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Windstille am Windrad

Immer wieder verschleißen die Lager. Die Stadt ist ratlos, wie es mit dem technischen Denkmal weitergehen soll.

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Von Annett Heyse

Wie ein überdimensionales Spielzeug liegt das Grumbacher Windrad seit dem Herbst auf der Wiese an der Straße Grumbach-Tharandt. Gestützt auf mehrere Metallgestelle wartet es auf eine Reparatur – mal wieder. Denn das technische Denkmal ist für seinen Eigentümer, die Stadt Wilsdruff, zum Sorgenkind geworden. Schon mehrere Tausend Euro steckte die Stadt in den vergangenen Jahren in die Anlage. Leider mit mäßigem Erfolg.

Denn dem Windrad macht der Wind zu schaffen. „Das Problem ist, dass die Lager der Hauptwelle immer wieder verschleißen“, schildert Ingolf Dachsel, Bauamtsleiter in Wilsdruff. Deshalb habe man die Flügel vor einigen Monaten vom Turm runterholen müssen. Und das, obwohl Schmiedemeister Manfred Eyser aus Grumbach erst 2008 neue Kugellager eingebaut hatte, nachdem ein Orkan die Konstruktion 2007 stark beschädigt hatte. Und das war nicht das erste Mal: Bereits 2002 war das Windrad generalüberholt worden. Dass jetzt innerhalb von zwölf Jahren die nächste große Reparatur ansteht, ärgert natürlich den Bauamtsleiter. „So kann das nicht weitergehen. Wir brauchen eine andere Lösung.“

Aber welche? Vermutet wird, dass die modernen Kugellager zu genau und damit zu anfällig sind. „Wir haben zwar das Windrad so eingestellt, dass es sich nicht hundertprozentig in den Wind dreht und dadurch die Kräfte etwas geringer sind, die einwirken, aber das reicht offensichtlich nicht“, berichtet Dachsel.

Eine Lösung wäre, wieder alte Gleitlager anzufertigen und einzubauen. Allerdings bedürfen die einer stetigen Wartung. Dachsel: „Früher gab es bestimmt jemanden, der regelmäßig mit der Ölkanne hochgeklettert ist.“ Das könne heute aber niemand mehr leisten. Denn bis auf die Tatsache, dass das Windrad ein liebgewonnener Hingucker ist, braucht die Anlage keiner mehr. In der Stadtverwaltung hat man noch eine andere Idee. Über Stadtrat Joachim Schneider, im Berufsleben Professor an der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft, will man einen pfiffigen Maschinenbauer auftreiben, der sich des Problems annimmt.

Das Grumbacher Windrad diente einst zur Hebung des Trinkwassers für Braunsdorf. Es trieb eine Pumpe an, die das Wasser auf einer Strecke von 1 800 Meter und einer Höhendifferenz von 60 Meter zum Braunsdorfer Hochbehälter drückte. Sogenanntes „Überschusswasser“, also Trinkwasser, welches nicht in Braunsdorf verbraucht wurde, floss weiter nach Freital-Döhlen. Wann das Windrad errichtet wurde, ist unklar. Fakt ist, dass die Bauzeichnungen vom August 1909 datieren, es also schon über 100 Jahre alt sein dürfte. Die alten Getriebewellen, die hinunter zu den Pumpen liefen und auch die gesamte Technik im Inneren des Häuschens, sind allerdings längst verschwunden. Nur die Konsolen für die Pumpen stehen noch.