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Wildbret vermarkten selbst gemacht

Der Lodenauer Gerd Eberle erklärt, wie seine Jäger-Kollegen dem Absatzproblem bei Wildschweinen begegnen können.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Landkreis Görlitz. Unter der Jägerschaft im Landkreis herrscht Ratlosigkeit: Wie soll man das in den vergangenen Monaten vermehrt geschossene Schwarzwild absetzen? Die SZ berichtete schon über die angeblich mangelhafte Abnahmebereitschaft in der Gastronomie. Der Lodenauer Gerd Eberle geht selbst seit vielen Jahren auf die Pirsch, gehört jedoch nicht zu denen, die klagen. Denn er hat eigene Erfahrungen gemacht und erzählt, was seiner Meinung nach falsch läuft und wie man dem entgegenwirken kann.

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Herr Eberle, bleiben Sie auf Ihren Wildschweinen sitzen?

Nein. Die Nachfrage ist groß. Ich habe kein Absatzproblem.

Was machen Sie anders als manche andere Jäger?

Es gibt nicht wenige, die erlegen das Wild zwar, kümmern sich aber nicht richtig um die Vermarktung. Nach dem Abschuss bieten sie ihre Tiere dem Wildhandel an. Und der nimmt das Kilo für 70 Cent oder er hat schon genug auf Lager. Dann stehen diese Jäger natürlich auf dem Schlauch. Bei kleinen Jagden, also vielleicht bei fünf Schweinen und drei Rehen im Jahr, mag dieser Weg noch machbar sein. Bei mir geht das nicht. Ich schieße durchschnittlich 150 Stück Schwarz- und 30 Stück Rotwild. Das ist eine Menge, die kann man sich nicht ewig aufheben. Die muss weg, an den Endverbraucher. Deshalb habe ich mich entschieden, eine Direktvermarktung zu betreiben. Wohlgemerkt: Ich bin kein Wildhändler. Als Direktvermarkter darf ich Wild abgeben, das ich auf der eigenen oder gepachteten Jagd oder in einem Gebiet mit Jagderlaubnis geschossen habe.

Und das funktioniert?

Sehr gut sogar. Preis und Absatz stimmen. Es gibt inzwischen mehrere Jäger, die das so machen. Denn es darf doch nicht sein, dass ein qualitativ so gutes Nahrungsmittel wie das Wildbret verschleudert wird.

Kann jeder Jäger als Direktvermarkter auftreten?

Im Prinzip ja. Natürlich gibt es einige Bedingungen, die man zu beachten hat. Zuerst muss man beim Veterinäramt des Landkreises melden, dass man als Direktvermarkter agieren will. Das Amt nimmt dann jährliche Überprüfungen vor. Gefordert werden zudem ordentliche Bedingungen für die Zerlegung und Lagerung des Wildbrets. Das heißt konkret: Man braucht einen Zerlegeraum, der gefliest sein sollte, aber mindestens mit wasserfester Farbe gestrichen sein muss. Außerdem ist ein Kühlraum notwendig – für jene Teile, die man nicht frisch verkaufen kann. Überdies hat man den Nachweis zu führen, was mit Fell und Knochen passiert. In der Regel werden diese Dinge aber von der Tierkörperbeseitigung Sachsen abgeholt. Das geht ganz einfach: Ein Anruf, und schon sind die Kollegen zum vereinbarten Termin da. Bezahlt werden die Anfahrt und das abzuholende Aufkommen nach Gewicht.

Wohin darf man als Direktvermarkter verkaufen?

An Privatpersonen, aber auch an Gaststätten. Wichtig ist, den Endverbraucher darüber zu informieren, dass Wild ganzjährig gegessen werden kann und sogar sollte – nicht nur an Feiertagen.

Und wie sollte sich der Jäger verhalten, der übers Jahr doch nur ein paar Schweine schießt und dem der Aufwand, eine Direktvermarktung aufzubauen, einfach zu groß ist?

Der sollte sich mit anderen Jägern zusammenschließen. Da verteilt sich der Aufwand auf mehrere Personen und die finanziellen Belastungen halten sich in Grenzen. Wer den Willen dazu aufbringt, kriegt sein Wildbret auch los.