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Wieso Heise bei Dynamo zum Kapitän aufgestiegen ist

Wer soll den verletzten Hartmann ersetzen? Der Trainer hat auf diese Frage nicht nur eine Antwort.

Philip Heise hat bei Dynamos 1:1 auf St. Pauli die Kapitänsbinde getragen. Dabei ist er nur dritter Ersatzmann für das Amt.
Philip Heise hat bei Dynamos 1:1 auf St. Pauli die Kapitänsbinde getragen. Dabei ist er nur dritter Ersatzmann für das Amt. © osnapix

Es ist ein bisschen wie in dem Kinderspiel: Ringlein, Ringlein, du musst wandern. Von dem einem zu dem andern wird bei Dynamo Dresden gerade die Kapitänsbinde weitergereicht. „Heute bekommt sie wohl jeder mal“, frotzelte der Fernsehkommentator während des Spiels gegen Ingolstadt. Marco Hartmann, der offizielle Amtsinhaber, musste zur Pause verletzt in der Kabine bleiben; dass es er wegen eines Rippenbruchs bis Jahresende ausfallen würde, ahnt da noch niemand. Es übernimmt also Patrick Ebert das sichtbare Zeichen des Spielführers, aber auch er wird später ausgewechselt. Also ist Sören Gonther an der Reihe, der für Hartmann eingewechselt worden war.

Doch diesmal fehlten alle drei. Maik Walpurgis betraute für die Partie am vorigen Samstag beim FC St. Pauli Philip Heise mit der Aufgabe, die mehr umfasst, als die Mannschaft auf den Platz zu führen. Der Kapitän soll und muss ein Anführer sein, auch wenn Trainer gern darauf verweisen, dass jeder Spieler Verantwortung übernehmen müsse. Das stimmt sicher, trotzdem tut es gut, wenn einer den anderen Orientierung gibt. Er braucht Erfahrung, vor allem aber den Respekt der Mitspieler, um ein Team führen zu können. Hartmann passt perfekt. Das sagt auch sein Vertreter. „Für mich ist er der Prototyp eines Kapitäns, er macht das sehr, sehr gut“, meint Heise.

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Heise nennt noch einen Aspekt, der seiner Meinung nach wichtig ist. „Er kommt aus dem Osten. Ich denke, es ist wichtig, dass man einige Jahre in der Region gespielt hat – gerade bei so einem Verein wie Dynamo.“ Hartmann ist seit 2013 im Verein und damit der dienstälteste Profi bei den Schwarz-Gelben. Nach dem Aufstieg in die zweite Liga 2016 und dem Wechsel von Michael Hefele nach England bestimmte ihn der damalige Chefcoach Uwe Neuhaus zum Kapitän - „aufgrund seiner Erfahrung, seiner Ausstrahlung und seiner Vorbildwirkung innerhalb des Teams und außerhalb des Platzes“. Heise charakterisiert ihn jetzt so: „ Harti ist ein Leader auf und neben dem Platz und ein sehr souveräner Kerl.“

Für den Trainer ist es logisch

Hartmanns großes Problem ist es jedoch, dass er oft ausfällt. Und so stellt sich immer wieder die Frage, wer die Kapitänsbinde übernehmen soll. Vorige Saison hat sie Florian Ballas zehnmal am linken Oberarm getragen, der Innenverteidiger ist nach einer Schulteroperation in dieser Woche wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen, kommt also noch nicht wieder infrage. Bleiben also die üblichen Verdächtigen, was schon mal eine Entwicklung zeigt. Denn zuletzt war ein Mangel an potenziellen Führungskräften beklagt worden, nun gibt es mehrere Kandidaten. In Testspielen waren auch Jannik Müller gegen Bohemians Prag und Brian Hamalainen gegen Großaspach als Kapitän im Einsatz.

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Als Hartmann beim Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue nach einem Muskelfaserriss aussetzen musste und Ebert nach der fünften Gelben Karte gesperrt war, stand Gonther wieder bereit. Doch beide fehlten in der Startelf für St. Pauli. Walpurgis bestimmte Heise, weil der 27-Jährige zum Mannschaftsrat gehört. Für den Trainer eine folgerichtige Entscheidung. Allerdings könnte die Binde am Sonntag beim Heimspiel gegen Holstein Kiel schon wieder wandern, wenn Ebert und/oder Gonther von Anfang an dabei sind, was zumindest nicht unwahrscheinlich ist.