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Willkommen beim Heidemüller

Große Teile des Ausflugslokals sind restauriert. Nur ein ehemaliges Ferienheim versprüht noch alten DDR-Charme.

Von Thomas Drendel

An der Heidemühle fühlt man sich in vergangene Zeiten versetzt: Altes Fachwerk ist zu sehen, ein kunstvolles Türmchen. Alles sieht nach einem kleinen Jagdschloss oder einem Herrensitz aus. Dabei sind die Gebäude frisch renoviert. „Wir haben großes Augenmerk auf eine denkmalgerechte Restaurierung gelegt“, sagt Joachim Bürger. Er baut die Heidemühle aus. Im ehemaligen Wohnhaus des Müllers sind inzwischen vier Ferienwohnungen fertig. Schwere Möbel stehen hier. „Das Holz für Tische und Bänke stammt aus dem Erzgebirge. Die Möbel lassen wir zum Teil extra anfertigen“, sagt er. Auch die Wildschweintrophäen an den Wänden tragen zur Atmosphäre in dem Haus bei. „Heide und Jagd, das gehört einfach zusammen.“

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Volle Biergärten an der Heidemühle. Wie diese historische Postkarte zeigt, war das Lokal um 1900 sehr beliebt. Repro: SZ
Volle Biergärten an der Heidemühle. Wie diese historische Postkarte zeigt, war das Lokal um 1900 sehr beliebt. Repro: SZ

Während es in dem Gebäude bereits gemütlich zugeht wird vor der Tür noch gearbeitet. Momentan verlegen Handwerker Granitpflaster. „Die Zufahrt soll natürlich in Ordnung sein, wenn die Gäste kommen.“ Zweites Großprojekt ist der Feuerlöschteich. „Der wird wegen des Brandschutzes vorgeschrieben. Früher wurde das Wasser immer aus der Prießnitz genommen, jetzt trocknet sie im Sommer aber ab und zu aus. Deshalb der Teich.“ Er ist fast fertig. Die Mulde ist ausgehoben, an den Ufern liegen riesige Steine. Die hat sich der Bauherr aus Steinbrüchen bei Freiberg heranfahren lassen. „Manche stammen auch aus Baugruben aus der Gegend um Radeberg. Damit kann ich den Hang stabilisieren und sie sehen auch noch gut aus.“ Neben der Sanierung der Häuser treibt Joachim Bürger eine weitere Aufgabe um. Der Hochwasserschutz. 2010 beispielsweise trat die Prießnitz über die Ufer. Damals wurden beide Gastanks aus der Verankerung gehoben. Auch die Leitungen wurden beschädigt. „Jetzt haben wir die Tanks etwas erhöht am Hang angebracht. Leitungen und Kläranlage sind jetzt ebenfalls hochwassersicher installiert.“

So gar nicht in das Ensemble passt jedoch das wohl größte Haus in dem Ensemble. Hier sind die Fensterscheiben noch blind und die Farbe blättert ab. „Darin war zu DDR-Zeiten ein Ferienheim untergebracht“, sagt Joachim Bürger. Den Charme hat es noch heute. Dennoch ist er zuversichtlich, es mit einigen Umbauarbeiten integrieren zu können. „Da müsste die Fassade verändert und auch die Fenster können so nicht bleiben.“ Das sei aber Zukunftsmusik. Geplant ist jedoch auch hier Ferienunterkünfte einzurichten. „Wie wir weitermachen hängt natürlich auch davon ab, ob die Touristen weiterhin so nach Dresden strömen. Denn nur dann rechnet sich so eine Investition auch“, sagt der Bauherr. Auch die ehemalige Gaststätte unmittelbar an der Radeberger Landstraße wartet noch auf einen Ausbau. „Das hat aber Zeit. Ausflügler können ja inzwischen in der Kaminbaude einkehren. Die ist das ganze Jahr geöffnet. Nur montags ist Schließtag.“Die Gaststätte gehört ebenfalls Joachim Bürger. Er hat sie einst selbst betrieben. Inzwischen ist sie verpachtet. Joachim Bürger hat Design in Wiesbaden studiert und arbeitete unter anderem als Grafiker. Er kaufte das Gelände samt der Heidemühle vor mehr als zehn Jahren.

Es ist ein Areal mit Jahrhunderte langer Geschichte. Die erste Erwähnung der Heidemühle geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ende des 18. Jahrhunderts wurde hier dann schließlich eine Gastwirtschaft eingerichtet. Eine Blüte erlebte der Gasthof ab Ende des 19. Jahrhunderts. Auf alten Postkarten ist zu sehen, wie die Menschen hier an den Wochenenden saßen. Zu DDR-Zeiten sei die Heidemühle dann Ferienobjekt des Braunkohlenkombinates Senftenberg gewesen. Nach der Wende verfiel das Areal zunehmend. Jetzt herrscht endgültig wieder Leben auf dem Areal.