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Wilsdruff wagt das Abenteuer

Fußball: Spitzenreiter Freiberg verzichtet nun doch auf den Aufstieg in die 6. Liga. Im Saubachtal ergreift man die Chance beim Schopf.

Im letzten Landesklassen-Heimspiel setzte sich Wilsdruff am Sonntagnachmittag 1:0 gegen Meißen durch. Domenik Kohl (r.) erzielte das entscheidende Tor.
Im letzten Landesklassen-Heimspiel setzte sich Wilsdruff am Sonntagnachmittag 1:0 gegen Meißen durch. Domenik Kohl (r.) erzielte das entscheidende Tor. © Karl-Ludwig Oberthür

Es vergeht fast kein Tag, an dem der Sächsische Fußball-Verband (SFV) keine Hiobsbotschaft erhält. 

Diesmal kommt sie aus der Fußball-Landesklasse Mitte und betrifft den BSC Freiberg: Die Bergstädter stehen zwar unmittelbar vor dem Staffelsieg, wollen nun aber doch nicht aufsteigen. „Leider ist es uns bis jetzt nicht gelungen, die Mannschaft vor allem in der Breite so zu verstärken, dass ein Aufstieg in die Landesliga sinnvoll wäre“, erklärte Vereinschef Jörg Neuber gegenüber der Freien Presse.

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Bereits am Donnerstag informierte der BSC darüber den Sächsischen Fußballverband (SFV), der danach unverzüglich beim Vizemeister Motor Wilsdruff anrief, um zu erfahren, ob denn die Wilsdruffer in die Landesliga aufsteigen würden. Die Entscheidung: Die Saubachtaler lassen diese Chance nicht verstreichen. „Wir haben uns am Freitagabend zusammengesetzt und mit unserem sportlichen Leiter Lutz Neumann beraten. Danach sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir den Sprung in die höchste Spielklasse Sachsens wagen werden“, sagte Trainer Paul Rabe vor der Heimpartie der Wilsdruffer am Sonntag gegen den Meißner SV.

Motor lieferte den Freibergern über die gesamte Distanz sportlich durchaus Paroli, auch wenn die beiden Duelle gegen den Spitzenreiter verloren wurden (0:2, 0:1). Dennoch liegt vor den Wilsdruffern ein Berg an Arbeit. Beim Spiel gegen die Freiberger machte sich das Gerücht breit, Spielmacher Philip Heineccius würde vor dem Absprung stehen. Der 31-Jährige gab zwar keine Entwarnung, erklärte aber, dass noch keine Entscheidung gefallen sei.

Bereits Ende Mai waren erste Gerüchte aufgekommen, die Freiberger würden keine landesligataugliche Mannschaft zusammenbekommen. Auch Stahl Freitals Trainer Jens Wagner hegte damals Zweifel: „Ich habe gehört, dass sogar der Torwart-Trainer und der Mannschaftsleiter beim Tabellenführer aushelfen mussten. Wie will man so in der sechsten Liga bestehen?“ Der Wesenitztaler Coach Uwe Rahle zeigte sich ebenfalls wenig überrascht vom Rückzug der Freiberger: „Der hat sich aus meiner Sicht in den letzten Wochen mehr und mehr abgezeichnet.“

Motivator, Taktik-Tüftler und nun Aufstiegstrainer: Paul Rabe hat die Wilsdruffer zu einem regionalen Spitzenteam geformt.  
Motivator, Taktik-Tüftler und nun Aufstiegstrainer: Paul Rabe hat die Wilsdruffer zu einem regionalen Spitzenteam geformt.   © Andreas Weihs

Offiziell hielten sich die Freiberger aber die Aufstiegsoption bis jetzt offen – sogar länger als erlaubt: Die Freitaler sowie der FV Gröditz und der SV Bannewitz waren die einzigen Vereine der Landesklasse Mitte, die ihren Aufstiegsverzicht fristgerecht bis zum 30. April gegenüber dem Verband erklärt hatten. Offensichtlich schreckt der gesetzte Termin aber kaum ab, nachträglich doch noch seinen Aufstiegsverzicht zu erklären, auch wenn man dadurch eine Geldstrafe durch das Sportgericht kassiert.

Richtig unwohl dürften sich vor dem 25. Spieltag die diesmal spielfreien Possendorfer gefühlt haben. Trotz der Roten Laterne, die im „Poisenblick“ hängt, war der Klassenerhalt eigentlich sicher, weil die Staffel wieder auf 14 Teams aufgestockt und aus der Kreisoberliga nur zwei statt drei Vereine in die 7. Liga aufrücken (SZ berichtete). „Doch dann kam die Info vom Freiberger Rückzug und zunächst wussten wir nicht, ob der Zweit- oder Drittplatzierte dann nachrücken werden“, sagt Trainer Volker Schlicke. Laut Spielordnung konnten für die Freiberger nur Motor Wilsdruff oder der Hainsberger SV als Tabellendritter nachrücken. Nach einigen bangen Stunden konnten die Verantwortlichen der SG Empor, die bekanntlich „100 Jahre Fußball in Possendorf“ feiern, allerdings aufatmen.

Auch die Hainsberger hatten durchaus positive Signale gesendet. Die geplante Fusion mit Stahl und Motor Freital, die am 1. Juli 2020 vollzogen sein soll, macht die Landesliga als Zukunftsmodell schließlich ein ganzes Stück attraktiver. Zunächst sind es aber nun die Wilsdruffer, die sich in Sachsens wichtigster Liga bewähren können. Sie stellen damit künftig neben dem VfL Pirna-Copitz ein höchstklassiges Fußballteam im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Es wird ein Abentuer.

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