merken
PLUS

Wieder Schlosspark-Ärger

Erneut beschädigen Besucher frisch hergerichtete Anlagen in Wachau. Mitte August soll der Park eingeweiht werden.

© Thorsten Eckert

Von Reiner Hanke

Wachau. Der Wachauer Bürgermeister kann nur mit dem Kopf schütteln. Er deutet auf frische Fahrradspuren im angesäten Rasen. Die Schäden sind noch schlimmer als angenommen. Das schätzt auch Bauamtsmitarbeiter Dominik Thamsen ein. Er war erst am Dienstag mit Henrike Schwarz vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen im neu gestalteten Park unterwegs – zur Bestandsaufnahme. Auch der Schäden durch Vandalismus. Die Fachleute begutachteten aber insbesondere die Wege und die Bepflanzung. Allein rund 50 Bäume, vor allem Buchen, Linden und Eichen, und etwa 1 600 Sträucher wurden neu gepflanzt.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Die Arbeiten gehen nun nach rund zehn Monaten dem Ende entgegen, sagt Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU). Grundlage für die Neugestaltung war die historische Planzeichnung von Max Bertram, dem königlichen Gartenbaudirektor, von 1891.

Hundeklos sollen folgen

Die Landschaftsgestalter haben jetzt alle Sitzgruppen aufgestellt, die Spaziergänger zum Verweilen einladen. Die wurden so platziert, dass sie die Blickachsen durch den Park zum Schloss und zur Kirche zum Beispiel aufnehmen. Drei Tafeln an den Hauptzugängen informieren über die Geschichten der Anlage, über Sichtachsen und die Bepflanzung. Hundekotsammler will die Gemeinde noch aufstellen. An den Wegesrändern haben die Landschaftsgärtner jetzt noch Mutterboden angeschüttet. Auch dort ist der Rasen nun eingesät. Die ersten Frevler hinterließen bereits wieder Spuren, ärgert sich der Gemeindechef zum Beispiel über etliche Fahrradspuren. An anderer Stelle haben Hunde gescharrt. Dabei sei der Park gar nicht freigegeben. Aber es werde einfach der Bauzaun entfernt und mit dem Fahrrad über die eingesäten Wiesenflächen gefahren. Die Schäden gehen durch den gesamten Park. Ich kann mir nicht erklären, was die Leute dazu bewegt, ich kann es nicht verstehen“, sagt Veit Künzelmann ratlos. Es sei einfach nur hochgradig hirnlos. Er appelliert an die Vernunft und an die Bürger, sich an dem Park zu erfreuen, ihn zu achten und zu schützen. Er habe das schon vor einigen Wochen getan, nun erneut.

„Wir haben doch nicht umsonst 550 000 Euro investiert.“ Beim Tornado 2010 sei der Park am Barockschloss schwer getroffen worden. Der Sturm vernichtete den bis zu 120 Jahre alten Baumbestand in weiten Teilen. Dann habe die Gemeinde „so eine gute Förderung bekommen, um alles nach historischem Vorbild wieder herzurichten und nun die Zerstörung.“

In Arbeit zurückgeworfen

Noch dazu kurz vor der Einweihung, die zur 800-Jahr-Feier Wachaus Mitte August geplant ist. Er habe zu dem Anlass besonders dem Dresdner Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz (CDU) danken wollen, so Künzelmann. Vaatz habe die großzügige Bundestagsförderung für die barocke Parklandschaft mit einem Anteil von 276 000 Euro ermöglicht. Nun werfen gedankenlose Vandalen die Umgestaltung wieder zurück. So entstünden ja auch immer wieder Mehrkosten, um die Schäden zu beseitigen. Mitarbeiter Dominik Thamsen zeigt auf heruntergebrochene Wegeränder: „Wir müssen zumindest versuchen, sie wieder etwas festzuwalzen.“

Veit Künzelmann: „Wir sind restlos verärgert, da hier mit Steuergeldern der Menschen vor Ort wieder eine neue Parkanlage hergestellt wird und von einigen wenigen eine Zerstörung noch vor der Einweihung erfolgt.“ Dabei könnte jetzt alles picobello sein – ein wunderschöner Park, schwärmt der Bürgermeister über das Kulturdenkmal. Schwer genug haben es die Landschaftsgärtner ohnehin schon. Die anhaltende Trockenheit ist das Problem. Die Landschaftsgärtner müssen viel wässern. Am Park steht das Fahrzeug der Garten- und Landschaftsbaufirma Bohr mit einem großen Wassertank. Den muss Marco Haschke in diesen heißen Tagen mehrfach befüllen. Mit 15 000 Litern wässerte er am Mittwoch die jungen Anpflanzungen. Bei dem Wetter muss das in regelmäßigen Abständen passieren.

Dennoch seien Pflanzen braun geworden und mussten bereits wieder ersetzt werden. Mit der Trockenheit hätte es gerade für dieses Projekt nicht schlimmer kommen können, klagt Veit Künzelmann, dazu noch der Vandalismus. Er denke sogar, dass mutwillig zerstört werde. Erst jetzt hätten Mitarbeiter Radler erwischt und mussten sich auch noch beschimpfen lassen. Der Bürgermeister denkt nun daran, schwerere Geschütze aufzufahren. Er droht mit Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, denn die Flächen seien schließlich eingezäunt.

Regen und Zeit brauche die Bepflanzung, damit alles gut anwächst, sagt Dominik Thamsen. Und an die Parkbesucher appelliert die Gemeinde, die Wege auch nach der Freigabe nicht zu verlassen, um dem Saatgut eine Chance zu geben. Damit der Park eine Oase zur Erholung werden kann.