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Wie wichtig sind Laptops für Schüler?

Nicht jede Dresdner Familie kann sich teure Computertechnik leisten. Warum sie künftig jeder Schüler haben sollte und wie das machbar ist.

Malwin und Emaly sind zwei der Schüler, die an der 138. Oberschule in Gorbitz nun mit einem Laptop lernen können.
Malwin und Emaly sind zwei der Schüler, die an der 138. Oberschule in Gorbitz nun mit einem Laptop lernen können. © Sven Ellger

Dresden. In der coronabedingten Lernzeit daheim ist es einmal mehr deutlich geworden: Schüler, deren Familien sich keine teure Computertechnik leisten können, haben ein Problem. Und das ist dort besonders groß, wo viele Familien mit geringem Einkommen leben. Thomas Lorenz, Leiter der 128. Oberschule in Strehlen, kennt die Nöte dieser Schüler - und sieht sie jetzt auch an ihren Testergebnissen. An einem digitalen Lernprogramm konnten diese Jugendlichen in den vergangenen Wochen während der Schulschließung nicht oder nur eingeschränkt per Smartphone teilnehmen - und sind damit klar benachteiligt. 

Dieses Problem sieht auch Frank Lotter, der die 138. Oberschule in Gorbitz leitet. Im Wohngebiet leben ebenfalls viele Familien, bei denen das Geld für die nötigsten Dinge reicht, nicht aber für teure Technik. "Wir haben in unserer Schule gut ausgestattete Computerkabinette, die konnten wir in der Zeit der Schließung aber nicht zur Verfügung stellen", sagt Lotter. Auch er findet, dass jeder Schüler daheim die Möglichkeit haben sollte, digitale Technik nutzen zu können. Unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

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Nun können zumindest einige seiner Schüler aus Gorbitz von einer Spende profitieren. Bereits Mitte Mai übergab der Dresdner Chiphersteller Globalfoundries 15 Laptops an den Förderverein der Gorbitzer Oberschule. Schüler, deren Eltern nicht sofort eine Arbeitsmöglichkeit für ihren Nachwuchs zur Hand hatten - mitunter war auch einfach nur die Technik veraltet - konnten so weiterhin über ein elektronisches Lernprogramm am Schulunterricht teilnehmen. 

"Digitales Lernen ist die Zukunft"

Initiiert wurde das Projekt von Christoph Braun, seit drei Jahren Lehrer an der 138. Oberschule. Über die Bürgerstiftung Dresden stellte er einen Antrag für die Geräte und bekam den Zuschlag. Aber warum ist der digitale Zugang für Schüler eigentlich so wichtig? Weil es die Zukunft des Lernens ist, meint Christoph Braun. An seiner Oberschule werden die Jugendlichen zum einen auch weiterhin, über die Einschränkungen der Corona-Zeit hinaus, mit dem digitalen Programm Lernsax arbeiten. Außerdem soll der Umgang mit der digitalen Technik nicht nur in zwei Stunden Informatik-Unterricht pro Woche möglich sein, sondern auch daheim. Die Schüler können so zum Beispiel Präsentationen für den Unterricht vorbereiten - und sich damit auch für den Berufsweg fit machen.

Auf der Internetplattform Lernsax werden etwa Arbeitsblätter und andere Aufgaben hochgeladen, Schüler und Lehrer kommunizieren auf kurzem Weg per Mail oder Chat, Fragen werden schnell beantwortet, der Austausch ist in der Gruppe, aber auch einzeln möglich. "Das Gute an der Corona-Schließung der Schulen: Jetzt hat jeder Schüler einen Lernsax-Zugang und kann damit arbeiten", sagt Braun. Mit den neuen Laptops haben nun auch jene Zugriff darauf, die sich das finanziell sonst nicht leisten könnten. 

Darüber freuen sich auch Malwin und Emaly. Der Zwölf- und die Elfjährige sind nur an zwei Tagen in der Woche in ihrer Schule und erarbeiten sich den Schulstoff nun über Lernsax. Eine große Erleichterung, finden beide. Sonst mussten sie sich die Kopien der Arbeitsblätter und die Aufgaben in der Schule abholen.

250 Millionen Euro für digitale Schulen in Sachsen

"Dass alle an Bildung teilhaben können, muss oberste Priorität haben", findet auch Olaf Drillisch-Saathoff, Personalchef bei Globalfoundries. "Als Vater von drei schulpflichtigen Kindern war ich beeindruckt, wie selbstbestimmt und selbstorganisiert Kinder lernen können." Und er fordert: "Jetzt ist es an der Politik, die versprochene Digitalisierung der Schule Realität werden zu lassen."

Tatsächlich hat der Freistaat den sogenannten Digitalpakt auf den Weg gebracht, um eine digitale Infrastruktur an sächsischen Schulen zu schaffen. Dafür stehen rund 250 Millionen Euro zur Verfügung, Geld, das auch vom Bund kommt. Bislang sind bei der Sächsischen Aufbaubank 248 Anträge im Umfang von rund 137 Millionen Euro von Schulträgern in ganz Sachsen eingegangen. Davon wurden 203 Anträge mit einem Volumen von 83 Millionen Euro bereits bewilligt. 

Zum Digitalpakt gehören unter anderem die Datenvernetzung der Schule einschließlich W-Lan, Präsentations- und Interaktionstechnik wie digitale Displays, interaktive Tafeln sowie Tablets und Notebooks. Auch davon will die 138. Oberschule profitieren und hat weitere Laptops und digitale Tafeln beim Schulverwaltungsamt geordert. "Wir haben drei Klassensätze Laptops bestellt", erzählt Geografie-Lehrerin Claudia Wergin. Das sind jeweils 16 Geräte, an denen immer zwei Schüler gemeinsam arbeiten können. 

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