuerwehrleuten ist der 24-Stunden-Dienst sehr beliebt - und er ermöglicht eine bessere Dienstplanung. Bei der 12-Stunden-Schicht sei der Aufwand bei der Dienstplanung größer gewesen, sagt Kowark. Und dieses System sorgte für geringe Bereitschaftszeiten.

Die Anzahl der hauptamtlichen Kräfte in der Feuerwehr ist in den vergangenen Jahren fast gleich geblieben. Insgesamt 118 Mitarbeiter zählt der Fachbereich Feuerwehr aktuell, wie die Stadt Hoyerswerda auf ihrer Internetseite informiert. Diese hohe Anzahl ergibt sich, weil die Feuerwehr Hoyerswerda auch die Integrierte Regionalleitstelle Ostsachsen betreibt und Leistungen im Rettungsdienst erbringt.

Heiligenhaus setzt ganz auf freiwillige Kräfte

Bei der Feuerwehr Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen handelt es sich um eine rein freiwillige Feuerwehr. Das ist aber nicht immer so gewesen. Bis Ende 2007 gab es auch hauptamtliche Kräfte im Brandschutz - pro Wachabteilung vier Kameraden - sowie einen hauptberuflich besetzten Rettungswagen mit zwei Einsatzkräften, teilt der stellvertretende Feuerwehrchef Nils Vollmar auf SZ-Anfrage mit. 

Ausschlaggebender Punkt, die hauptamtlichen Kräfte abzuschaffen, war laut Vollmar die EU-Arbeitszeitverordnung. Sie führte zu einer größeren Zahl von Kündigungen, da das hier genutzte Arbeitszeitmodell unattraktiv wurde. Da die Feuerwehr auch ohne hauptberufliche Kräfte leistungsfähig genug ist, verzichtete die Stadt Heiligenhaus auf Anstrengungen, die hauptberufliche Wache weiter zu betreiben.

Im Tagesdienst - Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr - verfügt die Löschtruppe aber über elf Planstellen, darunter Brandschutztechniker, Verwaltungsangestellte und Gerätewarte, die die Feuerwehr mit ihrer Arbeit am Laufen halten. "Ohne diese hauptberufliche Unterstützung wäre der rein ehrenamtliche Einsatzbetrieb der Feuerwehr nicht möglich", sagt Vollmar.

In Nordrhein-Westfalen müssen mittlere kreisangehörige Städte ab 20.000 Einwohner grundsätzlich eine hauptamtliche Wache vorhalten. Mit seinen gut 26.000 Einwohnern wäre Heiligenhaus dazu verpflichtet. Eine Ausnahme kann aber erteilt werden, wenn die Wehr auch ohne hauptamtliche Kräfte leistungsfähig ist. Das ist aus Sicht der Stadt der Fall. Die Zahl der ehrenamtlichen Kameraden schwankt in den vergangenen Jahren zwischen rund 90 und 100.

Villingen-Schwenningen hat ein sehr engagiertes Ehrenamt

Zittaus Partnerstadt Villingen-Schwenningen (knapp 85.000 Einwohner) hält auch eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften vor. Erst im April gab es eine Umstrukturierung der Verwaltung. Die Abteilung Feuerwehr und die Stabsstelle Einsatzplanung und Zivilschutz sind aus dem Bürgeramt ausgegliedert und in einem Amt für Feuerwehr, Brand- und Zivilschutz (FBZ) gebündelt worden. Das neue Amt übernimmt zusätzlich die Aufgabe der Brandverhütungsschauen, die bislang dem Amt für Stadtentwicklung zugeordnet ist. Das FBZ ist auf 15 Kräfte angesetzt, dabei handelt es sich bei drei Stellen im Feuerwehreinsatzdienst um Festangestellte, sechs weitere Mitarbeiter sind ehrenamtlich in der Löschtruppe tätig. 

Insgesamt zählt die Feuerwehr der Partnerstadt gut 420 aktive Mitglieder, rund 115 Kräfte in der Jugendfeuerwehr und etwa 100 Kameraden in der Altersmannschaft, die auf zehn Abteilungen verteilt sind. "Wir haben das große Glück eines sehr engagierten Ehrenamts, wodurch natürlich Finanzmittel eingespart und diese an anderer Stelle verwendet werden können", erklärt Oxana Brunner, Pressesprecherin von Villingen-Schwenningen, und fügt hinzu: "Dennoch ist eine Feuerwehr für eine so große Stadt wie unsere ohne hauptamtliche Kräfte so gut wie nicht mehr realisierbar".

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Dass die Einsatzbereitschaft tagsüber abgesichert werden kann, verdankt die Stadt auch vielen ortsansässigen Betrieben und Firmen, die Mitarbeitern, die in der Wehr engagiert sind, die Möglichkeit geben, diesem Ehrenamt nachzukommen, so die Pressesprecherin. Für diese Bereitschaft der Firmen sei man überaus dankbar. Ohne diese Unterstützung bräuchte es vermutlich eine deutlich höhere Anzahl an hauptamtlichen Kräften, meint Frau Brunner. Die Stadt selbst und ihre Gesellschaften haben auch ehrenamtliche Feuerwehrleute angestellt. Das sei aber nicht erfolgt, um die Einsatzbereitschaft absichern zu können, betont Frau Brunner.

Es werde stetig analysiert und abgeglichen, ob hauptamtliche Kräfte benötigt werden, um die gesetzlichen Vorgaben und Ziele erfüllen zu können.

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