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Wieder „Kinderglück“ in Cunnersdorf

Im Sommer 1997 schloss die Gemeinde den Kindergarten in Cunnersdorf. Die wenigen verbliebenen Mädchen und Jungen wurden in die Einrichtung nach Papstdorf geschickt. Jetzt haben die Eltern die Initiative ergriffen.

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Von Heidi Körner

Die vielen Jahre Kampf um einen Kindergarten im Ort haben sich für den Verein „Kinderglück“ in Cunnersdorf gelohnt. Am 11. Oktober wird der neu geschaffene Kindergarten mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Ab 13. Oktober dann können 17 Mädchen und Jungen aus dem 550 Einwohner zählenden Dorf ihr Haus stürmen.

Über das Erlebte bis hierhin könnte Ulrike Nickl mit ihren Mitstreitern ein Buch schreiben.

Unterstützung aus dem Dorf und weiterher

„Schon als der Kindergarten vor sechs Jahren geschlossen wurde, war klar, dass es bald wieder genügend Kinder im Dorf geben würde“, berichtet die Erzieherin, die damals mit ihrer Kollegin auf die Straße gesetzt wurde. Doch sie gaben nicht auf. Denn der Elternverein ging nicht mit dem Kindergarten unter. Im Gegenteil. Jetzt wurden die Muttis und Vatis so richtig aktiv. „Wir haben überall nach Möglichkeiten gesucht, wo wir einen neuen Kindergarten einrichten könnten.“ Denn geschlossen wurde die alte Einrichtung auch, weil die Privaträume durch die Gemeinde nur angepachtet waren. Eine Zukunft im alten Gebäude gab es für den Kindergarten damals nicht.

Verein und Grundstücksbesitzer aus dem Dorf nahmen immer wieder Anlauf. Doch einen Kindergarten einzurichten ist nicht nur eine Sache des guten Willens. Unzählige Genehmigungen, Pläne und Papiere sind nötig. Und letztlich auch die Zustimmung der Behörden und der Gemeinde. Das alles schaffte nun Bernhard Schneider gemeinsam mit dem Verein. Der ortsansässige Geschäftsmann kaufte ein Wohnhaus im Dorf, baute in die beiden oberen Etagen Wohnungen ein und schuf im Parterre Räume für die Kleinsten im Ort.

Das klingt plausibel und recht einfach, war aber auch für den erfahrenen Handwerker eher eine Odyssee. Zumindest was die Behörden und vor allem Banken betraf, berichtet er. Eigentlich sollte der Kindergarten schon vor einem Jahr in seinen einstigen Bauernhof einziehen. Das nächste Ziel war Anfang 2003. Nun ist es Oktober geworden.

Für Ulrike Nickl und die anderen Eltern heißt das heute: Ende gut, alles gut. Sie alle haben kräftig mit zugepackt, beim Saubermachen, Einräumen, an den Außenanlagen.

„Wir hatten aber vor allem auch eine unheimlich große Unterstützung aus dem Dorf und auch weiter her“, freut sich die Erzieherin. Die einen spendeten Geld, andere für die Ausstattung. Die Kindergärten Bad Schandau und Rathmannsdorf konnten Möbel zur Verfügung stellen. Die hatten sie vorm Hochwasser gerettet. „Das ist alles in bestem Zustand“, schildert Ulrike Nickl. Nun sind die Räume fertig. Die Kinder können einziehen.

Ganz eng sind die Kontakte zwischen dem Verein und der Waldwacht im Ort. „Es wird ein Naturkindergarten“, schildert die künftige Chefin das Konzept, das mit den Waldwächtern gemeinsam entstand.

Vergessen sind Querelen der Vergangenheit

Die Spielgeräte in den Außenanlagen sind von der Waldwacht bereitgestellt worden. Jede Woche wird es von der Waldwacht organisierte Beschäftigungen für die Knirpse geben. Und am nahen Wald hinter dem Kindergarten „kommt noch ein Spiel- und Sportplatz hin“, hat Ulrike Nickl schon neue Pläne. Obwohl sich die 650 Quadratmeter großen Freiflächen schon jetzt sehen lassen können. Da sind die Querelen der Vergangenheit rasch vergessen. Zum Beispiel, dass die Gemeinde, gerade als der Rohbau stand, plötzlich den Papstdorfer Kindergarten erweitern wollte. Das wäre das Aus für Cunnersdorf gewesen. „Ohne Hilfe hätten wir auch die Behördensachen nicht geschafft“, gesteht die Vereinsvorsitzende ein. Landratsamt und auch andere Ämter hätten gut mitgezogen. „Und die Gemeinde Gohrisch hat sich einen teuren Anbau gespart“, resümiert Ulrike Nickl.