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Wiegers: Emotionale Rückkehr ins Dynamo-Tor

Zwei Jahre wartet der Schlussmann auf einen Einsatz. Vor dem Spiel sagt ihm sogar Schubert: Du hast es dir verdient. Das bestätigt auch die Einzelkritik nach dem 2:1-Sieg gegen St. Pauli.

© dpa-Zentralbild/Robert Michael

Das gemütliche Essen mit seiner Frau und Freunden ist vorher geplant, nun gibt es „das eine oder andere Bierchen dazu“. Dynamo Dresden hat allen Grund zu feiern, nachdem der Klassenerhalt mit dem 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli am Freitagabend zu 99,9 Prozent perfekt ist. Für Patrick Wiegers aber ist es ein ganz besonderer Abend, der erste nämlich, an dem er mal wieder im Tor gestanden hat nach fast zwei Jahren. Wie ein Debüt habe sich das angefühlt, sagt der 29-Jährige danach. Im Vorfeld sei er für seine Verhältnisse schon nervös gewesen, gibt er zu. „Aber ich habe mich auf das besonnen, was ich kann, was ich täglich trainiere.“

Der Torwart steht nicht unbedingt im Mittelpunkt in einer von beiden Teams nervös geführten Partie, aber er muss einige Schüsse parieren, vor Probleme stellen ihn die Abschlüsse der Gäste nicht. Nur einmal ist er machtlos, nachdem Dynamo im Spielaufbau mal wieder den Ball verliert und Dimitrios Diamantakos an ihm vorbei sprintet. Es ist der Ausgleich zum 1:1 in der 57. Minute und eine Phase, in der die Partie hätte für die Schwarz-Gelben einen unerwünschten Verlauf nehmen können.

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Volltreffer durch Burnic

Patrick Ebert hatte per Strafstoß für die frühe Führung gesorgt, wirklich Sicherheit gibt sie nicht. Offensiv passen die Laufwege nicht, defensiv lassen die Dresdner dem Gegner zu viel Platz. Das hätte schiefgehen können, aber St. Pauli fehlt die Konsequenz, die Dzenis Burnic in der 75. Minute in seinen Schuss legt. Sein Volltreffer bringt den 2:1-Sieg und damit den Klassenerhalt, wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, wie Cristian Fiel vorher gesagt hatte.

Der Trainer hatte sich nach der Aufregung um Markus Schubert für den Torwart-Wechsel entschieden – und damit für Wiegers, was nahelag. „Es wäre schon überraschend gewesen, wenn man von der Ersatzbank nicht nachrückt“, meint der Beförderte. Seinen bis dato letzten Einsatz für Dynamo hatte er am 21. Mai 2017 beim 1:1 gegen Bielefeld zum Saisonfinale. Damals war die Ausgangslage entspannt, die Schwarz-Gelben standen auf Platz fünf. Diesmal war „ordentlich Druck auf dem Kessel“, wie Wiegers sagt.

Er meint damit nicht die Diskussionen um Schubert, sondern die unnötige Spannung im Abstiegskampf. „Wir haben es uns immer wieder selber schwergemacht, sind durch unnötige Niederlagen wieder reingerutscht. Da rumort es, ist man selbst unzufrieden.“ Doch am Freitagabend sind Spieler und Fans im mit 30 803 Zuschauern ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion in Partystimmung, der Ärger um den Schubert-Abgang beinahe vergessen. Die Ultras zeigen noch mal deutlich, auf wessen Seite sie stehen, nämlich auf der des Sportgeschäftsführers. „Wer seinen Paten verarscht, wird von seiner Armee bestraft“, steht auf dem Transparent. Ralf Minge hatte in der Pressekonferenz am Donnerstag gesagt, auch er sei verarscht worden und damit wohl mehr die Berater als den jungen Torhüter gemeint, der so etwas wie sein Ziehsohn bei Dynamo gewesen ist.

Fiel nimmt Schubert raus und damit den Anhängern die Angriffsfläche. Er rät dem 20-Jährigen sogar, nicht ins Stadion zu kommen, wenn er doch da gewesen sein sollte, dann inkognito. Bei Wiegers kann er sich sicher sein, dass er ein sicherer Rückhalt ist und vor allem die Rückendeckung vom K-Block bekommt. Die Fans hatten den eigentlichen Ersatzmann schon in Ingolstadt mit Sprechchören hoch leben lassen, als nun die Aufstellung verlesen wird, rufen sie seinen Namen besonders laut. „Es freut einen natürlich riesig und pusht mich noch mehr, dass ich nach so langer Zeit so ein Standing bei den Fans habe“, sagt Wiegers, der seit dem Spätsommer 2014 bei Dynamo ist, aber insgesamt nur 24-mal gespielt hatte. Zwischenzeitlich war er lediglich die Nummer drei, hat aber weitergemacht, als wäre er Stammtorwart.

„Ich habe immer wieder geliebäugelt mit so einem Einsatz, vielleicht sogar damit, länger im Tor zu stehen.“ Ob er die nun noch ausstehenden Partien in Kiel und gegen Paderborn bestreiten darf, legt er in Gottes Hände, denn der werde es so richten, wie er es für richtig hält. In diesem Fall entscheidet das einer, den sie „Fußballgott“ rufen. Und Fiel hat keinen Grund, seine Entscheidung zu revidieren, auch wenn er den Schlussmann nicht in den Vordergrund stellen will. „Er alleine hätte es nicht richten können“, betont er, aber: „Patrick ist ja keine 19 mehr, sondern sehr erfahren. Ich hatte überhaupt keine Bauchschmerzen, die hätte ich aber auch bei Tim Boss nicht gehabt.“

Diesmal kein Okocha-Trick

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Wiegers bekommt noch ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg, nur für den Fall, dass er denkt, es würde jemand Überdinge erwarten. So sagt ihm Patrick Ebert, er solle nicht den Okocha-Trick auf der Linie machen, sondern den Ball einfach wegschlagen. Die Älteren erinnern sich: Im Februar 1994 narrte Jay-Jay Okocha von Eintracht Frankfurt den Dresdner Sven Kmetsch mit einem Hackentrick. Eine Szene für die Galerie. Diesmal aber gibt es keine Zauberstücke. Wiegers hält „wie im Training“, sagt Ebert. „Ich freue mich sehr für ihn.“ Wie alle, sogar Schubert. „Ich muss eine Lanze für ihn brechen“, meint Wiegers. „Er hat absolut positiv reagiert und auch gesagt, ich habe es mir verdient.“

Genauso wie ein entspanntes Essen und das Bierchen danach.​

Dynamo in der Einzelkritik

Patrick Wiegers: Beginnt mit einer Zittereinlage nach zweijähriger Pflichtspielpause. Danach aber sicherer, beim Tor machtlos.  Note 3

Dario Dumic: Ersetzt den verletzten Gonther und macht das mit Übersicht. Kann nach der Pause aber einige Pauli-Angriffe auch nicht stoppen. Note 3

Florian Ballas: Kann beim Gegentreffer Diamantakos nicht aufhalten. Das ist aber auch der einzige Vorwurf, dem man ihm machen kann. Bester Dresdner. Note 2

Jannis Nikolaou: Steht zweimal im Brennpunkt: Trifft kurz vor der Pause die Latte und rettet später in höchster Not gegen Diamantakos. Gute Partie. Note 3

Dzenis Burnic: Wirkt am Anfang nervös, fängt sich aber. Sieht seine fünfte Gelbe Karte und schießt dann sein erstes Tor für Dynamo. Note 3

Linus Wahlqvist (bis 83.): Über seine Seite kombinieren sich die Hamburger immer wieder erfolgreich durch. Kommt zu spät in die Zweikämpfe. Note 4

Patrick Ebert (bis 70.): Belohnt sich mit dem verwandelten Handelfmeter für eine gute Leistung bei seinem ersten Startelf-Einsatz nach vier Wochen. Note 2

Baris Atik: Schlägt viele Haken, beschäftigt dadurch einige Gegenspieler. Mitunter übertreibt er es aber mit den Finessen. Note 4

Niklas Kreuzer: Sein Spiel lebt von der Dynamik, doch manchmal ist er zu hektisch. Dadurch unterlaufen ihm einige Fehlpässe. Note 4

Moussa Koné (bis 87.): Das Spiel läuft über weite Strecken an ihm vorbei. Hat wenige Ballkontakte, die Laufwege passen nicht. Legt aber überlegt auf Burnic ab. Note 5

Erich Berko: Rackert unermüdlich, hat aber im Abschluss Pech – auch, weil er ihn zu selten sucht. Gibt jedoch nie auf. Kämpferisch vorbildlich. Note 4

Haris Duljevic (ab 70.): Beginnt mit einem Katastrophen-Fehlpass, setzt dann aber seine Schnelligkeit ein. Note 3

Patrick Möschl  (ab 83.) und Jannik Müller (ab 87.): Nicht zu bewerten

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