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Windrad-Hersteller mauert

Das Unternehmen Vestas kommt zwar für den Schaden auf, den ein gebrochener Windrad-Flügel verursachte. Doch zur Ursache schweigt der Hersteller.

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© hübschmann

Von Dieter Hanke

Das Rätsel um den abgeknickten Windrad-Flügel im März auf Mahlitzscher Flur ist gelöst. Doch der Hersteller Vestas scheut sich, der Öffentlichkeit die ganze Wahrheit zu sagen. „Wir haben die Verantwortung für den Schaden übernommen“, sagt zunächst Christina Buttler, Leiterin der Kommunikationsabteilung von Vestas Central Europa, auf SZ-Nachfrage. Das würde die Kosten für das Ersatzblatt, das extra vom Vestas-Stammsitz in Dänemark herbeigeschafft wurde, und auch die finanziellen Aufwendungen für Transport sowie Demontage des defekten Flügels und Installation des neuen Rotorblattes mit zwei Spezialkränen betreffen. „Weitere vertragliche Interna zur Regelung von Produktionsausfällen oder Gutachten werden im Dialog mit unserem Kunden geklärt“, bemerkt Buttler. Wie Insider verlauten, werde da wohl ein sechsstelliger Betrag zusammenkommen.

Diese finanzielle Belastung wird Vestas, das bis heute mehr als 54 000 Windenergieanlagen weltweit installiert hat, davon mehr als 6 900 in Deutschland, sicher problemlos wegstecken. Doch zur Hauptsache, was denn die Ursache für den Vorfall war, will sich das Unternehmen partout nicht äußern. „Wir geben keine weiteren Einzelheiten bekannt“, sagt die Leiterin der Kommunikationsabteilung. Nur so viel noch: „Vorfälle wie dieser in Mahlitzsch sind äußert selten.“

Mitte März war eines Nachts mit einem großen Knall in etwa 80 Meter Höhe ein 6,5 Tonnen schwerer und 30 Meter langer Windradflügel geborsten. Fast im rechten Winkel hingen die zerfetzten Teile herab. Autofahrer auf der A 4 am Nossener Autobahndreieck sahen vier Wochen lang schon von Weitem das amputierte Windrad, ehe dann ein neuer Flügel installiert wurde. Die Anlage ist seit Ende April wieder am Netz und speist Strom ein.

Besorgte Anwohner

„Für uns ist es unerklärlich, warum sich Vestas nicht zur Ursache des Schadens äußern will. Als Anwohner haben wir ein Recht darauf. Man muss ja Angst haben, dass sich das an anderen Anlagen wiederholt und dann vielleicht noch ein schlimmeres Unglück geschieht“, sagt die Wendischboraerin Heike Block. Sie wohnt mit ihrer Familie nur wenige Hundert Meter von dem geknickten Windrad entfernt. Auch Nossens Bürgermeister Uwe Anke bedauert, dass es keine Informationen zu der Ursache des Flügelbruchs gibt.

Die beschädigte Anlage gehört zum Windpark Heynitz bei Nossen nahe der Bundesstraße 101. Vor über zehn Jahren wurden dort mehr als 15 Anlagen aufgestellt. Die ITEC-International GmbH aus dem ostfriesischen Leer wurde als Dienstleister mit der technischen und kaufmännischen Betriebsführung der Anlagen beauftragt.

Einen Blitzschlag oder gar einen Zusammenstoß mit einem Flugkörper, was zu dem Unglück hätte führen können, schließen Gutachter aus, die den Schaden analysierten. Sie dürfen sich aber nicht weiter zu dem Vorfall äußern, wie ihre Auftraggeber anmahnten. So werden wohl die Spekulationen zum Flügel-Bruch andauern. Heftige Windböen oder auch Material- und Fertigungsfehler könnten da eine Rolle spielen. Offenbar will Vestas mit der Nachrichten-Sperre vermeiden, dass durch den Vorfall das Ansehen des Unternehmens leidet. Doch wie ein Nossener sagte, könnte dadurch bei Bürgern generell die Akzeptanz für neue Windkraftanlagen schwinden. Auch für Vestas als Hersteller von Windrädern wäre das viel schlimmer.