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"Wieder schick machen"

Der polnische Lanz ist so alt wie Wolfgang Hoffmann, Baujahr 1953. Bis zu seinem 70. Geburtstag will ihn der Lampertswalder wieder flott haben.

Seit Wolfgang Hoffmann nicht mehr Bürgermeister von Lampertswalde ist, hat er Zeit, einen ehemaligen polnischen Lanz-Traktor wieder aufzubauen.
Seit Wolfgang Hoffmann nicht mehr Bürgermeister von Lampertswalde ist, hat er Zeit, einen ehemaligen polnischen Lanz-Traktor wieder aufzubauen. © Kristin Richter

Lampertswalde. Er ist so alt wie er selbst - dieser Lanz-Traktor aus Polen. Baujahr 1953. Wolfgang Hoffmanns ganzer Stolz in diesen Tagen. Seit der 67-Jährige nicht mehr Bürgermeister ist, hat er Zeit, diesen Oldtimer wieder schick zu machen, wie er es nennt. Fahrtüchtig war die Zugmaschine noch, als Hoffmann ihn vor 20 Jahren für 9000 D-Mark in Polen kaufte und zu sich holte. "Ich bin schon immer hinter so was her", sagt der gelernte Traktorenschlosser. Doch erst seit Ostern habe er so richtig Zeit, sich hier die Hände schmutzig zu machen. 

Ein "Opa" aus Ortrand habe den Kauf damals eingefädelt, erzählt Hoffmann. 130 Kilometer von hier, an der Autobahnabfahrt Sora, habe Hoffmann das gute Stück gefunden. "Dieser Lanz ist eine Fehlentwicklung, ein Zweitakter", so der Fachmann. Deshalb wurde er nur bis 1961 gebaut. Heute sind alle Traktoren Viertakter. Auf Polnisch heiße diese Zugmaschine auch "Ursus" - Bär. Als Hoffmann ihn im Jahr 2000 abholte, staunte er nicht schlecht, dass es in Sora auch ein Kronospan-Werk gibt. 

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Dieses Wandbild hat Wolfgang Hoffmann bei Anett Grunwald in Böhla b. O. in Auftrag gegeben. Es zeigt seinen Vater Ernst auf einem Kramer-Traktor mit Mähbinder. Das Bild kommt an die Hausfassade.
Dieses Wandbild hat Wolfgang Hoffmann bei Anett Grunwald in Böhla b. O. in Auftrag gegeben. Es zeigt seinen Vater Ernst auf einem Kramer-Traktor mit Mähbinder. Das Bild kommt an die Hausfassade. © Kristin Richter

Wolfgang Hoffmann hat nun als Erstes das offene Fahrerhaus mit dem Sitz abgebaut, um es zu erneuern. Das Blech für die neue Kabine hat er schon - neu, aber als originales Ersatzteil von einer Händlerin aus dem Riesaer Raum. Der Traktor hat zudem ein Lenkrad, mit dem - wie mit einer Kurbel - der Motor angelassen wird. In Polen würden solche Teile noch direkt für die Restaurierung hergestellt. 

"Ein Kolben ist so groß wie ein Wassereimer", erklärt der Lampertswalder stolz. Das hat er gesehen, als er ihn jetzt freilegte. Zwei Zahnräder will er tauschen, das Getriebe sieht "nicht ganz schlecht aus", so der Schlosser. Aber neue Bremsbeläge müssen her. Die Bremstrommel ist schon neu. "Ich habe jetzt fast alle nötigen Ersatzteile", so Hoffmann. Auch bei Wurzen gäbe es einen entsprechenden Händler. Er zählt auf, dass es in der Region nur vier solcher Traktoren bei Oldtimer-Liebhabern gibt. Zum Beispiel bei den Lanz-Freunden aus Blattersleben.  

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Jeden Tag ist Wolfgang Hoffmann nun mit seinem Bären beschäftigt. "Zu meinem 70. Geburtstag in drei Jahren läuft er wieder", verspricht Wolfgang Hoffmann. Spätestens dann wird auch das Wandbild an der Fassade hängen, das Hoffmann von der Porzellanmalerin Anett Grunwald in Böhla bei Ortrand in Auftrag gegeben hat. Die Blechtafel zeigt seinen verstorbenen Vater Ernst auf einem Kramer Baujahr 1941 mit einem Mähbinder. Die Kulisse dahinter ist der Blick auf Lampertswalde Richtung Osten. Die Grundschule existierte da noch nicht - sie wurde erst 1971 gebaut. Als Text auf die Blechtafel lässt Wolfgang Hoffmann jetzt noch Corona-Infos schreiben: Für die, die später mal wissen sollen, wann der alte Lanz aus Polen restauriert wurde. 

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Wolfgang Hoffmann (r.) und Attila Keszegpal brauchen vereinte Kräfte, um den Pleul mit Kolben aufzusetzen. © Kristin Richter

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