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Warum es immer mehr Wildschweine gibt

Die Corona-Krise hat darauf kaum direkte Auswirkungen. Und ist trotzdem mitverantwortlich dafür.

Der Wildschweinbestand in den hiesigen Wäldern wächst derzeit wieder. Das hat mehrere Gründe.
Der Wildschweinbestand in den hiesigen Wäldern wächst derzeit wieder. Das hat mehrere Gründe. © dpa

Es grunzt und raschelt im Unterholz. Wildschweine waren schon in der Vergangenheit nicht selten in unseren Wäldern. Aktuell sind sie das noch viel weniger. Die Corona-Krise hat aber nur bedingt etwas damit zu tun.

Nur geringe coronabedingte Einschränkungen

Noch immer steht die afrikanische Schweinepest (ASP) quasi vor der Haustür des Landkreises Görlitz. Die Neiße und der parallel zum Grenzfluss inzwischen lückenlos aufgestellte Elektrozaun hindern die Schwarzkittel daran, von Polen aus auch nach Sachsen zu kommen und die Krankheit möglicherweise einzuschleppen. Ziel war es bisher außerdem, die Schweinebestände möglichst klein zu halten, um der ASP-Ausbreitung nicht noch Vorschub zu leisten. Doch wird den Borstentieren in Corona-Zeiten noch genauso intensiv nachgestellt? "Die Beschränkungen für uns Jäger sind gering", erklärt Hans-Joachim Dohrmann. Er ist Vorsitzender des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz. Im Moment seien sowieso nur Einzeljagden möglich.

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Sauen mit Frischlingen werden nicht erlegt

Grund dafür ist der Vermehrungszyklus der Wildschweine. Überall in den Wäldern sind die Rotten voller Frischlinge. Der Frühling ist die Zeit, in der der Nachwuchs heranwächst und führende Bachen nicht erlegt werden dürfen. "Man muss sich schon sicher sein, dass die zu schießende Sau keine Kinder hat. Denn liegt man falsch, ist das ein Straftatbestand", erklärt Dohrmann die derzeitige Zurückhaltung mancher Jäger. Weil die Schweinefamilien derzeit aber oft mit bis zu acht Jungen unterwegs seien, steige der Bestand gerade eben an. Das sei saisonal bedingt und nicht unnormal. Jenseits der Neiße, habe er gehört, hätten dagegen auch jetzt noch Gesellschaftsjagden stattgefunden, um die Wildschweinpopulation einzudämmen.

Nachschubprobleme bei der Jagdmunition

Dohrmann kennt aber noch drei Gründe, die den Schwarzkitteln im Kreis in die Karten spielen und von der Corona-Krise zumindest beeinflusst werden. Da ist zum einen die Jagdsaison. Die dauert bis zum 31. März und beginnt am 1. April wieder neu. "Wer es versäumt hat, seinen Jagdschein rechtzeitig bei der Unteren Jagdbehörde zu beantragen, könnte jetzt in die Bredouille kommen, wenn die Behörde coronabedingt nicht so schnell arbeiten kann." Außerdem gibt es zuweilen Probleme beim Nachschub mit Jagdmunition. Das hat der Chef des Jagdverbandes im Nordkreis schon selbst zu spüren bekommen: Aus Norwegen gab es zeitweise keine Lieferung. Manche Jäger würden wegen der unsicheren Zeiten auf Vorrat kaufen und damit selbst Engpässe verursachen - wie bei Klopapier und Flüssigseife im normalen Leben.

Nur schießen, was vermarktet werden kann

Grund Nummer drei für die mögliche Zurückhaltung der Jägerschaft ist der schwierige Absatz des Schweinefleisches. Weil die Gaststätten pandemiebedingt derzeit geschlossen sind und als Käufer komplett ausfallen, steht aktuell nur der eigene oder der Kochtopf von Freunden als Ziel der zerlegten Borstenviecher zur Verfügung. "Auch wenn die Gesellschaft am liebsten weiter dezimierte Wildschweinbestände sähe - wir Jäger werden nicht abschießen, was wir nicht vermarkten können", schränkt Dohrmann die Erwartungen ein. Erst Ende August, Anfang September nehme die Jagdsaison wieder Fahrt auf.

Jäger Gerd Eberle vor seinem Unterstand in Lodenau.
Jäger Gerd Eberle vor seinem Unterstand in Lodenau. © Archiv: Jens Trenkler

Privatleute kaufen jetzt vermehrt Wildfleisch

Eher geringe Probleme mit dem Absatz hat Gerd Eberle. Er hat in Klein Priebus und Baruth zwei Jagden und bringt jedes Jahr durchschnittlich 250 Wildschweine und 60 Stück Rotwild zur Strecke. Seine Direktvermarkung in Lodenau kommt vor allem bei Privatleuten gut an. "Zwischen 70 und 80 Prozent meines Fleisches gehen auf diese Weise weg. In der Corona-Krise hat die Nachfrage sogar noch zugenommen." Er hält es für wichtig, dass das Wild ganzjährig dauerhaft bejagd wird. Seine Begründung: "Die Schweine überrollen uns sonst."

Rot- und Schwarzwild bietet dem Wolf die Stirn

Seitdem der Wolf mit im Spiel ist, hat Eberle veränderte Verhaltensweisen bei Rot- und Schwarzwild festgestellt. "Die Schweine kommen nicht mehr in übersichtlichen Rotten daher. Unter 30 Tieren geht heute fast gar nichts. Und sie verbünden sich jetzt mit den Hirschen. Das Rotwild sieht gut, die Schweine wittern besser die Gefahr. Davon profitieren beide."

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Auch wenn im Herbst Gemeinschaftsjagden wieder möglich sind, erwartet der Lodenauer Jäger keine coronabedingte Flaute. "Natürlich, nach jetzigem Stand wären Jagden mit 30 bis 40 Personen untersagt. Aber das wird sich bis dahin ändern." In die Jagd selbst könne man mit mehr als dem derzeit vorgeschriebenen Abstand gehen. Nur beim Legen der Strecke, also dem Aneinanderreihen der geschossenen Tiere, und dem traditionellen Beisammensein der Jäger, müsse es wahrscheinlich Änderungen geben.

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