merken
PLUS Löbau

Wieder einer weniger

Friedbert Schramm zählt zu den Löbauer Händlern, die viele kommen und gehen sahen. Jetzt hört er nach fast 40 Jahren selber auf. Für das Haus aber gibt es Pläne. 

Ein paar Reste sind noch da: Friedbert Schramm hat seinen Haushalts- und Eisenwarenladen geschlossen.
Ein paar Reste sind noch da: Friedbert Schramm hat seinen Haushalts- und Eisenwarenladen geschlossen. © Matthias Weber

Friedbert Schramm weiß schon eine Überschrift für den Beitrag über seinen Abschied aus dem Löbauer Geschäftsleben: "Das Ende einer Ära", könnte es doch heißen, sagt er lachend und blickt verschmitzt über den Rand seiner Brille. Diese Schlagzeile wäre gar nicht übertrieben. Denn tatsächlich hat sein Laden in Löbaus Zentrum über ein Jahrhundert Bestand gehabt. Der Löbauer führte das Geschäft "Bruno Schramm Eisenwaren" in der dritten Generation. Sein Großvater hatte es 1911 gegründet. Friedbert Schramm selbst hat fast 40 Jahre im Laden gestanden, er übernahm ihn im Jahr 1981. 

Jetzt hat er das Geschäft an der Inneren Zittauer Straße geschlossen. Die großen Schaufenster des Eckgeschäfts an der Eichelgasse sind zwar noch voll mit Waren. Auf den ersten Blick sieht es aus, als sei alles wie immer und Friedbert Schramm schließt gleich die hölzere Ladentüre mit den großen Glasscheiben auf. Doch ein Zettel am Eingang verrät, dass der Laden nun zu bleibt. Einen Nachfolger für Friedbert Schramm gab es nicht. "Meine Tochter wohnt in Dresden", sagt er. Zwar habe es Interessenten gegeben. Sie waren aber wieder abgesprungen. Und auch Friedbert Schramm selbst wollte nicht mehr weitermachen. "Ein Jahr hätte ich schon noch machen können", sagt der 69-Jährige. Doch es werde kleinen Läden wie seinem nicht leicht gemacht. 

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Der Großmarkt, von dem er bisher immer seine Waren bezog, ging vor einigen Monaten pleite. Nun stand er vor dem Problem, woher er seine Waren beziehen konnte. Die meisten Großhändler verlangen, dass er bestimmte Mengen abnimmt. "Sonst wird es teurer für mich." Große Mengen kann sich der Händler in seinem kleinen Laden aber nicht ins Lager legen. Die Alternative: Schramm musste bei vielen verschiedenen Lieferanten bestellen. Um sein Angebot abzudecken - immerhin reicht das von Werkzeug über Haushaltswaren bis hin zu Gartengeräten - braucht er etwa 40 bis 50 unterschiedliche Lieferanten. "Das ist ein Riesenaufwand", sagt der 69-Jährige. Auch deswegen gibt er nun den Familienbetrieb auf. 

Angefangen hatte sein Großvater seinerzeit mit dem Bau von Waagen. "Er war gelernter Waagenbauer", erzählt Friedbert Schramm. Butterwaagen, Dezimalwaagen, Sackwaagen, das alles entstand in der Werkstatt von Bruno Schramm. Auch große, wie sie in der Landwirtschaft gebraucht wurden, stellte er her. Eine Original-Waage aus der Zeit seines Großvaters hat Friedbert Schramm noch auf dem Ladentisch stehen. "Die hat mein Großvater Bruno gebaut." Schramm nutzte sie bis zuletzt um Kleinteile und Eisenwaren wie Schrauben oder Nägel für den Verkauf abzuwiegen. Das historische Gerät war auch dafür zugelassen, wurde regelmäßig vom Eichamt überprüft und bekam das entsprechende Siegel. 

Über 100 Jahre gab es das Geschäft an der Ecke Eichelgasse. Nun soll das historische Haus saniert werden. 
Über 100 Jahre gab es das Geschäft an der Ecke Eichelgasse. Nun soll das historische Haus saniert werden.  © Matthias Weber

Friedbert Schramm selbst ist eigentlich studierter Elektronikingenieur. "Heute würde man dazu wohl Mechatroniker sagen." Schramm arbeitete im Schaltelektronikwerk in Oppach bis sein Onkel plötzlich verstarb. Damit war der Laden der Familie ohne Inhaber, Friedbert Schramm übernahm das Geschäft und ist seitdem selbstständig. Nach der Wende liefen die Geschäfte prächtig, viele Menschen aus Löbau und dem Umland brauchten etwas Neues, es wurde an Häusern und Wohnungen repariert, gebaut, gewerkelt. Dann kamen in den 1990er Jahren die großen Baumärkte. "Und auch die Großmärkte wie Aldi, Lidl oder Norma haben ja heute nicht mehr nur Lebensmittel, sondern alles mögliche. Auch Werkzeug", sagt Friedbert Schramm. Diese Entwicklung habe er auch gespürt. "Dabei waren bei mir sogar viele Sachen billiger als im Baumarkt", hat er festgestellt.

Und: Die jüngeren Leute reparieren heute nicht mehr so viel selbst, sondern bestellen lieber einen Handwerker, hat Friedbert Schramm festgestellt. Hinzu käme aber auch noch der Fakt, dass die Kunden bequem seien - und die Löbauer Politessen sehr fleißig. "Die Leute wollen am liebsten vor der Tür parken", weiß Friedbert Schramm. Das geht an seinem Laden sogar. Auf der gegenüberliegenden Seite der Zittauer Straße darf man sein Auto abstellen, allerdings nur mit Parkschein. "Viele kommen nur mal schnell in den Laden und wollen was fragen. Sind sie wieder draußen, haben sie schon ein Knöllchen." Solche Situationen hat Friedbert Schramm oft beobachtet.

Nun will er aber nicht jammern. Seine Kundschaft hatte er immer. Während es Kunden, die Werkzeuge suchten, immer mehr in die Baumärkte zog, gingen die Haushaltswaren bei ihm gut. "Im Haushalt geht ja immer mal was kaputt", sagt Friedbert Schramm, der in seinem Geschäft beinahe alles führte, was man in Haus und Hof so braucht: Töpfe und Pfannen, Mausefallen, Werkzeuge, Nägel, Schrauben, Bohrer. Selbst ein Bügelbrett mit buntem Bezug lehnt noch an einem Regal.

Das muss nun alles noch raus. Die restlichen Waren, die noch da sind, werden von anderen Firmen aufgekauft. "Da habe ich noch gut zu tun." Für die Einrichtung hat er ebenfalls Interessenten. Auch die alte Waage von Bruno Schramm hat einen Abnehmer gefunden. "So alte Sachen gehen gut", stellt der Ladeninhaber fest. Auch das große, denkmalgeschützte Haus will er entrümpeln. Einiges will er an DDR-Museen abgeben. Denn das historische Eckgebäude soll saniert werden. Junge Leute haben es gekauft und wollen es nun auf Vordermann bringen. 

Mehr Lokales:

Löbau

Mehr zum Thema Löbau