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Wie wohnt Heidenau künftig?

Die städtische Wohnungsgesellschaft will mehr Wohnraum schaffen. Das hat Ursachen und Konsequenzen.

© Dirk Zschiedrich

Von Heike Sabel

Heidenau. In der Stadt werden überall Wohnungen gebaut. Auf der Güterbahnhofstraße, auf der Einsteinstraße, auf der Lutherstraße, am Platz der Freiheit – überall entstehen Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser. Privat. In den nächsten Jahren will auch die städtische Wohnungsgesellschaft WVH als mit rund 2 400 Wohnungen größter Vermieter in Heidenau selbst bauen, unter anderem rund um den Markt und auf der Breitscheidstraße. Bisher hat sie nur an der Ringstraße gebaut. An dem Vorhaben entbrannte jetzt im Stadtrate eine Debatte um das Wohnen in Heidenau. Wie teuer ist es, welche Wohnungen werden gebraucht und welche fehlen? Und warum gibt es keine Sozialwohnungen?

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Warum will die WVH neue Wohnungen bauen?

Ausgangspunkt sind die Nachfrage und der Wunsch nach „Wohnraum für breite Schichten“, sagt WVH-Geschäftsführerin Sonnhild Ruffani. Der Wunsch nach höherwertigem Wohnraum steige. Dem könne die WVH bisher nicht in dem Maße entsprechen. Entweder man überlasse diesen Markt anderen Anbietern oder baue eben selbst und mache sich die Nachfrage zugute. Zudem würden bei Umzug dieser Mieter dann wieder Wohnungen mit niedrigerer Miete frei.

Das freilich trifft nur zu, wenn die Leute innerhalb von Heidenau umziehen. Heidenau wächst jedoch jährlich um 80 bis 90 Einwohner, die neu in die Stadt ziehen. Und sie zahlen durchaus die höheren Mieten, wie zum Beispiel ab Dezember am Platz der Freiheit.

Wie viel kosten die städtischen Wohnungen?

Etwa 80 bis 85 Prozent der Wohnungen kosten zwischen 4,50 und 5,50 Euro kalt pro Quadratmeter. Frisch sanierte bzw. neu gebaute Wohnungen kosten zwischen 6,50 und neun Euro. Dieser Anteil spiele jedoch eine untergeordnete Rolle bei den insgesamt 2 400 WVH-Wohnungen, sagt Geschäftsführerin Sonnhild Ruffani. Auch künftig soll verschiedenen Bedürfnissen und Leistungsfähigkeiten Rechnung getragen werden. Man werde sich weder von Mügeln oder Süd verabschieden, noch nur neue Wohnungen bauen. Der Bürgermeister will die Heidenauer, denen es wirtschaftlich besser geht, in der Stadt halten. Und dafür sind eben auch entsprechende Wohnungen notwendig, ohne dass der andere Bereich vernachlässigt wird.

Warum gibt es keine Sozialwohnungen?

Das ist aus Sicht von Stadt und WVH eine Frage der Definition. Sozialwohnungen im Sinne des Gesetzes gibt es in Heidenau nicht, also keine Wohnungen, die mit Fördermitteln gebaut wurden und für die ein Bezugsschein notwendig ist. Heidenau definiert Sozialwohnungen als Wohnung zu einer sozialen Miete. Heidenau habe also viele Wohnungen, die den Kriterien von Sozialwohnungen entsprechen, ohne eben so zu heißen. Man spreche vielmehr von niedriger Miete.

Natürlich werde in Deutschland zu wenig für den sozialen Wohnungsbau getan, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). „Aber nicht in Heidenau“, entgegnet er auf einen Hinweis von Günter Eckoldt (Linke), der auf die von der Bundesregierung verdreifachten Fördermittel dafür verwies. In den alten Bundesländern würden Sozialwohnungen jedoch sieben Euro kosten, sagte Opitz. Bei dem großen Anteil sehr günstiger Wohnungen besteht kein weiterer Bedarf an ihnen, schlussfolgerte Volker Bräunsdorf (CDU).

Wie ist die soziale Zusammensetzung der Mieter?

Die Frage nach dem Anteil von Hartz-IV-Mietern kann die WVH nicht beantworten. Es haben nicht alle Empfänger sogenannte Abtretungserklärungen, die dazu führen, dass die Miete direkt von der Sozialbehörde an den Vermieter gezahlt wird. Wie sich Rentnerarmut und Sozialkassensysteme in den nächsten Jahren entwickeln, könne jetzt niemand voraussagen, sagte Opitz.

Bei der Diskussion um das Betreute Wohnen Sonnenhof 2 wurde jedoch schon deutlich, dass einige aktuelle Mieter sich die dann höhere Miete in ihren bisherigen Wohnungen nicht mehr leisten können. Ihnen sollen jedoch adäquate Wohnungen angeboten werden.

Wie viele Wohnungen stehen im Schnitt leer?

Von den rund 2 400 Wohnungen sind sechs Prozent unbewohnt. Dazu gehören auch die Wohnungen, die zwischen Auszug eines und Einzug des anderen Mieters vorgerichtet werden. In Gebieten, in denen es viele Ältere gibt, spielen natürlich auch Tod und Umzug ins Pflegeheim eine Rolle.

Bei sanierten und teueren Wohnungen ist der Leerstand geringer, weil weniger ausgezogen wird und wenn, der Aufwand zur Vorbereitung für den nächsten Mieter geringer ist.