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Wintersportler protestieren gegen Fußball-WM im Februar

2022 könnten die beiden größten Sportereignisse zeitgleich ausgetragen werden. Ski- und Rodelweltverband finden das alles andere als gut. Der Widerstand wächst.

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Von Gerald Fritsche

Es ist das Duell von Giganten. Bei diesem Zweikampf geht es nicht um Punkte und Medaillen, es geht um Geld, Einfluss, Ansehen. Und letztlich um die Frage, wer der Stärkere ist. Gegenüber stehen sich nicht zwei Sportler, sondern mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Fußball-Weltverband Fifa die beiden mächtigsten Sportverbände der Welt.

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Gestritten wird um den Winter 2022. Dann wird es Olympische Winterspiele geben. So viel steht fest, nur noch nicht wo. München will sich bewerben. Womöglich aber gibt es zeitgleich auch eine Fußball-WM. Weil es im Austragungsland Katar im Sommer unerträglich heiß ist, überlegt die Fifa, das Turnier in die kalte Jahreszeit zu verlegen. Die beiden größten Sportereignisse der Welt parallel – angesichts dieses Szenarios gehen die Wintersportler auf die Barrikaden.

„Das würde zu erheblichen Interessenskonflikten bei Zuschauern und Sponsoren führen“, sagt Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Skiverbandes. Dann würden „nicht nur die Übertragungszeiten im Fernsehen und Internet“ kollidieren, befürchtet Hörmann. Dies hätte auch „negative Auswirkungen auf Sportarten, die ohnehin nur alle vier Jahre in den Fokus der Öffentlichkeit geraten“. Die Empörung über die Planspiele der Fifa soll nun sogar in eine Resolution aller sieben olympischen Wintersportorganisationen münden. Angestoßen hat die Idee Gian Franco Kasper, Präsident des Skiweltverbandes. Der Schweizer formuliert gern in drastischen Worten – auch dieses Mal. Sein Gegner ist dabei sein Landsmann und Fifa-Präsident Sepp Blatter: „Wir werden nicht viel zu sagen haben, das ist mir ganz klar. Blatter wird sicher keine Rücksicht nehmen auf so Kleinigkeiten wie Olympische Winterspiele oder Winter überhaupt“, sagte Kasper noch im Oktober. Die Fifa mit ihrem Präsidenten entscheide das für sich. „Sie sind die Götter der Welt, zumindest glauben sie das.“

Aufgeben will er aber nicht, er suchte deshalb nach Verbündeten und hat die offenbar gefunden. „Ich bin überzeugt, dass sich alle Verbände der Resolution anschließen. Für meinen Verband kann ich das zu 100 Prozent garantieren“, sagt Josef Fendt, Präsident des Rodelweltverbandes. „Die zwei größten Sportereignisse zeitnah auszutragen, wäre eine Wahnsinnstat. Damit würde sich auch die Fifa keinen Gefallen tun. Für den Wintersport wäre es schlimm“, meint Fendt. Auch Biathlon-Chef Anders Besseberg unterstützt den Vorstoß von Kasper. Dieter Kolb, Präsident des Deutschen Curling-Verbandes, sieht in einer Verlegung der Fußball-WM einen „Affront“. Sein Bob- und Schlittenkollege Andreas Trauvetter findet: „Das wäre absolut tödlich.“

Der Fußball-Weltverband Fifa reagiert unterdessen gelassen. „Für uns hat sich nichts geändert. Es gibt ein Konsultierungsverfahren, wir sprechen mit den verschiedensten Parteien. Vor der WM 2014 wird es keine Entscheidung geben“, sagte eine Fifa-Sprecherin. Bis Ende 2014/Anfang 2015 soll ein Konsultationsverfahren den idealen Zeitpunkt der WM 2022 finden. Aufgrund der extrem hohen Temperaturen im Sommer im Wüstenstaat Katar spricht sich der Großteil der Experten für eine Verlegung des Turniers in die kältere Jahreszeit aus.

Auch im IOC beobachtet man die Entwicklung um die Fußball-WM 2022 mit Sorge. Bei einem Gipfeltreffen von hochrangigen Sportfunktionären unter Führung des neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach teilte man mit, dass das „olympische Programm in keiner Weise negativ beeinträchtigt werden sollte“. Biathlon-Chef Besseberg befürchtet, dass der Wintersport nicht mehr richtig in Szene gesetzt würde. Schon jetzt würde es zwischen den Wintersportverbänden Gerangel um die Fernsehzeiten geben. (dpa mit SZ/dk und sid)