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Wie wohnt es sich im Tiny-House?

Wohnen auf kleinstem Raum ist in Mode. Doch kann eine Familie auf 25 Quadratmetern leben?

Mit dem Lkw nach Dresden gekommen: Das Kleinformat-Haus lässt sich als Ganzes transportieren.
Mit dem Lkw nach Dresden gekommen: Das Kleinformat-Haus lässt sich als Ganzes transportieren. © Arvid Müller

Von Julius G. Fiedler

Sobald der Schlüssel in die Nähe der Haustür kommt, wird die Milchglasscheibe durchsichtig. Sie gibt den Blick frei in den Flur, wo schon das Licht angegangen ist. Die Tür ist entriegelt, und schon steht der Hausherr in seinem 25 Quadratmeter großen Reich. So soll das Wohnen der Zukunft aussehen: Smart vernetzt – und im Mini-Format. Wohnt eine Familie zu viert etwa im Mini-Haus „Cabin One“, hat jeder rechnerisch 6,25 Quadratmeter Wohnfläche – der Durchschnitts-Deutsche lebt laut Umweltbundesamt heute auf 46,5 Quadratmetern.

Mit dem Einfamilienhaus in Studentenbuden-Größe tourt die Bausparkasse Schwäbisch Hall gerade durch Deutschland und macht bis Samstagabend Station am Dresdner Einkaufszentrum Elbepark.

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In Mini-Häusern zu leben, kommt in Mode. Eine ganze Reihe von Herstellern bietet inzwischen Häuser an, die als Ganzes transportiert und aufgestellt werden können. Wie viele Mini-Häuser es in Sachsen gibt, kann das Innenministerium nicht beziffern.

Für Fans sind die kleinen Häuser ein Lebensstil: Minimalistisch – es ist kein Platz, Krempel anzusammeln. Und flexibel – mit Kran und Laster kann das Haus versetzt werden. Die Häuser sind bei Singles und Pärchen beliebt, werden aber auch als Ferienhaus genutzt. „Der Trend ist zeitgemäß. Die Gesellschaft individualisiert sich, da passt für viele das Standardwohnen nicht“, sagt Manuel Bäumler, der Städtebauliches Entwerfen an der Dresdner TU lehrt.

Fotostrecke: Blick ins Mini-Haus

In der Kleinformat-Hütte ist jeder Quadratmeter wertvoll. Wer einzieht, muss ohne Dunstabzugshaube auskommen. Im Bad ist gerade einmal Platz zum Umdrehen, immerhin gibt es ein Dachfenster – und andere Annehmlichkeiten. Nähert sich der Schlüssel der Haustür, geht nicht nur die Tür auf, es wird auch der Toilettensitz erwärmt. 

Die hölzernen Wände sind mit Kabeln durchzogen, die über eine Steuerungsstation mit Lampen, Jalousien und Schaltern verbunden sind. Dadurch kommunizieren die Geräte im Haus miteinander und gehorchen Sprachbefehlen.

Der Trend hat auch Tücken

Minihäuser wie diese, sagen die Überzeugten, liefern die Antwort auf den Platzmangel. Eine Familie braucht nur ein kleineres, günstigeres Grundstück in den Randlagen der Städte. Unternehmen könnten ihren Mitarbeitern arbeitsplatznahe Siedlungen aus Mini-Häusern bauen. Auch die Umwelt sollen die Mini-Wohnungen schonen. Je kleiner und besser gedämmt der Raum, desto weniger Energie ist zum Heizen nötig, so die einfache Logik.

Die innerstädtischen Platzprobleme werden sie aber wohl nicht im Alleingang lösen. Sie sind zwar platzsparender als normale Einfamilienhäuser, „aber wenn sie sich nicht kompakt stapeln lassen, brauchen sie pro Person mehr Platz als ein mehrstöckiges Mietshaus mit Standard-Wohnungen“, sagt Bäumler. 

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Auch was den Energieverbrauch betrifft, seien die frei stehenden Einfamilienhäuser als Wohnform nicht effizient. Übrigens: Ganz billig ist ein Tiny Haus nicht, die meisten Anbieter verlangen etwa 100.000 Euro. Und wer denkt, er kann sich mit dem Mini-Haus den Aufwand der Baugenehmigung sparen, irrt. Auch das Aufstellen des Kleinformats muss die Baubehörde genehmigen.

Vor allem kommt es auf die Verbraucher an. „In einem kleineren Haus habe ich weniger Platz. Es kommt nun darauf an, wie viele Leute ihre gewohnten Standards aufgeben wollen“, so Bäumler.

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