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Wieder ein Stück geschafft

Nach 13 Jahren Planung und viel Streit ist die Herrnhuter Ortsumfahrung frei. 20 SZ-Leser waren beim Festakt dabei.

Von Gabriel Wandt

Die Freude ist groß, nicht nur bei Willem Riecke und Rainer Fischer, dem amtierenden und dem ehemaligen Bürgermeister von Herrnhut. Rund 150 Leute waren dabei, als der B-178-Abschnitt 3.2, also die Umfahrung von Herrnhut, offiziell eröffnet wurde. Mittendrin: 20 SZ-Leser, die eine Fahrt im historischen Ikarus-Bus der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck gewonnen hatten. Der setzte sich nach den Reden der Offiziellen an die Spitze eines kilometerlangen Autokorsos, um die neue Trasse in Besitz zu nehmen.

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Eine der beiden Frauen, die zu den Gewinnern der Leserfahrt gehörten, war Gisela Steurich aus Neugersdorf. Sie ist vor vielen Jahren schon zu Fuß durch den damals neuen Tunnel Königshainer Berge gelaufen und freute sich nun, bei der Trasseneröffnung eine der Ersten auf der neuen Strecke zu sein. Immerhin war sie einige Jahre selbst Busfahrerin, ihr Mann fährt heute noch Laster, und so haben die Steurichs auch ein berufliches Interesse an der Straße. Dazu kommen die neuen Blicke in die Landschaft, die sich entdecken lassen, immerhin liegen Kottmar, Spitzberg und Pferdeberg nahe an diesem B-178-Teil. SZ-Leser Günter Kretschmer wünschte sich, dass der langjährige Streit um das Bauprojekt endet. Den Naturschutz müsse man berücksichtigen, aber wenn das geklärt sei, wären Prozesse nicht mehr notwendig, findet er. Grundsatzkritik wurde aber nicht laut: Die B-178-Gegner, sonst bei solchen Gelegenheiten zumindest am Rande präsent, traten nicht in Erscheinung. Die SZ-Leser einte die Neugier auf die neue Strecke. Etliche haben sie in den vergangenen Wochen schon abschnittsweise besucht, als Fußgänger oder Radler. Denn zu baufreien Zeiten war oft richtig was los auf den fertiggestellten Bereichen der Asphaltpisten. Hunderte Oberlausitzer haben die gesperrte Strecke für den Freizeitsport genutzt. Das geht nun nicht mehr. Also nahmen die Gewinner der SZ-Verlosung im Bus Platz, den Klaus Grüner an der Spitze des Autokorsos Richtung Oderwitz steuerte. Links und rechts war dann zu sehen, warum so mancher Ingenieur vielleicht gern noch ein paar Tage länger Zeit gehabt hätte: Hier und da waren Arbeiter noch zugange, und das wird auch noch eine Zeit lang so gehen, wie Lutz Günther, Chef der Bautzener Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), erklärte. Von den 15 Brücken berichtete er, zwei davon länger als 70 Meter, von 2,8 Kilometern Fledermaus-Schutzzäunen, von einer Million Kubikmeter bewegter Erde, von 23 000 Quadratmetern Wirtschaftswegen und vielem mehr. Natürlich sprach er vom langen Winter 2012/2013, der den Bau behindert hat, von den Regengüssen im Sommer, und davon, dass er froh ist, dass der jetzige Winter sich so lange zurückgehalten hat. Dann erreichte der Ikarus-Bus die Abfahrt Oderwitz. Dort endet das Asphalt-Band im Grünen. Wann hier weiter gebaut wird, ist derzeit völlig offen. Die Planung des Abschnitts zwischen Nostitz und der A 4 soll nächstes Jahr abgeschlossen sein. Doch auch wenn Politiker in der Vergangenheit stets betont haben, dass das Geld für den Weiterbau so gut wie gesichert ist: Ob nicht Klagen noch für einen langen Aufschub des nächsten Spatenstichs für die B 178 sorgen werden, muss abgewartet werden. Der Löbauer SZ-Leser Klaus Freitag brachte es auf den Punkt: „Es ist traurig, dass die Straße noch keinen Anfang und kein Ende hat.“