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So viel zahlt Dresden für Asylbewerber

Warum jetzt wieder mehr Flüchtlinge in die Landeshauptstadt kommen. 

In Dresden werden wieder mehr Flüchtlinge registriert.
In Dresden werden wieder mehr Flüchtlinge registriert. © Symbolfoto: dpa

Sie flüchten aus ihren Heimatländern vor Krieg und Verfolgung. Das Dresdner Sozialamt rechnet in diesem Jahr mit insgesamt rund 700 Flüchtlingen, die neu nach Dresden kommen. Das bestätigt die Stadt auf SZ-Anfrage. Bisher hat die Landesdirektion Sachsen in diesem Jahr insgesamt 562 Menschen zur Unterbringung zugewiesen. Die steigende Zahl der Menschen, die in Dresden untergebracht und betreut werden müssen, führt auch zu höheren Kosten. Neun Millionen Euro mehr sind nötig, so steht es in einer Vorlage von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), der Finanzausschuss beschließen soll. Gedeckt wird die Summe aus den Mitteln des Freistaates, es bedeutet also keinen Mehraufwand für den Haushalt der Stadt.

Warum werden neun Millionen Euro mehr gebraucht?

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Das Rathaus hatte mit anderen Zahlen geplant, als sie nun eingetreten sind. Laut Sozialamt habe der Freistaat angekündigt, dass vorrangig Menschen mit einer guten Bleibeperspektive zu betreuen und zu begleiten seien. Nun werden aber rund 700 Menschen kommen oder sind bereits da, bei denen es schwierig zu klären sei, wie ihr Asylstatus ist. „Dies führt zu längeren Verfahren und somit zu einem Anstieg der Zahl der Menschen, die sich in einem Asylverfahren befinden“, sagt das Sozialamt. Derzeit geht das Sozialamt von durchschnittlich 2 840 Personen im Jahr 2019 aus, die untergebracht und versorgt werden müssen. 2018 hat Dresden rund 23 Millionen Euro für die Unterbringung bezahlt.

Wo gibt es noch finanzielle Lücken in der Flüchtlingsarbeit?

Die Flüchtlingssozialarbeit der Stadt Dresden sei unterfinanziert, sagt Angela Müller, Leiterin der Asylberatungsstelle des Flüchtlingsrates. „Der Verteilungsschlüssel zwischen geflüchteten Personen und zuständigen Sozialarbeitern ist zu hoch“, sagt sie. Dadurch könne keine engmaschige und auf die Lebenssituation abgestimmte Begleitung und Betreuung erfolgen. Asylbewerber, die nur eine Duldung haben, hätten keinen geregelten Zugang zu allen Unterstützungsangeboten. „Das ergibt nur keinen Sinn. Auch geduldete Personen verbleiben häufig über einen langen Zeitraum in Dresden, da sie beispielsweise aufgrund von Familienangehörigkeit oder aus gesundheitlichen Gründen nicht abgeschoben werden“, betont Müller. Es sei auch für die Sozialarbeiter der freien Träger eine Belastung, unter den bestehenden Bedingungen und dem Druck der Verantwortung für so viele Menschen arbeiten zu müssen.

Warum flüchten die Asylbewerber aus ihrer Heimat?

Sowohl Stadt und Landesdirektion als auch der Flüchtlingsrat bestätigen, dass vor allem mehr Menschen aus Venezuela flüchten und damit auch in Dresden ankommen. Aktuell sind es 46 Menschen, im Januar 2018 waren es 19 Personen aus dem südamerikanischen Land. Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat spricht von einer humanitären und politischen Krise in dem Land. Außerdem könne der Staat seine Bürger nicht mehr richtig versorgen, es herrscht in vielen Teilen des Landes eine Hungersnot. Während laut Landesdirektion Syrien und Afghanistan, bisher die Länder aus denen die meisten Flüchtlinge kamen, in der Rangfolge nach hinten rutschen, liegen nun neben Venezuela, der Iran, Georgien und die Türkei ganz vorne. Aus dem Iran fliehen sie vor dem totalitären Regime.

Wo werden die Menschen untergebracht?

Von den im Jahr 2019 nach Dresden gekommenen Menschen leben 213 dezentral in Wohnungen, 283 zentral in Übergangswohnheimen und 40 in selbst angemieteten Wohnungen. Dresden hat insgesamt 555 Wohnungen zur Unterbringung für Flüchtlinge angemietet.

Reichen die Kapazitäten für die Unterbringung aus?

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Dazu kommt ein klares Ja vom Sozialamt. Insgesamt gibt es in den Heimen rund 1130 Plätze und 500 Wohnungen für Geflüchtete in Dresden mit rund 2090 Plätzen. Das Heim auf der Strehlener Straße wurde vom Netz genommen, da ein leer stehendes Heim zu betreiben zu teuer ist. Dafür hat die Stadt 28 neue Wohnungen mit 100 Plätzen angemietet.

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