merken

Wilsdruff soll Lkw-frei bleiben

Ein Verkehrsversuch endet im März. Dass das Brummi-Verbot aufgehoben wird, will sich dennoch keiner vorstellen.

Von Annett Heyse

Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Wenn die Anwohner der Freiberger Straße in Wilsdruff heutzutage die Fenster öffnen, dann hört man zwar draußen ein paar Pkws und auch mal einen Bus vorbeifahren. Was aber fast gänzlich fehlt, ist der Brummi-Lärm, der einst den Bürgern die Nerven raubte. Lediglich die Müllabfuhr und einige Lieferwagen fahren noch durchs Stadtzentrum – mit Sondererlaubnis. Denn seit Oktober 2013 gilt ein Lkw-Verbot: Die Brummis müssen die Stadt umfahren. Die Umleitung führt über die B 173, Kesselsdorf und die S 36.

Doch was viele Bürger begrüßten, könnte bald ein jähes Ende haben. Denn das Lkw-Verbot war von Anfang an nicht als Dauerlösung geplant. Es galt als Verkehrsversuch. Ende März ist der 18-monatige Versuchszeitraum vorbei. Und dann? In Wilsdruff ist man sich da relativ einig. „Wir würden uns natürlich wünschen, dass das Verbot auf Dauer bleibt“, sagte Bürgermeister Ralf Rother (CDU) neulich in einer Stadtratssitzung. Fast nur positive Rückmeldungen habe er vernommen. Und die Bürgerinitiative Verkehrskonzeption, die sich jahrelang für ein Durchfahrverbot bei vielen Behörden eingesetzt hatte, ist sowieso dieser Meinung: „Egal, mit wem man ins Gespräch kommt: Alle finden, die jetzige Lösung verbessert deutlich das Lebensumfeld in Wilsdruff“, kommentiert deren Frontmann Ulrich Klein.

Nicht ganz so erbaut vom Fahrverbot sind lediglich einige Firmen, die nun mehr Zeit für Wege veranschlagen müssen. Zeit und Weg aber summieren sich auf höhere Kosten. So gibt es in der Stadt beispielsweise zwei große Speditionen, die vom Lkw-Verbot nicht unbedeutend getroffen sind. Die Firmen haben Angestellte, sie zahlen Gewerbesteuern, tragen zum Wilsdruffer Wohlstand bei. Doch kann man die Rendite einer Firma aufwiegen gegen ein gutes Wohnumfeld in der Kleinstadt? Die Behörden, die über das Lkw-Verbot in Kürze entscheiden müssen, werden ohnehin andere Kriterien abwägen.

Eines sind Verkehrszählungen. Diese wurden noch vor dem Oktober 2013 durchgeführt, ein Ingenieurbüro war damit beauftragt. Eine zweite Erhebung sollte dann während der Versuchsphase stattfinden. „Das hat sich wohl verzögert“, berichtet André Börner, Bauverwaltungsleiter von Wilsdruff. Außerdem gebe es verschiedene Daten, dabei wohl auch welche aus dem Versuchszeitraum. Denn das Ingenieurbüro ermittelte das Verkehrsaufkommen mittels elektronischer Zählstellen. Die Polizei wiederum, die besonders in der Startphase des Verkehrsversuchs das Verbot akribisch überwachte, kommt aber auf ganz andere Werte. Diese würden aussagen, dass aufgrund der Umleitung der Lkw-Verkehr deutlich zurückgegangen ist.

Aber wird das den Wilsdruffern helfen? Denn politisch betrachtet hat das Verfahren noch eine andere Dimension. Die Verbindung aus Richtung Autobahn über das Stadtzentrum nach Grumbach ist eine Staatsstraße. Diese sollen den überörtlichen Verkehr, also auch den Schwerlastverkehr, aufnehmen. Genau so eine Straße also für genau diesen Verkehr zu sperren, ist rechtlich nicht ohne Weiteres möglich und muss deshalb gut begründet sein.

Wie es weitergehen soll, will die Wilsdruffer Stadtverwaltung diese Woche diskutieren.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.