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Winterputz im Stadtmuseum

Staubsaugen, reparieren und neu beschriften – genug Arbeit für zwei Wochen.

Von Uwe Schulz
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Museumschefin Kerstin Noack kann auch werkeln - die Ziegel aus Styropor im Hintergrund sollen durch Fußleisten künftig besser geschützt sein.
Museumschefin Kerstin Noack kann auch werkeln - die Ziegel aus Styropor im Hintergrund sollen durch Fußleisten künftig besser geschützt sein. © Foto: Uwe Schulz

Von Uwe Schulz

Hoyerswerda. Die Trümmerecke im ersten Obergeschoss des Schlosses hat gelitten. Einige Stellen der Ziegel sind abgebrochen. Jetzt sieht man deutlich, dass sie nicht aus gebranntem Ton, sondern aus Styropor sind – von außen mit Farbe auf alt getrimmt. Allerdings sind sie auf dem Boden angeordnet und so mancher Fuß scheint schon dagegen gestoßen zu sein. Also wird jetzt nicht nur die Farbe ausgebessert, sondern auch noch eine Bodenleiste gesetzt. Für Kerstin Noack, bei der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH als Leiterin des Schlosses und des Stadtmuseums angestellt, keine große Sache. Leisten aus dem Baumarkt, dazu Kleber und Acryl, ein bisschen Werkzeug – handwerkliche Grundfertigkeiten können nie schaden.

Das Stadtmuseum hat seit einer Woche geschlossen – ausgenommen das Wochenende. Winterputz ist angesagt, hat man so in der Größenordnung noch nicht gemacht. Natürlich wird regelmäßig gereinigt, werden kleine Reparaturen vorgenommen. „Aber jetzt haben sich doch ein paar Sachen angehäuft und wir haben uns entschlossen, die ersten beiden Wochen des Jahres, wo ohnehin nicht so viele Besucher kommen, zu schließen, um in Ruhe arbeiten zu können“, sagt Kerstin Noack. Man muss ja auch Vitrinen öffnen. Dort, wo gerade gearbeitet wird, liegen Werkzeuge und Materialien. Zusammen mit einem normalen Besucherverkehr wäre das ungünstig. So kann der Besucherdienst einerseits Überstunden abbummeln, andererseits kann eben gefriemelt und geputzt werden. Hier und da wird Farbe ausgebessert, baut man wie beim Trümmerhaufen Trittkanten. Eine Hörstation im Lehrreich muss repariert werden. Und der in Tracht gekleideten Schaufensterpuppe in der Sorbenstube muss die lädierte linke Hand ersetzt werden. Werden bei normalen Reinigungen alle Flächen geputzt, so sind jetzt auch solche Exponate wie der Webstuhl in der Sorbenstube dran. Stück für Stück wird er abgesaugt und vom Staub befreit. Ein paar Meter weiter hat die Handwerks-Ecke gelitten. Einige Utensilien, obwohl befestigt, fehlen mittlerweile. Einer massiven Arbeitsbank fehlt ein Bein. Der Einsatz in einem Museum kann durchaus rau sein. Deshalb will man vor dem Sessel und dem daneben platzierten Kleinmöbel aus der Teschenzeit nun doch wieder eine Glasbarriere anbringen.

Die großen Vorhänge im Dauerausstellungsbereich sind alle abgenommen, werden gewaschen und wieder aufgehängt. Offenbar geschieht das zum ersten Mal nach über 20 Jahren. Vielleicht lässt die ZooKultur jetzt auch nochmal außer der Reihe die Fenster putzen. Das läuft dann freilich über einen Auftrag an eine Firma.

Das Museumsteam wird ansonsten vom Museumsverein unterstützt, natürlich ehrenamtlich. Kerstin Noack ist froh über die große Hilfe. Unabhängig vom Großputz übernehmen Vereinsmitglieder seit einigen Monaten an Wochenenden auch Aufsichtsdienste.

Wurden in den vergangenen Jahren zwei große Bereiche der Ständigen Ausstellung neu gestaltet, so ist doch der Teil hinter dem Lehrreich noch im Zustand wie vor 25 Jahren. Eine Neugestaltung ist zumindest für dieses Jahr nicht geplant. Dafür werden nun einige Schilder ausgetauscht. Zum Beispiel das für die Zinnkanne aus dem Jahr 1756 – bauchig mit Schraubverschluss und Ausguss mit gestaltetem Drachenmaul. Auch der Schraubverschluss hat die Drachenmaulverzierungen. Interessant ist die Inschrift auf dem Bauch der Kanne „Wer da will Bergwerk bauen, der muss dem lieben Gott vertraun, niemand kan sehn durch das Gestein, Gottes Segen gibt es allein“. Und auf der anderen Seite steht „Glück auf dem Bergmann“ mit zwei gekreuzten Hämmern und der Jahreszahl 1756. Die Kanne stammt aus dem 1948 abgerissenen Schloss Gutborn und hat einen Bezug zu den einstigen Besitzern, den Schönburgs. Nach dem Krieg war die Kanne ins Hoyerswerdaer Museum gekommen. 2012 wurden jedoch unter anderem dafür Restitutionsansprüche geltend gemacht und die Kanne wurde vom Museum angekauft. Das wurde den Besuchern des Museums in der Ausstellung so bislang nicht erzählt.

Auf dem Webstuhl sammelt sich der Staub an und muss gründlich abgesaugt werden.
Auf dem Webstuhl sammelt sich der Staub an und muss gründlich abgesaugt werden. © Foto: Uwe Schulz
Die linke Hand der Puppe ist schon lange kaputt. Nun wird sie durch eine neue ersetzt.
Die linke Hand der Puppe ist schon lange kaputt. Nun wird sie durch eine neue ersetzt. © Foto: Uwe Schulz
Die Bergmannskanne kann Geschichte erzählen. Bislang wird das kleine Schild dem nicht gerecht.
Die Bergmannskanne kann Geschichte erzählen. Bislang wird das kleine Schild dem nicht gerecht. © Foto: Uwe Schulz