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Feuilleton

Musikalische Schätze vom Dresdner Hof

Zwei Orchester entdecken seit 25 Jahren vergessene Partituren von Schütz bis Vivaldi. Nun laden sie zum Gratis-Lauschen ein.

Stich der Dresdner Schlosskapelle von 1676, als hier Heinrich Schütz (Bildmitte) musiziert hat.
Stich der Dresdner Schlosskapelle von 1676, als hier Heinrich Schütz (Bildmitte) musiziert hat. © Landesamt für Denkmalpflege DD

Wer drei- oder vierhundertjährige Musik spielt, wird demütig. Nicht nur, weil diese Werke von einer verblüffenden Schönheit und oft gesellschaftlicher Relevanz sind, wie es heutige Töne kaum noch vermögen. 

Vor allem wissen diese Musiker, dass die Werke – wenn auch zwischendurch vergessen – alle Zeiten überdauern. Deshalb meutern die Künstler des Vereins Dresdner Hofmusik auch nicht, dass die Schütz-Kapelle im Residenzschloss derzeit nicht zur Verfügung steht. Dabei war die Kapelle schon von ihnen als authentischster Ort für Alte-Musik-Interpretation in der Region angeregt und etabliert worden.

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Noch wird geprobt - in wenigen Tagen feiern die Musiker - wie hier der Philharmonie-Fagottist Robert-Christian Schuster - des Vereins Dresdner Hofmusik ihr Festprogramm.  
Noch wird geprobt - in wenigen Tagen feiern die Musiker - wie hier der Philharmonie-Fagottist Robert-Christian Schuster - des Vereins Dresdner Hofmusik ihr Festprogramm.   © Björn Kadenbach

„Die Schütz-Kapelle ist kein normaler Konzertsaal“, sagt Norbert Schuster, Leiter von einem der zwei Orchester des Vereins. „Es ist ein Raum von immenser geschichtlicher, kultureller und theologischer Bedeutung und für die Fans dieser Musik eine optimale Größe.“ Doch derzeit wird die Kapelle als Restaurierungsatelier genutzt. Also zieht der Verein umher, um Werke der glanzvollsten Perioden der höfischen Musikhistorie des 16. bis 18. Jahrhunderts lebendig zu halten. Seit 25 Jahren tut er das, und seine beiden Klangkörper – die Cappella Sagittariana Dresden und das Dresdner Barockorchester – feiern nun in der Dreikönigskirche groß Jubiläum.

Sie bieten das, wofür man sie in der Fachwelt schätzt. Vor allem mit unzähligen Ausgrabungen – dank der Unterstützung von Musikwissenschaftler Wolfram Steude – aus dem legendären „Schranck No: II“ der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek machten sie Furore. In jenem Schrank waren Hunderte Instrumentalmusik-Manuskripte aufbewahrt worden. Dazu gehören autografe oder abschriftlich überlieferte Kompositionen von Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann oder Johann Friedrich Fasch und vieler anderer bedeutender oder heute unbekannter Meister.

Dieser Fund war deshalb so bedeutend, weil infolge preußischen Artilleriebeschusses 1760 das höfische Notenarchiv verbrannt war. Es blieben nur diejenigen Musikalien übrig, die an anderer Stelle gelagert oder noch in Gebrauch waren. „Mit dieser Musik, die ganz stark das damalige Weltgeschehen widerspiegelte, öffnete sich für uns und alle Interessierte der Musik jener Zeit ein Kosmos “, sagt Schuster.

Blick auf das bereits wiederhergestellte Schlingrippengewölbe in der Schütz-Kapelle des Dresdner Residenzschlosses. 
Blick auf das bereits wiederhergestellte Schlingrippengewölbe in der Schütz-Kapelle des Dresdner Residenzschlosses.  ©  Robert Michael

Gut 500 Konzerte in der Region gehen auf das Konto der Hofmusik. Hochgelobte CD-Aufnahmen dokumentieren diese Gräberleistung. Zudem organisierte der Verein selbst Tage der Alten Musik oder ist Kooperationspartner für spezialisierte Festivals wie die mitteldeutschen Schütz-Tage. „Wir sind keine Reisetruppe, auch wenn wir viel angefragt werden. Wir tun es auch nicht als Broterwerb, sondern aus inhaltlichem Antrieb. So müssen wir keine Zugeständnisse wie ein Best-of machen.“

Wohl ist die Alte Musik das Kerngeschäft, doch längst sucht der Verein neue Darstellungsformen und ungewöhnliche Kooperationspartner wie das Militärhistorische Museum der Bundeswehr. Verstärkt integrieren die Künstler auch Zeitgenössisches. All das wird nun auch das gut sechsstündige Festprogramm bieten: etwa einen originalen Dresdner Vivaldi, Preziosen von Heinrich Schütz und eine Uraufführung von Silke Fraikin. Und weil „wir angekommen sind“, gibt es das Festkonzert gratis. „Eine Spende freilich wäre schön!“

Festkonzert: 18. Mai, Dreikönigskirche Dresden, ab 16 Uhr musikalisches Entrée im Foyer; ab 17 Uhr spielt das Dresdner Barockorchester Werke von Vivaldi, Graun und Fraikin; ab 19.30 Uhr spielt die Cappella Sagittariana Werke von Schütz, Praetorius und Monteverdi. Der Eintritt ist frei.

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