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Wilde Müllkippe in Glaubitz

Gerade erst haben drei Nachbarn ein Waldstück von Unrat befreit, da liegen dort schon die nächsten Schnapsflaschen.

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Von Antje Steglich

Im Hintergrund die schöne Silhouette der Schlossresidenz schlängelt sich ein kleiner Weg durch die Felder bis zur Ortsverbindungsstraße Nünchritz-Glaubitz. Der wird gern von Spaziergängern, Radfahrern oder Hundehaltern wie auch Winfried Lupprian genutzt. Doch der Glaubitzer kann die Ausflüge in letzter Zeit nicht richtig genießen, weil er sich so sehr über die Müllferkel ärgert, die wahrscheinlich gern mal einen picheln. Denn spätestens alle paar Meter liegen in dem kleinen Grünstreifen vor allem Flaschen, aber auch Zigarettenschachteln, Plastikmüll oder sonstiger Abfall. Dabei war das Gelände noch vor wenigen Wochen blitzeblank. Denn Winfried Lupprian und seine beiden Nachbarn haben sich hier am Neujahrstag geschafft.

„Wir haben zusammen Silvester gefeiert und darüber geredet“, erinnert sich der CDU-Gemeinderat. „Und da haben wir uns die 200 Meter als gute Tat fürs neue Jahr vorgenommen.“ Gesagt, getan. Am 1. Januar, um 9 Uhr startete das Trio und sammelte in kurzer Zeit so viel Müll, dass beinahe ein ganzer Autoanhänger zusammenkam. Vor allem Schnaps- und Weinflaschen, aber auch Pappbecher waren dabei. „Dass es so viel wird, hätten wir nicht gedacht“, so Winfried Lupprian.

Ob er eine Vermutung hat, wer die Übeltäter sein könnten? „Das kann bloß jemand sein, der dort jeden Tag lang fährt. Aber so einen kriegt man nicht. Da müsste man sich schon 24 Stunden auf die Lauer legen.“ Er appelliert deshalb an die Vernunft seiner Mitmenschen, den Abfall wieder mitzunehmen. „Da können sich ja auch Tiere verletzen“, befürchtet der Hundebesitzer.

Zudem ist der Aufwand für die Kommunen groß. Die Bauhofmitarbeiter sind eigentlich ständig unterwegs, um Müll gerade an den straßenbegleitenden Grünstreifen zu beseitigen, sagt Ullrich Matthees vom Ordnungsamt der Gemeinde Nünchritz. An den Bundes- und Staatsstraßen sind zudem die Straßenmeistereien des Landkreises Meißen tätig.

Auch an jenem Windschutzstreifen zwischen Glaubitz und Nünchritz führte der Glaubitzer Bauhof gerade erst Schnittarbeiten durch. Große Müllablagerungen seien dabei zwar nicht aufgefallen, vielmehr sei die Verschmutzung vergleichbar mit ähnlichen Stellen im Gemeindegebiet. „Lediglich das Vorhandensein von mehr kleinen Flaschen – meist Pullis aber auch größer Schnapsflaschen – als an anderen Stellen“, wurde beobachtet, so Ullrich Matthes. Der Handlungsspielraum für die Kommune ist da jedoch gering. Bei festgestellten illegalen Großablagerungen von Müll erfolgt die Anzeige an die Untere Abfall- und Bodenschutzbehörde des Landratsamtes, wobei in fast allen Fällen der Verursacher zum Anzeigezeitpunkt nicht bekannt ist, erklärt der Ordnungsamtsmitarbeiter. Zudem sind laut der Polizeiverordnung für Nünchritz und Glaubitz Geldbußen zwischen 5 und 1 000 Euro möglich, wenn Ordnungswidrigkeiten festgestellt werden.

Winfried Lupprian jedoch bleibt skeptisch, dass das tatsächlich passieren wird. Da verlässt er sich lieber auf sich selbst und die tatkräftige Unterstützung seiner Nachbarn: „Wenn mich was stört, mache ich es eben selbst.“