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Freital

Wilsdruff funkt wieder

Am Sonntag wird über Mittelwelle gesendet. Ein bekannter Wettermann und ein Nachrichtensprecher machen mit.

Jürgen Juhrig mit einem historischen Radioempfänger von 1938 der Firma Blaupunkt daneben ein Mittelwellensender der tschechischen Firma Tesla von 1978.
Jürgen Juhrig mit einem historischen Radioempfänger von 1938 der Firma Blaupunkt daneben ein Mittelwellensender der tschechischen Firma Tesla von 1978. © Egbert Kamprath

Radio zum Anfassen gibt es an diesem Sonntag in Wilsdruff. Wer möchte, kann sich dort nicht nur historische Radiotechnik anschauen, sondern auch erleben, wie sie funktioniert. Die Idee dazu hatten Jürgen Juhrig und Wolfgang Lill.

Juhrig ist Chef des Technikvereins Sender Wilsdruff, Lill ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Internetportals Radiomuseum.org. Beide kennen sich seit Jahren und beide eint ein Ziel: Sie wollen den Mittelwellensender Wilsdruff mit seiner 153 Meter hohen markanten Antenne als Technisches Denkmal erhalten. Mit der Veranstaltung am Sonntag wollen sie noch mehr Unterstützer gewinnen, vor allem junge Menschen. Ihnen will Juhrig bewusst machen, welche interessante, wertvolle und einmalige Technik es in Wilsdruff gibt. Außerdem will er einen Impuls für eine neue Nutzung der Anlage geben.

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Das Interesse an der Wilsdruffer Radiotechnik wurde bei Juhrig, der in Freital groß wurde und jetzt in Kesselsdorf lebt, durch private Forschung und seine Tätigkeit im Wilsdruffer Rathaus geweckt. Inzwischen hat sich Juhrig, der Hochschulingenieur für Wärmekraftanalgen, Diplom-Gesellschaftswissenschaftler und jetzt Rentner ist, so gut eingearbeitet, dass er Vorträge zur Wilsdruffer Sendeanlage halten kann.

Juhrig und seinen Mitstreitern sitzt die Zeit im Nacken, denn noch in diesem Jahr will der Besitzer die Mittelwellen-Antenne, das Kölner Unternehmer Media Broadcast , diese abreißen. Juhrig möchte das unbedingt verhindern. Für ihn ist das ein Unding, dass das gerade in dem Jahr passieren soll, wo sich die Inbetriebnahme der Sendeanlage zum 65. Mal jährt. Neben Lill hat der 69-Jährige viele Unterstützer hinter sich geschart. Dazu gehören nicht nur die 15 Mitglieder seines Technikvereins, sondern auch der von Sabine Neumann gegründete Förderverein, der bereits 28 Mitglieder hat. „Als Technikverein hatten wir uns mit den Zuständen abgefunden, waren schon resigniert, weil wir bei den Verantwortlichen nicht weiterkamen“, so Juhrig.

Der Förderverein hat der Diskussion neuen Schwung verliehen. Beide Vereine waren in den letzten Monaten sehr aktiv. Es wurden Unterschriften gegen den Abriss gesammelt, es gab Treffen mit Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und mit verschiedenen Ministern.

Mit der Veranstaltung am Sonntag wollen die Freunde des Wilsdruffer Senders einen weiteren Versuch unternehmen, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass Mast und Sendeanlage zu Wilsdruff gehören und erhalten werden müssen. Gern hätte Juhrig zum Sender geladen. Doch der steht auf einem privaten Grundstück und ist abgesperrt. Deshalb werden die Radiofreunde auf den Wilsdruffer Kleinbahnhof ausweichen. Dort wird es nicht nur eine Ausstellung zur Geschichte des Senders Wilsdruff geben, sondern auch ein kleines Sendestudio, um vorproduzierte Sendungen abspielen zu können.

„Wir haben ein fünfstündiges Programm mit verschiedenen Beiträgen vorbereitet“, sagt Juhrig. Es ist eine musikalische Zeitreise mit Titeln, die in der Zeit populär waren, als von Wilsdruff aus noch gesendet wurde. Dazwischen gibt es kurze Interviews und Grüße von Radiofans. Diese kommen unter anderem vom tschechischen Sender Usti nad Labem (Aussig), Sender Radio Nordsee International und von Radio Goldrausch. Zwischen 14 und 15 Uhr soll Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) zu Wort kommen, um das 100-jährige Bestehen des Heimatmuseums und die Arbeit der Ehrenamtler zu würdigen.

Konzipiert wurde diese Sondersendung von Lill. Juhrig ist begeistert, wen sein Mitstreiter dafür gewinnen konnte. So wird Klaus Feldmann, der bekannte Sprecher der DDR-Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ zu Wort kommen. Es wird auch einen Wetterbericht geben, den ebenfalls ein Prominenter vortragen wird, der Meteorologe und Fernsehmoderator Jörg Kachelmann. „Er soll live ins Programm geschaltet werden“, sagt Juhrig. Kachelmann werde eine Weltpremiere geben: den Wilsdruffer Autobahnwetterbericht.

Übertragen wird das Programm auf der legendären Mittelwellen-Frequenz 1044 Megahertz, über die der Sender Wilsdruff über Jahrzehnte Sendungen ausstrahlte. Um am Sonntag über die Frequenz senden zu können, wird eine Landdrahtantenne am Kleinbahnhof aufgebaut. Die Genehmigung dafür hat der Technikverein eingeholt. Juhrig hofft, dass das Programm auf jedem Fall im Stadtgebiet von Wilsdruff zu hören sein wird. Das Programm wird aber auch über Kurzwelle 6070 Kilohertz und als Livestream im Internet – zum Teil zeitversetzt – gesendet.

Wer kein Radio mit Mittelwelle besitzt, kann die Sendung auch in der Dampfmaschinenausstellung und in den Räumen des Technikvereins auf der Wilsdruffer Rosengasse mitverfolgen. „Dort wollen wir Radios installieren“, so Juhrig. Kleiner Höhepunkt des Radiospektakels wird eine Höreraufgabe sein. Der Technikverein sucht den Besitzer des ältesten Kofferradios.

Das ist geplant

Der Technikverein Sender Wilsdruff präsentiert sich zum Tag des Denkmals am Sonntag, 8. September, im und am Kleinbahnhof Wilsdruff.

Von 10 bis 17 Uhr werden dort Radiosendungen abgespielt, es ist eine Ausstellung zu sehen. Geplant ist auch eine „Tanzdemo“ der Linedance-Gruppe Black Devils. Auch der Wilsdruffer Karnevalsverein hat sich angekündigt.