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Wilde japanische Glucken gackern in Oelsa

Auf der Kleintierschau in Oelsa konnte man am Wochenende nicht nur Tauben, Enten und Fasane begutachten, sondern auch Kampfhühner. Die wilden Glucken sind der ganze Stolz ihrer Züchter. Kämpfen dürfen sie allerdings nicht. Obwohl, manchmal wird doch eine Ausnahme gemacht.

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Von Sebastian Schöbel

Sie blicken sich tief in die Augen, schätzen sich ein. Immer wieder stampfen sie mit ihren Krallen auf den mit Sand ausgelegten Boden, kreisen umeinander. Zwei Hühner in einem etwa ein mal ein Meter großen Käfig. Die Stimmung ist gespannt. In Gedanken ertönt irgendwo Westernmusik, eine Windhexe fegt vorbei. Dann bricht die Hölle los. Beide Tiere stürzen sich aufeinander, Federn fliegen umher. Furchterregendes Gegacker tönt durch den Raum. Das Ganze dauert etwa zwei Sekunden, doch bevor die Hühner zu Schaden kommen, schnappt sich Werner Weiske eins der beiden und hebt es geschwind aus dem Käfig.Für Kämpfe sind dieTiere zu schadenWeiske ist Besitzer und Züchter dieser so genannten Ko Shamo, einer kleinen japanischen Kampfhuhnrasse. Einem Interessierten wollte er am Sonnabend zur Rassegeflügelausstellung in Oelsa einmal das Kampfverhalten der Tiere zeigen. Ansonsten ist er gegen solche in Deutschland sowieso illegalen Hahnen- beziehungsweise Hühnerkämpfe. Dafür sind dem Vorsitzenden des Rabenauer Rassegeflügelvereins die Tiere zu schade.Neben den Ko Shamo gibt es noch 20 andere Kampfhuhnrassen auf der Welt. Die haben so abenteuerliche Namen wie zum Beispiel „Combattant du nord“ oder „Ga Noi“. All diesen Tieren ist das Kampfverhalten angeboren. „Die Hühner kämpfen bis zum Tod. Das steckt denen von Geburt an im Blut. So wie uns Geflügelfreunden das Züchten im Blut steckt“, sagt Weiske.Der Mann weiß wovon er spricht. Weiske hat sogar schon mal den Hahnenkampf-Weltmeister gesehen: Einen 114 Zentimeter großen und 23 Kilo schweren Gockel mit einem 40 Zentimeter breiten Brustkorb. Vor dem Vogel hätte er schon ganz schön Respekt gehabt, gibt er zu. Im Gegensatz zu ihresgleichen sind die Kampfhühner zu Menschen allerdings erstaunlich zutraulich. Weiske schwört: „Mit denen kann man durch den Garten richtig spazieren gehen. Die bleiben immer an deiner Seite“. Treffen sie allerdings einen Artgenossen, beginnt ein Kampf auf Leben und Tod.Der Züchter erklärt, dass es zwei verschiedene Sorten von Kampfhühnern gibt: Schnabelkämpfer und Beinkämpfer. Die einen picken, die anderen treten. Das ist von Rasse zu Rasse unterschiedlich. Auf die Frage, was für ein Kämpfer wohl entsteht, wenn man Schnabel- und Beinkämpfer kreuzen würde, antwortet Weiske ernst: „Keine Ahnung, so was würde kein ordentlicher Züchter machen. Man kreuzt doch keine verschiedenen Rassen untereinander.“ Ziel der Züchter ist es nicht, das gefährlichste, sondern das schönste Tier hervorzubringen.