merken
PLUS

Angst vor Überschwemmungen

Anlieger des Hainitzer Wassers ärgern sich, dass sich niemand um die Pflege der Gewässer kümmert. Sie fürchten schlimme Folgen.

© privat

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Großpostwitz. Es wächst und wächst – und das macht Ulrike Kleißle Sorgen. Links und rechts des Bächleins sprießt das Grün. Eigentlich ganz idyllisch, solange das Hainitzer Wasser nur ein Rinnsal ist. Doch wenn Gewitterwolken aufziehen oder es wie aus Kannen schüttet, dann wächst bei Familie Kleißle und den anderen Anliegern am Hainitzer Wasser in Großpostwitz die Sorge, dass aus dem Bächlein binnen kurzer Zeit wieder ein reißender Fluss werden könnte, der ihre Grundstücke überschwemmt.

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

So wie im August 2010, als die Wassermassen alles mitrissen, was nicht niet- und nagelfest war. Und deshalb ist Ulrike Kleißle das „kleine Biotop“, wie sie das üppige Grün am Bachlauf bezeichnet, ein Dorn im Auge. „Am Wasserlauf wird keine Bereinigung gemacht. Es liegen große Steine im Bach und dadurch sammelt sich immer mehr unter der Brücke an.“ Dort passe dann immer weniger Wasser durch. „Der Zustand ist mehr als beängstigend“, sagt Ulrike Kleißle. „Es muss doch jemand dafür verantwortlich sein.“

Dicke Ablagerungen im Bachbett

Dabei sollte das Bachbett unter der Brücke eigentlich dieses Jahr beräumt werden. Ende 2016 waren am Brückenbauwerk, für dessen Unterhaltung die Straßenmeisterei des Landkreises zuständig ist, Fugen saniert worden. „Die Beräumung der Anlandungen erfolgt 2017 als Gemeinschaftsmaßnahme mit der Gemeinde Großpostwitz, die oberhalb des Brückenbauwerks diese Arbeiten im Gewässer erledigt“, hatte Landkreis-Sprecherin Sabine Rötschke damals mitgeteilt. Immerhin sei im Durchlass seit dem letzten Beräumen, das im Herbst 2012 stattfand, wieder eine etwa 70 Zentimeter hohe Ablagerung entstanden.

Doch passiert ist bisher nichts. „Wir haben unseren Auftrag zwar ausgelöst“, sagt der Großpostwitzer Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos). Aber ausgeführt worden seien die Arbeiten bisher nicht, weil die beauftragte Firma immer noch auf den Auftrag vom Landkreis für die Beräumung des Brückendurchlasses gewartet habe, um dann beides in einem Zuge zu erledigen. „Die Anlandungen werden noch beräumt“, versichert Sabine Rötschke. Doch ein Termin stehe noch nicht fest, weil die Finanzierung noch nicht geklärt sei.

Ufermauern sind marode

Die Anwohner ärgern sich jedoch nicht nur über die ausbleibende Pflege am Bach. Sie schauen auch mit Sorge auf die maroden Ufermauern – seit nunmehr sieben Jahren. Seit dem Hochwasser vom August 2010 warten sie, dass etwas passiert. Es sollten – was vernünftig klingt - – die damals entstandenen Flutschäden nicht einfach nur beseitigt werden. Der Wiederaufbau sollte zugleich einen besseren Hochwasserschutz für die Zukunft bringen. Doch die dafür nötigen Planungen zogen sich ewig hin. Und im Falle des Hainitzer Wassers stellte sich laut Bürgermeister schließlich heraus, dass am Ende die neuen Ufermauern niedriger ausfallen würden als die alten. „Das kann man den Anliegern doch nicht vermitteln.“ Bei den Berechnungen werde nämlich ein 100-jähriges Hochwasser zugrunde gelegt, dem der neue Schutz standhalten müsse. Die August-Flut von 2010 habe die Dimension eines 100-jährigen Hochwassers weit übertroffen.

Nach einigem Hin und Her wurde laut Lehmann im Frühjahr schließlich ein Kompromiss mit den Behörden erreicht. Die Gemeinde dürfe nun den Wiederaufbau in der bisher vorhandenen Höhe planen. Dabei sollen die maroden Ufermauern durch Spundwände ersetzt werden. Zudem werde das Gewässerprofil etwas aufgeweitet. Die Fördermittel dafür seien beantragt. Und eine weitere Voraussetzung hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung geschaffen. Beschlossen wurde, dass die Gemeinde eine etwa 200 Quadratmeter große Fläche am Gewässer, die sich bisher in Privatbesitz befindet, kauft, um die Baumaßnahme überhaupt realisieren zu können. Lehmann geht davon aus, dass nächstes Jahr gebaut werden kann.