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Brandserie schreckt Bischofswerda auf

Zum siebenten Mal in diesem Jahr wurde ein Fahrzeug angezündet. Zwei Frauen verhinderten Schlimmeres.

Bischofswerdas Feuerwehr wurde in der Nacht zum Donnerstag an die Kamenzer Straße gerufen, um einen brennenden Pkw zu löschen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Brandstiftung.
Bischofswerdas Feuerwehr wurde in der Nacht zum Donnerstag an die Kamenzer Straße gerufen, um einen brennenden Pkw zu löschen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Brandstiftung. © Rocci Klein

Bischofswerda. Wieder hat ein Auto in Bischofswerda gebrannt. In der Nacht zum Donnerstag traf es eine Familie mitten in der Stadt. Der auf dem Privatgrundstück an der inneren Kamenzer Straße geparkte Rover brannte vollständig aus, obwohl die Feuerwehr schnell vor Ort war. Die 16 Kameraden verhinderten Schlimmeres. Das Fahrzeug stand nur wenige Meter vom Wohnhaus entfernt. Das Nachbarhaus grenzt unmittelbar an den Hof, wo der Pkw stand. Darin wohnt eine hochbetagte Frau. Es hätte tragisch enden können. Zum Glück bemerkten zwei Frauen, die die Zeitung zustellen, gegen 3.30 Uhr den Brand und alarmierten die Feuerwehr.

Dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden ist – daran zweifelt kaum einer in Bischofswerda. Nach ersten Erkenntnissen brannte als erstes der Radkasten des Pkw. Die Polizei gibt den Wert des rund 20 Jahre alten Fahrzeugs mit 5.000 Euro an. Ein Brandursachenermittler sollte noch am Donnerstag den Brandort untersuchen, hieß es in der Polizeidirektion Görlitz.

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Parallelen zu anderen Bränden

Seit dem Sommer 2017 kommt es in Bischofswerda und der näheren Umgebung immer wieder zu Fahrzeugbränden. Im ersten Jahr wurden bei zwei Bränden insgesamt vier Fahrzeuge – zwei Pkw und zwei Kleintransporter – zerstört. Im vergangenen Jahr traf es vier Autos bei vier Bränden. In diesem Jahr ist der jüngste bereits der siebente Brand. Fünf Pkw, ein Multicar und ein Wohnwagen wurden ein Raub der Flammen. In mehreren Fällen standen die Fahrzeuge, wie jetzt, unmittelbar an Wohngebäuden. Offenbar nimmt der Täter in Kauf, dass Menschen in den Flammen oder durch den Rauch sterben können. Dass das bisher nicht geschehen ist, ist dem Zufall zuzuschreiben. Die Feuer wurden alle durch Leute entdeckt, die zufällig vorbei kamen. Im Januar dieses Jahres war es beispielsweise ein Fahrer vom Winderdienst, der gegen 4 Uhr auf dem Schmöllner Weg einen brennenden Van sah.

Die inzwischen 13 Tatorte verteilen sich über große Teile des Bischofswerdaer Stadtgebietes. Auch die Nachbarorte Schmölln und Putzkau sind betroffen. Die räumliche Nähe, die Tatzeiten meist zwischen Mitternacht und 4 Uhr sowie Tatorte mit guten Fluchtmöglichkeiten in mehrere Richtungen lassen vermuten, dass es sich stets um ein und denselben Täter handelt. Doch erwiesen ist das nicht. Die Ermittlungen der Polizei liefen bislang offenbar ins Leere. Bei den Bränden aus den Jahren 2017 und 2018 konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden, ergab eine Anfrage der SZ im Frühjahr dieses Jahres bei der Polizeidirektion in Görlitz. Zum Stand der Ermittlungen der Brände in diesem Jahr konnte die Polizei am Donnerstag noch keine Auskunft geben. Nur so viel steht fest: Ein Tatverdächtiger wurde bisher nicht ermittelt.

Möglich, dass sich dieser ein Katz- und-Maus-Spiel mit der Polizei liefert – und dadurch in der Stadt für Verunsicherung sorgt. „Das kann jeden treffen und so gut wie überfall“, sagte ein Bewohner der Innenstadt am Donnerstag. Öffentliche Parkplätze, Straßen und Privatgrundstücke – all das waren schon Tatorte.

Ralf Schneider ist eines der Opfer. Sein Wohnwagen wurde im Februar abgefackelt. Einige Wochen später wurde er von einer Polizistin befragt. „Seitdem habe ich in dieser Angelegenheit von der Polizei nichts mehr gehört“, sagte er am Donnerstag der SZ. Der Wohnwagen, den Ralf Schneider für den kleinen Bolzplatz am Rande des Wohngebietes kaufte, lässt sich ersetzen. Doch was ihn und viele andere in Bischofswerda viel mehr bewegt, ist eine andere Frage: Wie groß ist das Geschrei, sollten wirklich einmal Menschen bei einem Brand zu Schaden kommen?

Schaden in sechsstelliger Höhe

Nach einer Berechnung der SZ auf Grundlage der bisher von der Polizei veröffentlichten Zahlen nach jedem Brand summiert sich die Höhe des Gesamtschadens allein an den Fahrzeugen auf rund 300.000 Euro. Hinzu kommen Schäden an Gebäuden ebenfalls im sechsstelligen Bereich. Die größten hat der Eigentümer der Immobilie der ehemaligen Dresdner Herrenmode an der Belmsdorfer Straße zu verkraften. Dort wurde am Abend des 19. Oktober ein für den Winterdienst umgerüsteter Multicar in Brand gesteckt. 45.000 Euro beträgt der Schaden am Fahrzeug. Hinzu kommen Schäden an einer vermieteten Halle von mehreren Hunderttausend Euro.

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„Obwohl die Halle geschlossen war, zogen Ruß und Feinstaub rein, auch, weil der Wind gegen das Gebäude drückte. Zurzeit kann die Halle nicht genutzt werden“, sagte der Verwalter der Immobilie Stefan Krause. Der Mieter – ein Handelsunternehmen – musste für mehrere Monate in eine andere Halle umziehen. „Die kontaminierte Halle zu reinigen, ist sehr aufwendig und teuer“, sagt Stefan Krause. Im Unterschied zu allen anderen Fahrzeugbränden stand der Multicar an einem Sonnabend bereits gegen 20.30 Uhr in Flammen. War es derselbe Täter, wie bei den anderen Bränden, oder möglicherweise ein Trittbrettfahrer? Eine von vielen Fragen, die einer Antwort harren.

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