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Wieso Corona tückischer als Grippe ist

Dr. Christian Riedel, Pneumologie-Oberarzt am Pirnaer Klinikum, erklärt den Verlauf der Krankheit Covid-19 und wie man seine Lunge schützen kann.

Dr. Christian Riedel (l.), Leitender Oberarzt der Pneumologie am Klinikum Pirna: Viele Details der Coronavirus-Übertragung sind noch unbekannt.
Dr. Christian Riedel (l.), Leitender Oberarzt der Pneumologie am Klinikum Pirna: Viele Details der Coronavirus-Übertragung sind noch unbekannt. © Klinikum Pirna

Herr Dr. Riedel, viele Menschen haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Bedeutet das automatisch, dass jeder von ihnen in Lebensgefahr schwebt?

An einer Sars-CoV-2-Infektion zu sterben, ist in Deutschland eher unwahrscheinlich, weil unser Gesundheitssystem früh und besonnen auf die Bedrohung reagiert hat. Wir gehören zu den Ländern, in denen man sich vor der Erkrankung nicht fürchten muss – weltweit sieht das nicht überall so aus. Menschen über 65 Jahre, Übergewichtige und wahrscheinlich auch Raucher haben aber tatsächlich ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf der Erkrankung. 

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Was ist so besonders an der Erkrankung Covid-19 und wie unterscheidet sie sich sich einer Grippe?

Das Besondere an der Infektion ist die Neuartigkeit des Erregers und der damit verbundenen Erkrankung. Wir haben noch nicht viel Erfahrung mit dem Krankheitsbild, viele Details der Übertragung sind ebenso unbekannt wie die optimale Behandlung selbst. Es gibt bisher weder eine Impfung noch eine zuverlässige Behandlungsmöglichkeit. Die Infektiosität - also die Fähigkeit eines Krankheitserregers, nach erfolgter Übertragung einen anderen auch tatsächlich zu infizieren - der Covid-19-Erkrankung ist höher als die der Grippe.

Etwa 50 Prozent der Menschen mit einer Corona-Infektion sind beschwerdefrei, aber dennoch ansteckend. Auch wenn Symptome – Fieber, Husten, Halsschmerzen und Krankheitsgefühl - auftreten, sind diese Menschen schon einige Tage infektiös gewesen – das heißt, dass jeder als Überträger in Frage kommen kann, auch wenn man sich (noch) gesund fühlt.

Und dann gibt es einen Anteil sehr schwerer Verläufe, die international Gesundheitssysteme an ihre Grenzen gebracht haben, etwas, was man in dieser Form seit der Polioepidemie (Kinderlähmung) in den 1960er-Jahren nicht mehr erlebt hat – auch nicht bei den stärksten Grippewellen.

Wie hat sich das Klinikum Pirna auf die neue Situation eingestellt?

Wir haben unser Routineprogramm reduziert, eine Isolierstation eingerichtet und Maßnahmen getroffen, um die Abstandsregeln einzuhalten sowie Patienten und Mitarbeiter zu schützen. So wird beispielsweise jeder Patient vor dem Krankenhausaufenthalt nach Symptomen der Erkrankung befragt.

Auf unserer Isolierstation und in einem isolierten Bereich der Notaufnahme entnehmen wir Patienten, bei denen wir Covid-19 vermuten, Abstriche. Bei einem negativen Testergebnis werden sie anschließende auf Normalstation behandelt. Positiv getestete Patienten werden hingegen, je nach Gesundheitszustand, auf der Isolationsstation oder Intensivstation betreut.

Sind die Tests zuverlässig?

Einen positiven Test muss man nicht anzweifeln. Ein negativer Test bedeutet allerdings nur, dass zum Testzeitpunkt am Abstrichort – was in der Regel der „tiefe Rachen“ des Patienten ist – keine ausreichende Menge Virusmaterial nachweisbar war. Dennoch könnte eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegen, sodass wir im Zweifel erneut testen. Im Verlauf der Erkrankung verschwinden die Viren nämlich aus dem Nasen-Rachenraum und sind nur noch in der Lunge nachweisbar. Hier ist es schwieriger, Material zu gewinnen, wenn der Patient keinen produktiven Husten hat und somit kein Auswurf untersucht werden kann. Abstriche aus dem Nasenvorhof oder der Wangenschleimhaut sind nicht ausreichend.

Kann sich der Körper selbst nicht gegen Coronaviren wehren?

Unser Immunsystem schützt uns auch gegen Viruserkrankungen. Gegenüber ganz neuen Viren sind wir aber manchmal hilflos. Und auch das HI-Virus oder Ebola verursachen Erkrankungen, die ohne medizinische Behandlung tödlich sind. Bei den Coronaviren könnte uns die Ähnlichkeit mit den bekannten Schnupfen-Coronaviren eine sogenannte Kreuzimmunität bieten. Und auch ohne diese Immunität findet unser Körper in der Regel nach wenigen Tagen Mittel, die Virusvermehrung zu blockieren und die Erkrankung abzuwehren.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen mit Störungen des Immunsystems könnten gefährdeter sein. Dazu liegen aktuell aber noch keine ausreichenden Daten vor. Und es gibt sogar eine Studie, die keinen Einfluss feststellt hat. Der Statistik zufolge haben aber vor allem ältere Menschen, Übergewichtige und wahrscheinlich Raucher ein höheres Risiko, schwer zu erkranken. 

Empfehlen Sie eine Grippeschutzimpfung?

Prinzipiell ja. Die Grippesaison ist jedoch fast vorbei, sodass eine Impfung jetzt nicht mehr sinnvoll ist. Im Herbst sollte sich jedoch jeder impfen lassen, der zu den Personengruppen gehört, die in der Empfehlung der deutschen Impfkommission  erwähnt werden. Allerdings schützt eine Grippeschutzimpfung natürlich nicht gegen eine Infektion mit Coronaviren.

Wie verhält es sich mit der Pneumokokken-Impfung?

Diese wird in Deutschland für Erwachsene ab 60 Jahre mit einem Polysaccharid-Impfstoff empfohlen, sowie für Menschen jeden Alters mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung. Auch das hat aber nichts mit der aktuellen Coronavirus-Epidemie zu tun. Im Gegensatz zur Grippe scheint die schwere Infektion nicht häufiger mit einer gleichzeitigen Pneumokokken-Pneumonie (bakterielle Lungenentzündung) einherzugehen.

Was sollten Asthmatiker beachten? 

Zunächst will ich klarstellen, dass Asthma nicht die häufigste Lungenerkrankung der Raucher ist. Das wird leider auch von Ärzten nicht immer klar auseinandergehalten. Asthmatiker sind meist sonst gesunde junge Menschen und Kinder. Asthma ist fast immer heilbar oder zumindest sehr gut behandelbar.

COPD heißt die von den Beschwerden sich ähnlich darstellende Erkrankung des Rauchers im Alter. Viele Raucher versterben daran, eine Heilung ist nicht möglich. Ein Raucher, der von sich sagt, er habe Asthma, hat in Wirklichkeit fast immer eine COPD.

Bei Asthmatikern können einfache virale Atemwegsinfekte die Luftnot verschlechtern. Bisher gibt es aber keine handfesten Daten, die diese Annahme auch bei der Coronavirusinfektion bestätigen oder zeigen, dass Asthmatiker besonders gefährdet sind. Asthmatiker, die gut eingestellt sind, sollten weiterhin ihre Medikamente nehmen. Beschwerdefreie Asthmatiker ohne Medikamente brauchen nichts weiter zu tun. Jeder, der Beschwerden hat, sollte im Zweifel zum Arzt gehen. Anders ist das bei Patienten mit einer COPD. Diese sind bei schwer vorgeschädigter Lunge prinzipiell bei jeder Lungeninfektion in Lebensgefahr, erst recht bei der Covid-19-Erkrankung. 

Kann der Einzelne etwas für sich tun?

Schön wäre, wenn die Pandemie bewirkt, dass man, um gesund zu bleiben, mit dem Rauchen aufhört, an seinem Bewegungsmangel oder seinem Übergewicht arbeitet. Das ist vielleicht das Wichtigste. Ich empfehle, auf dubiose Informationsquellen über die Erkrankung im Internet oder in sozialen Netzwerken zu verzichten – hier bekommen leider so viele Personen eine Bühne, die noch nie in ihrem Leben zum Coronavirus geforscht haben oder epidemiologisch tätig waren. Für mich ist der Mangel an Vertrauen nicht nachvollziehbar.

Empfehlen Sie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

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Ich bin überzeugt, dass das Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes, egal ob gekauft oder selbst genäht, die Wahrscheinlichkeit verringert, sich im öffentlichen Raum – also zusammen mit vielen anderen in der S-Bahn, in Läden oder Besprechungen – zu infizieren oder selbst zur Infektionsquelle zu werden. Diese Wahrscheinlichkeit mag gering sein – aber der Aufwand ist ja minimal. Diese Chance sollten wir nutzen. Daher gilt bei uns nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Patienten aktuell eine generelle Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. 

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