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Wilhelmsplatz: Das denken Stadträte

Eine Stadt sollte nicht still sein, so Mirko Schultze. Fußball und lautgedrehte Musik müssen aber nicht sein, sagt Dieter Gleisberg.

Der Wilhelmsplatz in Görlitz
Der Wilhelmsplatz in Görlitz © nikolaischmidt.de

Vielleicht, damit man sich nach all dem Streit ausruhen kann: Der Bürgerrat Innenstadt Ost hat gemeinsam mit der Stadt zehn Liegen für den Wilhelmsplatz angeschafft. Mit den Diskussionen aktuell hat das aber nichts zu tun, erzählt Jens Wesenberg vom Bürgerrat. Die Liegen waren ein Projektvorschlag von Bürgern.

„Was in anderen Städten auf deren Freiflächen schon lange üblich ist, möchten wir nun auch in Görlitz möglich machen“, schreibt der Bürgerrat auf Facebook. Noch diesen Sommer sollen die Liegen nutzbar sein. Wenn sich jemand findet, der sie abends zusammenstellt, sichert und morgens wieder losbindet. Ob sich jemand um die Liegen kümmern will, wird sich zeigen. Der Wilhelmsplatz selbst kümmert jedenfalls viele.

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Und er ruft ganz unterschiedliche Meinungen hervor. Oder besser: Die Frage, wie er genutzt wird. Das wurde auch wieder deutlich, nachdem die SZ diese Woche über Anwohner berichtet hat, die sich von abendlichem bis nächtlichem Lärm auf dem Wilhelmsplatz regelrecht terrorisiert fühlen, wie sie es beschrieben. Schnell füllte sich die Kommentarspalte auf Facebook.

Geäußert hat sich auch Stadtrat Mirko Schultze (Die Linke). „Ich sehe auch Menschen auf dem Platz, und ja, Zerstörung und Vermüllung sind nie schön“, schreibt er. Aber die Beschwerden wegen Lärms könne er nicht nachvollziehen. Er wohne in der Nähe, „meine Wahrnehmung scheint da echt eine andere zu sein. Ich kann diesen angeblichen Dauerlärm nicht bestätigen.“ Schultze schreibt: „14 Vorgänge in 120 Tagen, ein Schwerpunkt wahrlich. Ich verstehe sie nicht, Menschen, die in der Innenstadt wohnen möchten, aber bitte mit dem Flair einer Waldsiedlung.“ 18 Uhr klappen die Bürgersteige hoch, das sei mal eine schmunzelnde Abwertung für das Leben in einer Stadt gewesen, „heute scheint es erstrebenswerte Beschreibung einer Wohnlage in der Innenstadt zu sein.“

Mirko Schultze (Die Linke)
Mirko Schultze (Die Linke) © privat
Dieter Gleisberg (CDU)
Dieter Gleisberg (CDU) © Pawel Sosnowski

Andere halten ihm entgegen, es gehe vor allem darum, „dass es nach der gesetzlich geltenden Ruhezeit immer noch zu Störungen kommt. Ganz abgesehen von der Vermüllung der schönen Anlage“, schreibt ein Nutzer. Mancher verweist auch auf diejenigen, die morgens zeitig raus müssen. Wieder andere pflichten Schultze bei: „Wir wohnen auch auf dem Wilhelmsplatz und haben kein Problem“, schreibt ein Görlitzer. Eine andere Nutzerin sagt, sicher gebe es auch mal größere Probleme, „aber hier den absoluten Verfall zu sehen, ist doch maßlos übertrieben.“ Die Innenstadt sei nun mal belebter als Randgebiete. Und einer schlägt eine Messung vor, um mehr als das Bauchgefühl zu haben. Stadtrat Dieter Gleisberg (CDU) weiß von der Situation auf dem Wilhelmsplatz von Bekannten, die dort wohnen. Sie sagen, es sei tatsächlich häufig in den späten Abend- oder den Nachtstunden über Gebühr laut, erzählt er. Wenn beispielsweise Jugendliche spätabends mit aufgedrehten Lautsprechern über den Platz laufen. Nach Auffassung der Anwohner hat das Ordnungsamt zu wenig ein Auge darauf, beschreibt Gleisberg die Lage. Er selber habe den Lärm auch einmal mitbekommen, als er abends von der Tanzschule Matzke auf dem Weg nach Hause war. Dass man auf dem Wilhelmsplatz zusammenkommt, sich trifft, sei völlig in Ordnung. „Aber zum Fußballspielen haben wir Bolzplätze“, sagt er. „Auch wenn es gestattet ist, dort Fußball zu spielen, schön ist es nicht“, findet er. Denn es habe auch seinen Grund, warum Bolzplätze mit einem besonders strapazierfähigen Rasen ausgestattet sind. Den hat der Wilhelmsplatz nicht, dafür ist er von aufwendig gestalteten Rabatten umgeben. „Die Bepflanzung ist gut und sollte so bleiben“, sagt Dieter Gleisberg.

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Am Wilhelmsplatz finden sich mehrere Widersprüche, begonnen bei der Historie. Einst war der Wilhelmsplatz ein Schmuckplatz. Nach der heutigen Grünflächenordnung dagegen sind Sport und Spiel nicht verboten. Allerdings soll die Ruhe der Anwohner nicht beeinträchtigt werden. Dort sieht Jens Wesenberg die Schwierigkeit. „Ich denke nicht, dass die Anwohner etwas dagegen haben, dass der Platz betreten und genutzt wird.“ Aber auch an den Bürgerrat werde herangetragen, dass Anwohner die jetzige Situation als sehr lärmintensiv empfinden. Ein Widerspruch liegt auch in der Nutzung und der Gestaltung: „Die Blumen und Staudenbeflanzung nicht zu beschädigen und den Platz als Bolzplatz zu nutzen, dürfte ein Spagat werden, der nicht gelingt“, fasst ein Görlitzer zusammen.

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