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Wildschweine fressen Feld leer

Die gesamte Aussaat eines Landwirtes im Käbschütztal ist vernichtet. Der Schaden beträgt mehrere Tausend Euro.

Landwirt Herbert Bier kann es kaum fassen: Überall auf seinem Feld haben Wildschweine gewütet.
Landwirt Herbert Bier kann es kaum fassen: Überall auf seinem Feld haben Wildschweine gewütet. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Von Weitem sieht das Feld im Käbschütztaler Ortsteil Gasern bei Meißen ganz normal aus. Die Zeilen vom Einbringen der Saat sind zu sehen. Doch bei näherer Betrachtung ist es deutlich zu erkennen: Wildschweine haben ihre Spuren hinterlassen. Zeile für Zeile sind die Tiere abgelaufen, haben jede einzelne Saatfurche mit dem Rüssel aufgegraben und die Samen herausgefressen. 

Landwirt Herbert Bier ist fassungslos: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Auf dem reichlich sechs Hektar großen Feld ist kaum ein Körnchen übrig geblieben. „80 bis 90 Prozent ist weg. Der Schaden beträgt mehrere Tausend Euro“, sagt er fassungslos.

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Vor etwa drei Wochen hatte der Landwirt den Mais-Samen unter die Erde bringen lassen. Drei bis vier Zentimeter tief, im Abstand von acht bis zehn Zentimetern lagen die Körner. Inzwischen hatten sie gekeimt und schienen für die Schwarzkittel somit besonders lecker zu sein. „Das müssen 40 bis 60 Tiere gewesen sein“, sagt Herbert Bier.

Wildschweine haben in Gasern gesamtes Feld umgepflügt.
Wildschweine haben in Gasern gesamtes Feld umgepflügt. © Lino Mirgeler/dpa (Symbolbild)
Die Spuren der Schwarzkittel im Feld sind deutlich erkennbar.
Die Spuren der Schwarzkittel im Feld sind deutlich erkennbar. © Claudia Hübschmann

Seit 20 Jahren bewirtschaftet Herbert Bier das Feld. Inzwischen ist er Rentner, braucht aber die zusätzlichen Einnahmen. Zudem hängt der an seinem Land. Es ist seit ungefähr 300 Jahren im Besitz meiner Familie, mit Ausnahme in der DDR-Zeit, als es die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) gab. 

Herbert Bier kaufte 2001 das ursprünglich seinen Eltern gehörende Land in einer Zwangsversteigerung wieder zurück. Seitdem musste er sich nie Sorgen um Wildschweine machen. Herbert Bier ist verzweifelt. Er weiß nicht, was er jetzt machen soll, ob er eventuell den Schaden ersetzt bekommt. 

Zuerst muss er die Spuren sichern und protokollieren. So lange kann er nicht neu einsäen. Aber viel Zeit hat er nicht dafür. Zudem besteht die Gefahr, dass die Wildschweine wiederkommen. Deshalb hat sich der Landwirt bereits an den zuständigen Jagdpächter gewandt. Herbert Bier kann nicht verstehen, wie sich so viele Tiere in der Umgebung aufhalten können.

Normal ist so eine Zusammenrottung nicht, erklärt Kreisjägermeister Karsten Schlüter. Üblich sind acht bis zehn Bachen mit ihren Frischlingen. „Aber jetzt haben wir das Problem mit mehr Wölfen und die Wildschweine schützen sich vor ihnen.“ Sie bilden wie eine Wagenburg, in der Mitte halten sich die Jungtiere auf, erklärt Schlüter das Verhalten. „Wildschweine sind sehr schlau.“ 

So habe der Jäger auch in seinem Gebiet in Nossen bereits eine riesige, unnatürliche Rottenstruktur gesehen. „Bei 40 Tieren habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er. „Dagegen sind Jäger machtlos. Und Wölfe dürfen nicht bejagt werden.“ 

Schlüter weise schon seit 2014 auf das Problem hin, aber Untersuchungen wurden zu seinem Bedauern noch nicht unternommen. Momentan gebe es in Nossen wenig Wildschweine, „sie sind sehr intelligent und weichen dem Wolf aus.“ Gebietsweise seien immer wieder große Schweinerotten zu beobachten.

 Landwirte haben dann das Nachsehen. „Aber wenn Bachen mit ihren Frischlingen unterwegs sind, kann ich als Jäger auch nicht einfach hineinschießen“, sagt Schlüter. Ein Muttertier könnte getroffen werden. 

Manche versuchen es dann mit einem „Schuss in den Dreck“, das wirke erst einmal. Aber die Tiere merken auch, dass nichts passiert: „Wir Jäger sagen dazu, man kann ein Schwein auch schlau schießen.“ Deshalb sagt Karsten Schlüter, „mir tut es leid, für den Landwirt und den Jäger, der vielleicht für den Schaden aufkommen muss.“

Der für das Revier zuständige Jagdpächter hat sich die Verwüstung des Feldes bereits angesehen. Namentlich genannt werden möchte er nicht. Auf Anfrage sagt er, er sehe auch im Wolfsvorkommen einen Grund. 

Aber das sei nicht der einzige. Zwar gebe es in der Region derzeit mehr Schweine als sonst, aber die riesige Zusammenrottung von 40 und mehr Tieren bestätigte er in Gasern nicht. Generell liege die größere Zahl der Tiere auch an den zugenommenen Flächen mit Raps und Mais - eine sehr gute Nahrungsgrundlage für Wildschweine. 

Zudem hätten die Tiere in stadtnahen Gebieten Meißens in verwilderten Gärten viele Bereiche, um sich zu vermehren. Und nicht zuletzt würden die Wetterbedingungen für ein höheres Aufkommen sorgen. Beispielsweise überlebten in nasskalten Wintern weniger Frischlinge.

Landwirt Herbert Bier will den Schaden nun auch der Gemeinde melden, in der Hoffnung, Hilfe zu bekommen.

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