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Daheim in Wilthens schönstem Haus

Eine Dresdner Familie suchte lange ein neues Zuhause, fündig wurde sie in der Oberlausitz – in einer besonderen Villa.

Michel Constantin Hille und seine Frau Kristin haben sich das kleine Paradies hinter ihrer Villa in Wilthen ganz nach ihren Vorstellungen eingerichtet. Den Wilthener Sonderbrand zu Ehren von Vorbesitzer Adolf Kiertscher gab's zum Haus dazu.
Michel Constantin Hille und seine Frau Kristin haben sich das kleine Paradies hinter ihrer Villa in Wilthen ganz nach ihren Vorstellungen eingerichtet. Den Wilthener Sonderbrand zu Ehren von Vorbesitzer Adolf Kiertscher gab's zum Haus dazu. © Steffen Unger

Wilthen. Wie es sich anfühlt, nach ewigem Suchen endlich das passende Traumhaus zu finden, kann wohl nur nachfühlen, wer diesen Moment bereits selbst erlebt hat. Die gebürtige Dresdnerin Kristin Hille beschreibt ihre ganz persönliche Erfahrung so: "Als unsere Familie wuchs und die 100-Quadratmeter-Wohnung in der Nähe des Großen Gartens allmählich zu klein wurde, haben wir begonnen, im Dresdner Speckgürtel nach einer eigenen Bleibe zu suchen." 

Das Vorhaben scheiterte zunächst in jedweder Hinsicht: "Nichts hat uns wirklich zugesagt und wenn doch, dann war um das Haus herum gerade mal ein schmaler Grünsteifen. Das hat uns nicht gereicht. Wir wollten einen großen Garten." Selbst zu bauen, war für die junge Familie nicht vorstellbar. Dann wurde Kristin Hille erneut schwanger. Bereits zweifache Mutter erwartete sie nun Zwillinge – ausgerechnet zu jener Zeit, als es so schien, dass in Rathen eine passende Bleibe für die wachsende Familie gefunden sei. Doch nach der Geburt der Zwillinge war das Haus nicht mehr auf dem Markt – ein weiterer Rückschlag.

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Nunmehr sechsköpfig machten sich die Hilles also erneut auf die Suche nach ihrem Traumhaus, stießen im Internet auf die Villa von Adolf Kiertscher an der Zittauer Straße in Wilthen. Kiertscher war mit seiner Kapelle Oberland 45 Jahre lang eine livemusikalische Institution in der Oberlausitz, durfte auf keinem Fest fehlen. Nach seinem Tod im Jahr 2015 lebte seine Frau Rosina Maria Kiertscher ein Jahr allein auf den 800 Quadratmetern, die sich über drei Stockwerke verteilen; entschied sich aber ob der schieren Größe des Objekts schließlich zum Verkauf. Ab diesem Moment jagte ein glücklicher Zufall den nächsten.

Große Liebe und alte Bekannte

Als Rosina Maria Kiertscher den Hilles beim Besichtigungstermin die Tür öffnete, erlebten alle eine Überraschung - in doppelter Hinsicht. Michel Constantin Hille erinnert sich: "Meine Frau und ich haben früher mal getanzt, dabei sind wir Frau Kiertscher zwei, drei mal begegnet. Lustig, auf welchen Pfaden sich die Wege manchmal kreuzen." Die Chemie zwischen den dreien habe sofort gestimmt. Und dabei sollte es nicht bleiben, denn auch das Haus weckte Sympathien – und mehr als das.

Wenn Kristin Hille sich an ihren ersten Besuch in der Villa erinnert, spricht sie von Liebe auf den ersten Blick und gerät ins Schwärmen: "Das Haus war in einem top Zustand, hatte ein riesiges Wohnzimmer, separate Bäder. Wir mussten nichts machen, nicht einmal tapezieren. Alles traf genau unseren Geschmack. Genau so hätten wir auch gebaut." Es kam, wie es kommen musste. An diesem Tag, es war der 23. Februar 2017, fuhren die Hilles beeindruckt von ihrem Besichtigungstermin nach Hause, unterhielten sich schon auf der Rückfahrt darüber, wer welches Zimmer beziehen würde.

Am 24. Juni 2017 zogen sie mit Sack und Pack in ihrem neuen Domizil ein. Die Gegend, sagt Kristin Hille heute, sei ihr und ihrem Mann damals gänzlich unbekannt gewesen, außerdem eigentlich zu weit von der Landeshauptstadt entfernt. Aber die Liebe war größer.

Im Büro von Adolf Kiertscher blieb nahezu alles, wie es war. Tapeten, Einrichtung - Kristin Hille findet das alles zwar konservativ. Verliebt hat sie sich in die Innengestaltung des Hauses aber dennoch.
Im Büro von Adolf Kiertscher blieb nahezu alles, wie es war. Tapeten, Einrichtung - Kristin Hille findet das alles zwar konservativ. Verliebt hat sie sich in die Innengestaltung des Hauses aber dennoch. © Steffen Unger

Entsprechend haben sie ihren blinden Umzug aufs Land auch nie bereut. "Wir haben wirklich nette Nachbarn hier und sind sehr freundlich aufgenommen worden", sagt Michel Constantin Hille, der an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Görlitz/Zittau eine Professur innehat. Die Oberlausitzer, sagt er, seien herzensgute Menschen. Gleichwohl entgehe ihm nicht, dass die Leute in der Region ihre Probleme haben. Er gibt ein Beispiel: "Vor allem viele Ältere ziehen sich zunehmend in die Einsamkeit zurück. Selbst Familien tendieren dazu, sich selbst so zu belasten."

Das ist die Art von Hille nicht, der sich vor allem Themen wie Psychohygiene, Intervention und seelischer Gesundheit verschrieben hat. Diese begleiten ihn auch nach dem Feierabend – wenn auch eher in praktischer, denn in wissenschaftlicher Form. Während er mit seiner Familie im ersten Stock lebt und im Dachgeschoss eine Ferienwohnung an Gäste vermietet, öffnet er die gute Stube, wie er und seine Frau die Räumlichkeiten im Erdgeschoss nennen, nur zu gern für die Öffentlichkeit. "Ich brauche den Kontakt zu Menschen, die Bodenhaftung, will zugänglich bleiben und das Haus öffnen", erklärt er. 

Momentan, erzählt er, veranstaltet er hier vor allem Kurse zur Burn-Out-Prävention für Kita-Angestellte oder Pflegekräfte; sitzt aber auch schon einmal mit seinen Studenten zusammen. Auch Team-Reflexion bietet er an – nicht ohne vorher seinen Gästen bei einer Verkostung in der benachbarten Weinbrennerei die Zungen gelöst zu haben. Sein persönliches Highlight aber war eine Lesung, bei der etwa 110 Leute den Weg in die ehemalige Kiertscher-Villa fanden. 

Ein Buddha auf einer Lotusblüte begrüßt Besucher im mondänen Empfangsbereich.
Ein Buddha auf einer Lotusblüte begrüßt Besucher im mondänen Empfangsbereich. © Steffen Unger

Begrüßt werden sie dort im mondänen Empfangsbereich von einem Buddha auf einer Lotusblüte. An der Wand plätschert ein kleiner Brunnen vor sich hin. Es sind nicht die einzigen Reminiszenzen an die fernöstliche Philosophie, die Hilles als beschützend und gutmütig gleichermaßen empfinden. Sie ziehen sich durch die gute Stube im Erdgeschoss der Villa bis in den kleinen Zen-Garten neben dem historischen Teehaus im Garten. 

Auch der ist weitläufig, wird im hinteren Teil begrenzt von einer beeindrucken Säulen-Mauer und bietet allerhand lauschige Plätzchen, versteckte Nischen und wohlige Entspannungsmöglichkeiten. Entsprechend ratlos wirkt plötzlich Kristin Hille bei der Frage nach ihrem Lieblingsplatz. Ihre Augen wandern im Garten umher, dann zu ihrem Mann, dann sagt sie: "Ich sage immer, es gibt hier so viele schöne Sitzmöglichkeiten, wir könnten eigentlich jeden Tag irgendwo anders frühstücken." 

Michel Constantin Hille ist da schon weiter. Mit ausladenden Schritten betritt er die saftige Grünfläche, lässt den blau-schimmernden Pool links liegen und zeigt auf eine unscheinbare Bank unter altehrwürdigem Blätterwerk: "Dort sitze ich besonders gern", sagt er fast bescheiden. Oft kommt er aber nicht dazu. Neben der Arbeit und seinem privaten Engagement hat er noch ein Ziel: "Ich möchte in Wilthen Mitglied in einem Verein werden", sagt er und fügt ein wenig wehmütig hinzu: "Aber solange die Kinder noch klein sind und der Tag nur 24 Stunden hat, bleibt das wohl ein Traum. Das betrübt mich ein bisschen."

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