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Wieder Knast – wegen ’ner Schachtel Zigaretten

Bautzen. Er kann eseinfach nicht lassen: Ein 22-Jähriger muss wegen eines Diebstahls nun auch noch eine Reststrafe von einem Jahr verbüßen.

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Von Helga Koch

Gleichgültiger hat sich wohl schon lange kein Angeklagter mehr in einen Gerichtssaal gesetzt als der 22-jährige Bautzener, dem jetzt wegen einer gestohlenen Schachtel Zigaretten der Prozess gemacht wurde. Denn obwohl die Beute nur einen Wert von 3,90 Euro hatte, stand für ihn viel auf dem Spiel. Das aber schien ihn nicht zu jucken.

Der junge Mann war erst im Januar vorzeitig aus dem Jugendgefängnis Riesa entlassen worden. Dort hätte er eigentlich eine Strafe von zwei Jahren und acht Monaten absitzen sollen. Davon war ihm ein Jahr erlassen worden, allerdings auf Bewährung bis Januar 2007. Doch statt die Bewährungsauflagen zu erfüllen, ließ der gebürtige Bautzener nur einen Monat später die Zigaretten in einem Bautzener Einkaufsmarkt mitgehen.

Detektiv ertappt den Dieb

Er habe eigentlich nur was zu trinken holen wollen und die Zigaretten einfach eingesteckt, schilderte er im Gerichtssaal. Ein Detektiv habe ihn beobachtet und ins Büro gebeten. Dort habe er den Diebstahl erst abgestritten, dann aber zugegeben und die Ware bezahlt. Dass er damals unter Bewährung stand, sei ihm „hinreichend bekannt“, sagte der Angeklagte betont lässig.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hatte der 22-Jährige weder zu seinem Bewährungshelfer Kontakt aufgenommen noch die gemeinnützigen Arbeitsstunden geleistet oder etwa die Drogenberatung aufgesucht. Statt sich an der vorgeschriebenen Adresse in Bautzen anzumelden, war er umgehend zu einer Tante gezogen und hatte sich nicht mehr gerührt. Der Lehrgang zur Berufsvorbereitung wurde ihm noch dazu wegen häufigen Fehlens gekündigt.

Der Angeklagte stand mittlerwei-le zum neunten Mal vorm Richter. Ab seinem 16. Lebensjahr war er wegen Hausfriedensbruchs, Unterschlagung, Diebstahls, gefährlicherKörperverletzung, Drogenerwerbs und -besitzes mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Zwar ging das in etlichen Fällen glimpflich für ihn aus, er saß aber auch schon im Jugendarrest.

Nun wurde er erstmals nach dem Erwachsenenstrafrecht zur Verantwortung gezogen. Ihm seien trotz seines „bewegten strafrechtlichen Vorlebens“ mögliche Konsequenzen offensichtlich egal, und eine Geldstrafe komme nicht mehr in Betracht, sagte die Staatsanwältin. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Das empörte den Angeklagten aber doch ein bisschen: „Sie denken, dass ich den ganzen Tag nichts mache! Ich reiß’ mir hier den Arsch auf. Ich gehe auch rein die fünf Monate, ist ja egal…“

Bewährung bringt Gefängnis

Der Richter verurteilte den Bautzener zu drei Monaten Gefängnis. Weil der Angeklagte trotz laufender Bewährung gestohlen habe, müsse er wieder ins Gefängnis, wo er auch noch die Reststrafe absitzen muss. Der 22-Jährige, der Alg II bezieht, muss außerdem die Kosten des Verfahrens tragen.