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Winterdienst am Limit

Die Wetterkapriolen fordern die Räumdienste personell und technisch über die Maßen – nicht nur in Altenberg.

Nachts, wenn der Verkehr nachlässt, wird durch die Straßenmeisterei Altenberg zusammen mit Fremdunternehmen Platz in der Stadt gemacht und Schnee abgefahren, hier an der B 170 am Abzweig Geising.
Nachts, wenn der Verkehr nachlässt, wird durch die Straßenmeisterei Altenberg zusammen mit Fremdunternehmen Platz in der Stadt gemacht und Schnee abgefahren, hier an der B 170 am Abzweig Geising. © Egbert Kamprath

Überlastete Bauhof-Mitarbeiter, verschlissene Winterdiensttechnik, Schäden am Fuhrpark von 55 000 Euro – elf Tage Winterchaos brachten die Stadt Altenberg an ihre Grenzen. „Wir waren vom 8. bis 18. Januar im Ausnahmezustand“, beschreibt Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) eine völlig neue Erfahrung.

Dass der Winter die Osterzgebirgler über die Maßen fordern kann, kommt vor. Dass das Geld für das Räumen und Streuen nicht reicht, ist auch nichts Außergewöhnliches. So musste die Bergstadt schon 2017 über ihr Budget gehen, obgleich für den Winterdienst jedes Jahr um die 250 000 Euro eingeplant sind. Auch im Januar vergangenen Jahres wurde es finanziell eng. Es lag zwar kaum Schnee, dafür machte Glätte den Osterzgebirglern zu schaffen. Es wurde mehr Streusalz und Splitt verbraucht. Und diesmal kam binnen kurzer Zeit alles zusammen, was sonst vielleicht in mehreren Wintern passiert: Schnee in Hülle und Fülle, dazu Nässe und Sturm. Rathauschef Kirsten sieht darin Auswirkungen der Klimaveränderungen, wie er zur jüngsten Stadtratssitzung sagte. „Die Schneefallgrenze ist gestiegen, aber die Temperaturen sind nicht so kalt“, fasste er seine Beobachtungen zusammen. Das bedeutet, der Schnee, der sonst etwas pappig in den Tallagen gefallen wäre und sich nicht lange gehalten hätte, kam auf dem Erzgebirgskamm herunter und war deshalb sehr nass und schwer.

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Schneeberge türmen sich am Bahnhof Altenberg. Für Kinder ein Spaß.
Schneeberge türmen sich am Bahnhof Altenberg. Für Kinder ein Spaß. © Egbert Kamprath

Das führte zu Schnee- und Windbruch nicht nur im Wald, sondern auch auf öffentlichen Straßen und Wegen. Allein die Altenberger Feuerwehren mussten zu über 70 Einsätzen ausrücken, um umgestürzte Bäume bzw. hängende Äste zu beseitigen. Außerdem kam es durch den Sturm zu erheblichen Verwehungen, sodass die Winterdienst-Trupps nur nach und nach die Straßen frei bekamen. Waren sie fertig, mussten sie nicht selten wieder von vorn anfangen, da es immer weiter wehte und schneite. Der städtische Bauhof wird beim Winterdienst von zehn Unternehmen unterstützt. Aber die Kräfte reichten nicht. Die Mitarbeiter waren bis in die Nachtstunden im Einsatz. Manche Einwohner und Gäste honorierten die Mühen trotzdem nicht und waren unzufrieden, wenn es an der einen oder anderen Stelle nicht vorwärtsging. Obendrein kam die Technik durch den Dauereinsatz an ihre Leistung und ging kaputt. „Wir haben Schäden von 55.000 Euro“, so Kirsten. Sieben Fahrzeuge bzw. Geräte seien in der Werkstatt, darunter eine Schneefräse und ein Radlader. Wie das die Stadt alles bezahlen soll, ist unklar. „Wir können das auf Dauer nicht durchhalten“, erklärte Kirsten. Personell, technisch und finanziell komme Altenberg mit dem Winterdienst an seine Grenzen. Auch in Dippoldiswalde geht es an die Reserven.

Über 20 Fahrzeuge waren in Altenberg im Einsatz.
Über 20 Fahrzeuge waren in Altenberg im Einsatz. © Egbert Kamprath

Dieser Winter ist härter als die vorangegangenen. Das spürt Thomas Quinger, der Bauhofleiter der Stadt, deutlich. Die Salzvorräte sind geschrumpft. Und ihm fällt auf, wie die großteils betagte Technik strapaziert wird. Im Durchschnitt der letzten Jahre hatte der Dippser Winterdienst von November bis März im Schnitt 99 Einsätze. Diesen Winter war er von November 2018 bis Ende Januar 2019 schon 70-mal gefordert. Das schlägt auch auf die Technik durch. So sind zwei Multicars ausgefallen. Am ersten Februar-Wochenende, als es kräftig schneite, hatte ein Räum- und Streu-Multicar einen Getriebeschaden. Die Reparatur wird schätzungsweise 5 000 bis etwa 6 000 Euro kosten. Wenige Tage später ging an einem gemieteten Multicar die Vorderachse kaputt, wieder ein Schaden von voraussichtlich rund 5 500 Euro. „Wir versuchen jetzt, ob es funktioniert, aus zwei Fahrzeugen eines zu machen, das einsatzfähig ist“, sagte Quinger.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

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