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Hier gilt nicht rechts vor links

Die Anwohner einer Wilsdruffer Straße machen sich Sorgen um die Verkehrssicherheit. Grund ist eine unübersichtliche Einmündung.

Sebastian Stemmler (links) und Steffen Gehlert sind nicht zufrieden, wie der Verkehr auf der Anliegerstraße An der Baumschule in Wilsdruff geführt wird.
Sebastian Stemmler (links) und Steffen Gehlert sind nicht zufrieden, wie der Verkehr auf der Anliegerstraße An der Baumschule in Wilsdruff geführt wird. © Daniel Schäfer

Die Wilsdruffer Sebastian Stemmler und Steffen Gehlert sind nicht glücklich mit dem, was sich fast täglich auf der Straße vor ihren Häusern abspielt. Obwohl auf der Straße "An der Baumschule" Tempo 30 gilt, fahren viele Autos und Transporter dort deutlich schneller, sagen sie. Vor allem vormittags und nachmittags ist hier viel Bewegung, weil viele Bauleute zur oder von der Arbeit fahren. Der Grund: Am anderen Ende der Straße entsteht ein neues Wohngebiet mit rund 50 Baugrundstücken. 

Besonders kritisch sei es an der Stelle, an der die Anliegerstraße Wasserhäuschen auf die Baumschulen-Straße einmündet. Wer von der Nossener Straße kommt, sehe die gar  nicht, sagt Stemmler. Denn parkende Autos machen die Kreuzung unübersichtlich. "Und dann gibt es noch die Hecke. Man sieht  nichts", sagt Steffen Gehlert. 

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Seit 2019 gibt es dieses Problem. Weil die beiden Wilsdruffer und ihre Nachbarn nicht warten wollten, bis es zu Verkehrsunfällen kommt, wurden sie aktiv. Sie filmten die Verkehrssituation, baten die Stadt um Gespräche. Das Rathaus reagierte. Nach Rücksprache mit der Polizei ließ  die Stadt Anfang des Jahres zwei "Vorfahrt beachten"-Schilder an der Straße  "An der Baumschule" aufstellen. Auf der Straße Am Wasserhäuschen wird das Schild Vorfahrtsstraße aufgestellt. 

Die drei Schilder brachten aus Sicht der Anwohner nicht den erhofften Erfolg. Und das ist nicht nur ein Eindruck. Die Anwohner haben im März eine Kamera installiert, um das Geschehen auf der Kreuzung zu dokumentieren. Dabei haben sie mehrere gefährliche Situationen gefilmt. Das Grundproblem: Wer auf der Baumschulenstraße fährt, nimmt zu spät wahr, dass er die Vorfahrt beachten muss. 

Auf einem der Filme ist zum Beispiel zu sehen, wie ein Kran einfach durchfährt, ohne die Geschwindigkeit zu drosseln. Deshalb waren die Anwohner sehr verärgert, als Bauamtsleiter André Börner auf SZ-Anfrage erklärte, dass die neue Beschilderung "ihre Wirkung entfaltet". Sebastian Stemmler, Steffen Gehlert  und andere Anwohner sehen das nicht so. 

Ein Pkw nähert sich der Kreuzung. Die Kreuzung auf der Straße An der Baumschule in Wilsdruff kann schon als sehr gefährlich beschrieben werden. Den Verkehrsteilnehmern wird erst im letzten Moment klar, dass hier kein Rechts vor Links gilt.
Ein Pkw nähert sich der Kreuzung. Die Kreuzung auf der Straße An der Baumschule in Wilsdruff kann schon als sehr gefährlich beschrieben werden. Den Verkehrsteilnehmern wird erst im letzten Moment klar, dass hier kein Rechts vor Links gilt. © Daniel Schäfer

"Es gibt eine latente Gefahr und das jeden Tag", sagt Stemmler. Vor allem für die Kleinen, die entlang der Straße zu den Schulen laufen. Wenn sich das Wohngebiet füllt, werden es noch mehr Kinder sein. Bei Unfällen könnten auch sie zu Schaden kommen. Stemmlers Fazit: Um Unfälle zu vermeiden, muss etwas passieren. 

Die anderen 23 Anliegern sehen das ebenso. Sie stellten einen Antrag und reichten ihn im Stadtrat ein. Drei Räte schauten sich die Situation an. Auch sie hätten festgestellt, dass hier etwas passieren muss, sagt Stemmler. Doch in der Hand haben sie es nicht. Gern hätten die Anwohner ihr Anliegen im Stadtrat diskutiert. "17 Stadträte haben uns auch unterstützt", sagt Stemmler. Doch Bürgermeister Ralf Rother (CDU) ließ das Thema im Technischen Ausschuss diskutieren. Im Stadtrat stellte er die Ergebnisse einer Verkehrsmessung vor. Diese ergab, dass sich die meisten Auto- und Transporterfahrer an Tempo 30 halten.

Die Messung sei nicht repräsentativ, denn diese seien mit den sogenannten Smiley-Messtafeln gemacht worden. "Schon durch die Smiley-Anzeige erreicht man regelmäßig eine direkte Verkehrsberuhigung. Nicht umsonst werden solche  Anzeigetafeln vor Schulen und Kindergärten fest angebracht", heißt es in einer Stellungnahme der Anwohner. Deshalb könnte man mit der Messung nicht begründen, dass sich die Situation an der Einmündung  durch die neue Beschilderung verbessert hat.

Diese brenzlige Situation haben die Anwohner beobachtet und gefilmt. Vorfahrt hatte das linke Fahrzeug, dass aus der Straße "Am Wasserhäuschen" kam.
Diese brenzlige Situation haben die Anwohner beobachtet und gefilmt. Vorfahrt hatte das linke Fahrzeug, dass aus der Straße "Am Wasserhäuschen" kam. © privat
Knapp war es auch bei der Begegnung dieser beiden Fahrzeuge. Das rechte Fahrzeug hätte die Vorfahrt beachten müssen.
Knapp war es auch bei der Begegnung dieser beiden Fahrzeuge. Das rechte Fahrzeug hätte die Vorfahrt beachten müssen. © privat
So sieht der Vorschlag der Anwohner aus. An fünf Stellen entlang der Anliegerstraße An der Baumschule sollten Schikanen errichtet werden.
So sieht der Vorschlag der Anwohner aus. An fünf Stellen entlang der Anliegerstraße An der Baumschule sollten Schikanen errichtet werden. © privat

Die Anlieger haben sich inzwischen Gedanken gemacht, wie es auf der Straße sicherer werden könnte. Ihr Vorschlag: An verschiedenen Stellen der Baumschulen-Straße  sollten Hindernisse aufgestellt werden. Zunächst nur provisorisch. Diese Hindernisse würden die Autofahrer dazu veranlassen, langsamer zu fahren, sagen Anwohner.  Ähnliche Lösungen gebe es auch an anderen Stellen im Stadtgebiet. Die Anwohner verweisen auf das Wohngebiet Löbtauer Straße in Wilsdruff und die Straße des Friedens in Kesselsdorf. Sie selbst haben das getestet, in dem sie ihre Fahrzeuge probehalber so geparkt hatten, dass man um sie herum fahren musste. Es funktionierte, sagen sie.

Im Rathaus weiß man um die Probleme. "Wir stellen gefährliche Situationen im Straßenverkehr nicht in Abrede, auch nicht An der Baumschule", sagt Rother auf SZ-Nachfrage. Die Verwaltung würde sich auch die Videoaufnahmen anschauen. Dazu sollten die Anwohner einen Termin vereinbaren. Den Vorschlag der Anlieger, mit Pflanzkübeln den Verkehr zu beruhigen, müsse man prüfen. Zunächst aber sollte geschaut werden, ob die von den Anwohnern vorgeschlagenen Piktogramme auf der Fahrbahn wirken. Diese seien beauftragt und sollen den Auto- und Lkw-Fahrern klarmachen, dass sie die Vorfahrt zu beachten haben. 

Nach dem Auftragen der Piktogramme will die Stadt die Wirkung einschätzen. Sollte sich an der Situation nichts ändern, würde die Stadt den Vorschlag der Anwohner aufgreifen und prüfen lassen. Dazu müsste aber ein Verkehrsplaner beauftragt und Geld im Haushalt eingeplant werden. Nach ersten Schätzungen würde das Aufbauen von Schikanen rund 4.000 Euro kosten. Der Verkehrsplaner sollte Vorschläge machen und  beurteilen, ob die Maßnahmen verhältnismäßig und geeignet sind, den Verkehr zu beruhigen. 

Letztlich sollten die Hindernisse nicht dazu führen, dass Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, so Rother. Das hätte auch Konsequenzen für die Stadt als Eigentümer der Straße. "Anzumerken wäre noch, dass sich der Erfolg der Maßnahmen an der Löbtauer Straße aus Sicht einzelner Anwohner durchaus kritisch darstellt. Es erreichten uns erst jüngst wieder Beschwerden zur Verkehrssituation", so der Rathauschef.

Rother stellte auch in Aussicht, in naher Zukunft wieder Smiley-Anzeigetafeln an der Straße anzubringen. Die Stadt möchte eine weitere Tafel kaufen. Die Anwohner wird das wenig beruhigen. Sie wollen eine dauerhafte Lösung.

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