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Wie Zittau Unfallschwerpunkte entschärft

Zehn Kreuzungen haben die Behörden besonders im Blick. Mit einem Verkehrsversuch auf dem Ring, Rotblitzern, Aufklebern und anderem reagieren sie.

Damit es nicht - hier Ende Oktober an der Zittauer Südstraße - so häufig zu Unfällen kommt, begutachten die Behörden regelmäßig die Schwerpunkte. Für die meisten beschließen sie Gegenmaßnahmen.
Damit es nicht - hier Ende Oktober an der Zittauer Südstraße - so häufig zu Unfällen kommt, begutachten die Behörden regelmäßig die Schwerpunkte. Für die meisten beschließen sie Gegenmaßnahmen. © Lausitznews.de/Erik-Holm Langhof (Archiv)

Die Bemühungen der Stadt um mehr Verkehrssicherheit scheinen Früchte zu tragen: Die Zahl der Unfälle in Zittau ist laut Bürgermeister Philipp Fay im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 um acht Prozent zurückgegangen. Am häufigsten kracht es wegen Vorfahrtsfehlern und vor allen in den  nördlichen Ortsteilen wegen Wild, das vor die Autos läuft. Überproportional an der Zahl der Unfälle beteiligt sind Menschen über 65 Jahre. "Die Gruppe der Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren ist dagegen relativ unauffällig", sagte Fay der SZ.

Die Stadt ruht sich aber nicht auf dieser Entwicklung aus. Gemeinsam mit der Polizei und anderen Behörden hat sie sich die Schwerpunkte angesehen und Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen besprochen. Das sind die Ergebnisse. 

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Schlieben-/Hochwaldstraße: Großes Geheimnis und neue Linie für Radfahrer

An der Kreuzung Hochwald-/Schliebenstraße sind in den vergangenen drei Jahren acht Unfälle mit einem Schwer- und sieben Leichtverletzten passiert. Damit ist die Kreuzung laut der Vorschriften ein Unfallschwerpunkt. Während die Verkehrsunfallkommission in den vergangenen Jahren kein eindeutiges Muster bei den Unfällen ausmachen konnte, sind bei den jüngsten Unfällen vier mit Radfahrern dabei. Deshalb soll nun der Schutzstreifen entlang der Hochwaldstraße, der vom Ring bis zur Mandaubrücke reicht, verlängert werden, damit die stadtauswärts fahrenden Radler nicht mehr in Höhe Schliebenstraße nach rechts schwenken, um den für sie freien Fußweg vor der Mensa zu erreichen. So würden sie den in der Schliebenstraße auf Ausfahrt wartenden Autos nicht mehr in die Quere kommen. Der Schutzstreifen wird voraussichtlich 2020 verlängert, sagt Heike Kubiak, die Verkehrsexpertin der Stadtverwaltung.

Auch eine zweite Gefahrenstelle an der Kreuzung soll minimiert werden: Die Hochwaldstraße zwischen Mensa und den vier Schulen entlang der Schliebenstraße - Haus II der Hochschule, das Berufliche Schulzentrum, die Busch-Grundschule und die Schlieben-Oberschule - wird von einer großen Zahl Schüler überquert. Viele Eltern wünschen sich dort am liebsten eine Ampel, auf alle Fälle aber einen Überweg oder eine Fußgänger-Insel. Die Stadtverwaltung hat den Wunsch nun geprüft und Passanten sowie Autos gezählt. Laut Bürgermeister Fay wurden in der Spitzenstunde zwischen 11 und 12 Uhr mehr als 200 Menschen registriert, die an dieser Stelle die Straße überquerten. Gleichzeitig fuhren dort über 400 Autos. "Da müsste man was tun", sagte Fay. Doch was, das verrät er noch nicht. Man wolle sich erst in der Verwaltung abstimmen, sagte er. Klar ist aber schon, dass die Zahlen nach den Vorgaben des Bundes für vier Ampeln nicht reichen. Gegen eine Fußgänger-Ampel spricht unter anderem, dass sie direkt im Verlauf des Fußwegs an die Ecke Mensa/Schliebenstraße gebaut werden müsste, damit sie nicht umgangen wird. Dort würden die an ihr Wartenden aber die ohnehin durch das Brückengeländer auf der anderen Seite schon eingeschränkte Sicht der in der Schliebenstraße wartenden Autofahrer behindern. 

Egal, wie das Problem behoben wird: Es wird Geld kosten. Deswegen geht Fay davon aus, dass sich die Maßnahme frühestens im Haushalt 2021 wiederfindet.

Anfang Oktober ist an der Kreuzung Schlieben-/Hochwaldstraße ein Kind angefahren und schwer verletzt worden.
Anfang Oktober ist an der Kreuzung Schlieben-/Hochwaldstraße ein Kind angefahren und schwer verletzt worden. © Archiv/LausitzNews/Erik-Holm Langhof

Freudenhöhe: Neue Ampel-Zeiten und Markierungen

Die Freudenhöhe mit ihren fünf Straßen-Armen ist schon seit Jahren ein Unfallschwerpunkt. Im letzten Jahr hat es dort neun Unfälle gegeben. Einer der Hauptgründe war, dass einige Autofahrer noch bei "dunkelgelb" über die Kreuzung rasten. Nicht umsonst steht jetzt an der Kreuzung ein Rotblitzer, der in den ersten elf Tagen 13 Rotsünder "fotografiert" hat. Trotzdem will die Stadt weitere Maßnahmen für die Verkehrssicherheit ergreifen. So sollen kurzfristig die Ampelphasen verändert werden. Außerdem soll ab 2020 unter anderem mit dem Aufdruck "B96" auf der rechten Spur der Dresdner Straße für bessere Orientierung gesorgt und damit ein Teil der kurzfristigen Spurwechsel vor der Kreuzung vermieden werden. Gerade an dieser Stelle hatte es zuletzt mehrere Auffahrunfälle gegeben. 

Die Kreuzung Freudenhöhe ist immer noch ein Unfallschwerpunkt. Mal sehen, ob der Rotblitzer und weitere Maßnahmen daran etwas ändern.
Die Kreuzung Freudenhöhe ist immer noch ein Unfallschwerpunkt. Mal sehen, ob der Rotblitzer und weitere Maßnahmen daran etwas ändern. © Matthias Weber (Archiv)

Dresdner/Rathenaustraße: Rotblitzer soll helfen

Sechs der sieben Unfälle an der Kreuzung Dresdner/Rathenaustraße  in den vergangenen drei Jahren, bei denen zwei Menschen schwer und fünf leicht verletzt wurden, sind auf Rotlichtsünder zurückzuführen. Seit einigen Wochen steht an der Kreuzung nun ein Rotblitzer. Davon erhofft sich die Stadt, dass der Unfallschwerpunkt entschärft wird.

Der Rotblitzer, der auch bei Tempo-Verstößen auslöst, an der Dresdner Straße.
Der Rotblitzer, der auch bei Tempo-Verstößen auslöst, an der Dresdner Straße. © Matthias Weber (Archiv)

Görlitzer/Leipziger Straße: Weitere Beobachtungen nötig

Noch immer ist kein eindeutiges Muster der Unfälle auf der Krankenhaus-Kreuzung zu erkennen. Mal sind es Abbiegeprobleme, mal ein Auffahrunfall, mal Kreuzungssünden. Drei Menschen wurden in den vergangenen drei Jahren dabei schwer und drei leicht verletzt. Die Verkehrsunfallkommission wird die Kreuzung weiter im Auge behalten.

Auch an der Kreuzung Görlitzer/Leipziger Straße kracht es häufig.
Auch an der Kreuzung Görlitzer/Leipziger Straße kracht es häufig. © Matthias Weber (Archiv)

Schramm-/Goldbach-/Äußere Oybiner Straße: Kreisel soll helfen

Die Kreuzung Schramm-/Bebel-/Goldbach-/Äußere Oybiner Straße ist offiziell kein Unfallschwerpunkt mehr. Die über viele Jahre hohe Zahl der Unfälle ist zurückgegangen. Das, so vermutet Zittaus Verkehrsexpertin Heike Kubiak, liegt aber nur an der Ampelregelung während der Umleitungen für den Ausbau der Schramm- und Äußeren Weberstraße. Sie befürchtet, dass es danach wieder schlimmer werden könnte. Deshalb hofft sie, dass der vom Landkreis für 2021 ins Auge gefasste Bau eines Kreisel anstelle der Kreuzung Abhilfe schafft. Der zuvor geplante Ausbau der Äußeren Oybiner Straße kommt aber laut Bürgermeister Fay bis dahin nicht. Es gibt immer noch Probleme bei der Frage, ob der Goldbach künftig offen oder weiter als Kanal an der Straße entlang geführt wird.

Aktuell ist diese Kreuzung im Südwesten der Stadt kein Unfallschwerpunkt mehr. Vermutlich, weil sie derzeit Teil einer Umleitung ist und der Verkehr auf ihr mit Ampeln geregelt wird. 
Aktuell ist diese Kreuzung im Südwesten der Stadt kein Unfallschwerpunkt mehr. Vermutlich, weil sie derzeit Teil einer Umleitung ist und der Verkehr auf ihr mit Ampeln geregelt wird.  © Thomas Eichler (Archiv)

Klienebergerplatz: Verkehrsversuch im Frühjahr

Auch der Klienebergerplatz ist aus der Liste der Unfallschwerpunkte herausgerutscht. Heike Kubiak, Leiterin des Referats Straßenverkehr in der Stadtverwaltung, glaubt aber nicht so recht daran, dass das so bleibt. Deshalb will sie im Frühjahr auf dem Stadtring einen Versuch unter echten Bedingungen starten und ausprobieren, wie sich der Verkehr dort besser führen lässt. Schon in früheren Jahren hatte die Verkehrsunfallkommission den Umbau der Kreuzung empfohlen. 

Beim Einfädeln von der Rosa-Luxemburg-Straße auf den Ring gibt es immer wieder Probleme. Auch das Überqueren des Rings von der Frauenstraße aus sorgt für Unfälle.
Beim Einfädeln von der Rosa-Luxemburg-Straße auf den Ring gibt es immer wieder Probleme. Auch das Überqueren des Rings von der Frauenstraße aus sorgt für Unfälle. © Matthias Weber (Archiv)

Dresdner Straße/Tongasse: Neuer Belag wird geprüft

Sechs Unfälle hat es 2018 auf der Kreuzung vor Aldi gegeben. Meistens bei Nässe oder Glätte. Deshalb soll das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr die Griffigkeit des Straßenbelags prüfen und gegebenenfalls für neuen sorgen. Allerdings wünschte sich das die Verkehrsunfallkommission auch schon vor einem Jahr. 

Ist der Belag der Kreuzung Dresdner Straße/Tongasse zu rutschig? Das soll geprüft werden.
Ist der Belag der Kreuzung Dresdner Straße/Tongasse zu rutschig? Das soll geprüft werden. © Matthias Weber (Archiv)

Schlegler Kreuz: Mehr Schilder für neuen Unfallschwerpunkt

Fünf Unfälle mit einem Schwer- und fünf Leichtverletzten waren 2018 am Schlegeler Kreuz zu beklagen. Damit ist die Kreuzung ein neuer Unfallschwerpunkt - obwohl sie gut einsehbar ist, wie Verkehrsexpertin Heike Kubiak sagt. Das Kreuz soll unter anderem entschärft werden, in dem die am rechten Straßenrand stehenden Verkehrsschilder am linken Rand gedoppelt und die Fahrbahnmarkierungen erneuert werden. "So schnell wie möglich", sagt Heike Kubiak.  

Schwerste Verletzungen zog sich ein Radfahrer im April beim Zusammenstoß mit einem Auto am Schlegeler Kreuz zu.
Schwerste Verletzungen zog sich ein Radfahrer im April beim Zusammenstoß mit einem Auto am Schlegeler Kreuz zu. © LausitzNews.de/ Erik-Holm Langhof (Archiv)

Schlieben-/Südstraße: Neuen Unfallschwerpunkt beobachten

Neu ist auch der Unfallschwerpunkt Ecke Schlieben-/Südstraße. Allerdings nicht die Ecke, über die die Kleinbahn fährt und an der Autofahrer eine schlechte Sicht auf den Verkehr, der über die Mandaubrücke kommt, haben - sondern auf der anderen Seite. Neun Unfälle mit drei Schwer- und fünf Leichtverletzten sind dort 2018 registriert worden. Da die Verkehrsunfallkommission davon ausgeht, dass die Häufung mit der Umleitung während des Ausbaus der Schrammstraße zusammenhängt und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in nicht allzu ferner Zukunft sowohl die Brücke als auch den Südstraßen-Abschnitt sanieren will, wird die Situation an der Kreuzung vorerst nur weiter beobachtet.

Drei Leichtverletzte waren das Resultat des Zusammenstoßes zweier Autos im März an der Kreuzung Schlieben-/Südstraße.
Drei Leichtverletzte waren das Resultat des Zusammenstoßes zweier Autos im März an der Kreuzung Schlieben-/Südstraße. © LausitzNews.de/Toni Lehder (Archiv)

Schlieben-/Hochwaldstraße: Sie wird wohl Unfallschwerpunkt

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Acht Unfallschwerpunkte haben die Behörden in Zittau ausgemacht. Die meisten werden entschärft.

Als im September durch einen Unfall die Ampeln an der Kreuzung Schramm-/Hochwaldstraße für Wochen ausfielen, krachte es fast täglich. Die Zahl der Unfälle wird wohl reichen, damit die Kreuzung im kommenden Jahr als Unfallschwerpunkt auftaucht. Obwohl die Ampeln wieder leuchten, will Heike Kubiak von der Stadtverwaltung für noch mehr Sicherheit sorgen: Sie wird die Ampelzeiten an die der Öffnungszeiten der Märkte im Süden der Kreuzung anpassen. Gern hätte sie die Ampeln auch in den anderen Zeiten gelb blinken lassen. Aber nach Auskunft der Herstellerfirma Siemens ist das bei der Anlage nicht möglich. 

Einer von vielen Unfällen an der Kreuzung Hochwald-/Schrammstraße, nach dem im September die Ampeln längere Zeit ausgefallen waren.
Einer von vielen Unfällen an der Kreuzung Hochwald-/Schrammstraße, nach dem im September die Ampeln längere Zeit ausgefallen waren. © LausitzNews.de/ Erik-Holm Langhof (Archiv)

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