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Wieder kein gutes Jahr für die Aronia-Beere

Die Ernte beginnt. Weil es zu heiß und zu trocken war, sind die Beeren früher reif.

Der Blick durch das Brix-Meter verrät Michael Görnitz, ob die Aroniabeeren erntereif sind. Normalerweise sind sie das erst ab Mitte August. Die Erntemaschine fährt aber schon seit dieser Woche über die Sträucher. Aronia-Fans können ab sofort auch selbst p
Der Blick durch das Brix-Meter verrät Michael Görnitz, ob die Aroniabeeren erntereif sind. Normalerweise sind sie das erst ab Mitte August. Die Erntemaschine fährt aber schon seit dieser Woche über die Sträucher. Aronia-Fans können ab sofort auch selbst p ©  Anne Hübschmann

Coswig. Vor zwei Jahren begann die Aroniaernte an der Elbe in Brockwitz noch mit einem zweitägigen Fest. Im Jahr davor kam sogar die sächsische Blütenkönigin auf die Plantage. Aber dieses Jahr sieht Michael Görnitz, Chef des gleichnamigen Obstbaubetriebs, keinen Grund zum Feiern. Schuld ist mal wieder das Wetter. Im Mai gab es Frost, seitdem ist es zu trocken und zu warm gewesen. „Wir sind wieder zeitiger dran als sonst.“ Nur im vergangenen Jahr waren die Beeren noch schneller reif. Die Ernte fiel da unterdurchschnittlich aus. Laut Statistischem Landesamt gab es durch die Hitze sachsenweit bei der Aroniabeere einen Ertragsrückgang um 44 Prozent.

Michael Görnitz baut auf 85 Hektar Aronia an und rechnet auch in diesem Jahr mit weniger Ertrag. Wie andere Landwirte muss auch er erheblich investieren, damit am Ende überhaupt brauchbares Obst an Bäumen und Sträuchern hängt. Felder und Plantagen werden entweder mit einem Bewässerungssystem ausgestattet oder regelmäßig beregnet, die Äpfelbäume kommen unter Hagelschutznetze. 

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Investitionen, die sich lohnen, aber die sich nicht jeder leisten kann. Für die Hagelschutznetze gibt es laut Michael Görnitz derzeit 25 Prozent Förderung. „Ab 40 Prozent wäre es nachhaltig“, sagt er. Denn es koste rund 40 000 Euro, um einen Hektar damit zu überdachen. „Das kann sich kein Betrieb leisten, aufgrund des Preisverfalls durch die Konkurrenz aus Osteuropa.“ 30 bis 40 Cent verdient der Obstbauer pro Kilogramm Äpfel. Da seien gerade mal die Pflück- und Lagerkosten gedeckt.

Sorgen bereitet den Landwirten aber vor allem die Trockenheit. Noch sei genug Wasser in den Brunnen, sagt Görnitz. „Aber wie lange noch?“, fragt er sich. 2016 sei das letzte Jahr mit einer normalen Wetterlage gewesen. „Die Extreme nehmen zu“, sagt Görnitz. Die Elbwiesen würden schon der Savanne gleichen. Normale, ruhige Regenfälle gibt es immer seltener. „Wenn, dann kommt es geballt als Unwetter mit 50 Litern Niederschlag.“ Wenn dann auch noch Hagelkörner vom Himmel fallen, bekommen nicht nur die Beeren Schadstellen, sondern auch die Blätter.

Das Wetter stresst nicht nur die Bauern, sondern auch die Pflanzen. Die Aroniabeeren enthalten in diesem Jahr mehr Gerbstoff, wegen der kürzeren Reifezeit. Das macht sich im Geschmack bemerkbar. Die meisten Beeren von Görnitz werden von der Firma Aronia Original Naturprodukte GmbH abgenommen und verarbeitet. Zu Saft oder getrocknet mit Schokolade überzogen.

Auf dem Feld in Zaschendorf kann selbst gepflückt werden. Am heutigen Freitag von 13 bis 19 Uhr, am Sonnabend und Sonntag sowie am 10. und 11. August, jeweils von 8 bis 13 Uhr.

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