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Feuilleton

Ossis sind anders – und das ist auch gut so

Es wächst auseinander, was zusammen gehört. Warum sich Ost- und Westdeutsche entfremdet haben – ein Erklärungsversuch.

Als noch alle voller Hoffnung waren: Demonstration für die deutsch-deutsche Wiedervereinigung im Januar 1990 in Plauen. © dpa

Damals, in der Silvesternacht von 1989 auf 1990, lösten meine Eltern und ich in Sachsen einen Schreckmoment aus. Wir, Westdeutsche, waren zu Besuch bei Verwandten in der Nähe von Dresden, und kurz nach Mitternacht schlugen die Gastgeber vor, Freunde im Dorf zu besuchen. Deren Haus lag auf einer Anhöhe, und auf der Terrasse zündete die Partygesellschaft gerade Feuerwerkskörper. Jeder Böller bekam einen Promi-Namen aus der Riege des abgewirtschafteten SED-Regimes. „Das ist der Gysi!“ Bumm! „Das ist der Modrow!“ Womm! Mein Vater trug einen Trenchcoat und näherte sich dem Haus mit dem vorsichtigen Schritt eines Fremden. Als einer der Feiernden uns sah, rief er: „Die Stasi kommt! Los, rein!“ Unsere Verwandten lösten den Irrtum schnell auf, der Schreck verwandelte sich in Freude, und den Rest der Nacht verbrachten wir im Partykeller der Familie.

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