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Wieder Ordnung nach dem Chaos

Familie Klemm war zweimal Opfer der Flut. Jetzt sind die Böden gefliest und die Möbel transportabel.

Von Sylvia Mende

An den vergangenen Regentagen war es Erika (78) und Siegfried Klemm (79) schon ein bisschen unheimlich zumute. Das Haus des Westewitzer Ehepaares steht ganz in der Nähe der Mulde. Sowohl im Jahr 2002 als auch im vergangenen Jahr standen das Grundstück und die untere Etage des Hauses unter Wasser. „Da macht man sich schon Gedanken, wenn der starke Dauerregen nicht aufhört“, sagte Erika Klemm. Doch das Rentnerehepaar lässt sich in solchen Fällen nicht einschüchtern, sondern schaut nach. „Bloß dasitzen und abwarten ist nicht unser Ding. Wir sind mit dem Auto die Wege entlang der Mulde abgefahren“, erzählte die 78-Jährige. Nach der Fahrt waren sie beruhigt. Auch die Hochwasserampel gleich gegenüber ihrem Haus leuchtete nicht. Familie Klemm verfolgte am Fernseher die Nachrichten und sah, was eine Schlammlawine in Meißen angerichtet hatte. „Das macht einen schon nachdenklich. Schließlich ist Meißen nicht weit weg“, so Erika Klemm. Sie ist der Meinung, dass die Menschen selbst schuld sind, dass es immer wieder solche Katastrophen gibt. „Es werden immer mehr Flächen bebaut. Doch das Wasser sucht sich seinen Weg“, so die Westewitzerin. Ihr Vater baute das Haus 1934. Ein Jahr später wurde Tochter Erika geboren. Seitdem lebt sie an der Mulde. Erika Klemm hat schon ihr Leben lang erlebt, dass die Mulde über das Ufer getreten ist. Das Grundstück wurde auch früher oft überflutet. Doch ins Haus ist das Wasser das erste Mal zur Flut 2002 und nun wieder im Juni 2013 gelaufen. Der Schaden war groß – die Küche und andere Möbel nicht mehr zu retten. Herausgerissen wurden der Trockenbau und der Teppichboden. Ein Gutachter hatte auch festgestellt, dass die Treppe ins Obergeschoss erneuert werden muss. „Doch das ist uns erspart geblieben. Wir hatten einen guten Tischler, der uns die Treppe saniert hat. Darüber bin ich sehr froh“, sagte Erika Klemm.

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Vor Weihnachten im vergangenen Jahr waren die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden im Haus abgeschlossen. Nur noch eine Schiebetür im Haus muss eingebaut werden. Für nächstes Wochenende haben sich die Kinder und Enkel angemeldet, die ums Haus herum Ordnung schaffen wollen. „Das kann ich leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Das ärgert mich sehr. Aber ich kümmere mich um die Pflanzkübel. Die können hochgesetzt werden“, sagte Erika Klemm. Ein bisschen „wuseln und rammeln“ wolle sie auch weiterhin. Sonst fühle sie sich nicht wohl. Hinterm Haus soll, wo einst schöne Blumen wuchsen, Rasen eingesät werden. Der sei pflegeleichter. Bei schönem Wetter sitzen Erika und Siegfried Klemm meist in ihrer kleinen Sitzecke hinter dem Haus. Sie sehen dann nur ins Grüne.

Bei der Renovierung ihres Hauses haben die Rentner darauf geachtet, dass ein künftiges Hochwasser nicht mehr so viel Schaden anrichten kann. „Wir haben auf Anraten des Baubetriebes alles gefliest. Auch die Schwellen sind verschwunden“, sagte Erika Klemm. Darüber ist sie sehr froh, denn ab und zu muss sie den Rollator benutzen. Und da ist es gut, wenn es keine Hindernisse gibt. Überhaupt kommt sie bei den Handwerkern ins Schwärmen. „Da haben wir diesmal richtig gute erwischt. Sie haben uns viele Ratschläge gegeben“, sagte die Westewitzerin.

Beim Kauf der Möbel haben ihr Mann und sie darauf geachtet, dass diese auseinanderzubauen sind. So könnten diese dann einfacher nach oben getragen werden. „Ein Hochwasser kann schließlich immer mal wieder kommen“, sagte Erika Klemm. Auch wenn sie wegen ihrer Krankheit nicht mehr alles machen könne, eins lasse sie sich nicht nehmen. „Ich will wenigsten das Wichtigste einkaufen und gemeinsam mit meinem Mann zum Arzt gehen können. Das ist mir wichtig“, sagte die 78-Jährige. Sie wolle nicht nur daheim sitzen. Sie wolle unter die Leute.